DEUTSCHER KAMERAPREIS 2018 – Zehn BildgestalterInnen ausgezeichnet

Deutscher Kamerapreis 2018 (Gewinnerfoto)
© Superbass / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Sieben Kamerafrauen und Kameramänner sowie drei Editorinnen und Editoren sind in den Studios des Westdeutschen Rundfunks in Köln mit dem renommierten DEUTSCHEN KAMERAPREIS ausgezeichnet worden.

Die BildgestalterInnen setzten sich gegen mehr als 400 MitbewerberInnen durch. Die Auswahl der Nominierten und PreisträgerInnen traf eine hochkarätig besetzte Jury aus Kameraleuten, EditorInnen, ProduzentInnen und RegisseurInnen unter Vorsitz des Filmwissenschaftlers und Publizisten Prof. Dr. Norbert Grob. Das Kuratorium vergab zudem einen Nachwuchspreis und einen Ehrenpreis.

Christoph Augenstein, Geschäftsführer des DEUTSCHEN KAMERAPREISES Köln e. V.:

„Die Preisträgerinnen und Preisträger des Jahres 2018 beweisen, wie wichtig es ist, in Zeiten einer Inflation der Bilder beeindruckende Geschichten zu erzählen, die die Zuschauer berühren, irritieren oder zum Nachdenken anregen.“ Durch die feierliche Preisverleihung führte Thomas Hermanns.

Ehrenpreis für Birgit Gudjonsdottir

Der Ehrenpreis geht in diesem Jahr an Birgit Gudjonsdottir. Die gebürtige Isländerin, die bei Produktionen wie „Die Hochzeit meiner Eltern“, „Zappelphilipp“ oder „Schätze der Welt“ die Kamera führte, sei mit ihrer „zuhörenden“ und intuitiven Kameraarbeit nahezu in allen Genres zuhause, so das Kuratorium DEUTSCHER KAMERAPREIS in der Begründung. Auch die Souveränität, mit der sie das Thema Gleichberechtigung im Filmgeschäft vorlebe, habe das Kuratorium nachhaltig beeindruckt.

Beste Kamera – Kinospielfilm

Florian Ballhaus wird für seine Arbeit in dem Schwarz-Weiß-Weltkriegsdrama „Der Hauptmann“ (Filmgalerie 451/Alfama Films/Opus Film) von Robert Schwentke ausgezeichnet. Ballhaus „nutzt sehr souverän, ja nahezu perfekt die Vielfalt der Schwarz-Weiß-Fotografie. In großen Teilen arbeitet er mit harten Kontrasten, um das Schwarz zu stärken, und einer virtuosen Lichtführung„, so die Begründung der Jury.

Beste Kamera – Fernsehfilm

Die Handkamera von Michael Kotschi in dem Drama „Fremde Tochter“ (SWR) von Stephan Lacant ziehe den Zuschauer sofort emotional in die Geschichte um eine Schülerin, die sich in einen Muslim verliebt und zum Islam übertreten will, heißt es in der Begründung. Die Bild- und Lichtgestaltung verleihe den Räumen und den Figuren eine „große Authentizität“ und eine „eigene, unverwechselbare Handschrift„.

Beste Kamera – Dokumentarfilm

Für die filmische Reise „Drei Engel für Russland – Glaube, Hoffnung, Liebe“ (Tondowski Films/ZDF) habe der Moskauer Sergej Amirdzhanov eine „moderne, frische und intensive Bilderwelt entwickelt„, so die Jury. Entstanden sei ein Film (Regie: Katja Fedulova) mit einem authentischen und unkonventionellen Blick auf das heutige Russland.

Beste Kamera – Dokumentation

Sorin Dragoi gewinnt den DEUTSCHEN KAMERAPREIS für seine Arbeit an dem Film „Todeszug in die Freiheit“ (BR), der einen KZ-Transport in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs rekonstruiert. Dem gebürtigen Rumänen gelingt es laut Jury, „mit ausgezeichnet kadrierten Bildern minimalistisch eine Geschichte zu erzählen, die berührt und uns gefangen hält in einer unfassbar schrecklichen Zeit„.

Beste Kamera – Kurzfilm

Der Kurzfilm „Freibadsinfonie“ (Filmakademie Baden-Württemberg) taucht an einem Sommertag ein in das bunte Soziotop eines Freibads. Für die Jury spielt der Schweizer Fabian Gamper elegant mit Perspektiven, Brennweiten und Bewegungen ohne je ins Effekthascherische abzugleiten. Mit großer Leichtigkeit wechselt er zwischen den Ebenen des Dokumentarischen und Szenischen, liefert poetische Detailbeobachtungen und bietet seinen Protagonisten eine Bühne.

Beste Kamera – Journalistische Kurzformate

Der gebürtige Düsseldorfer Patrick Waldmann hat die Jury mit einer außergewöhnlichen Bildästhetik in dem Film „Metropolis – Budapest, zwischen Mut und Hingabe“ (ZDF) überzeugt. Seine Kameraarbeit gestalte den Film auf organische Weise, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Er jongliere mit nahezu beiläufiger Inszenierung und genauer Beobachtung und zeige dabei die enorme Bandbreite seiner Handschrift.

Bester Schnitt – Dokumentarfilm

In dem Film „Drei Engel für Russland – Glaube, Hoffnung, Liebe“ (Tondowski Films/ZDF) porträtiert der Editor Calle Overweg in szenischer Anmutung das Leben dreier junger Frauen in Russland. Laut Jury schaffe es die Montage, dem Zuschauer Raum zu geben, indem er sich ohne Wertung den Protagonistinnen und ihrer Kultur nähere.

Bester Schnitt – Dokumentation

Die Dokumentation „Der Preis der Anna-Lena Schnabel“ (ZDF/3sat) begleitet eine junge Jazzsaxophonistin und verzichtet dabei komplett auf Kommentarton. Für seine editorische Leistung zeichnet die Jury Wolfgang Daut aus. Ihm gelinge es, einfühlsam sowohl die sensible Seite der Künstlerin als auch ihren starken, fast kompromisslosen Charakter darzustellen.

Nachwuchspreis

Der diesjährige Nachwuchspreis geht an die 1987 in Mexiko geborene und in Mainz aufgewachsene Andrea Muñoz. In dem Dokumentarfilm „Er Sie Ich“ (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf) über das Scheitern einer Beziehung überzeugt sie das Kuratorium mit einer „ungewöhnlichen und gefühlvollen Montage„. Der geschickte Einsatz einer Splitscreen-Montage im Wechsel mit einem klassischen Dialogschnitt und das Mischen von vier, zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommenen Einzelinterviews bringe alle Protagonisten, Eltern und die Tochter aus dem Off, in eine intensive Dreierbeziehung. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird von Panasonic gestiftet.