„Shoplifters“ ist bester internationaler Film des FILMFEST MÜNCHEN 2018

Shoplifters (Filmszene)
Shoplifters – ©Filmfest München

Mit einer feierlichen Preisverleihung ging das 36. Internationale FILMFEST MÜNCHEN am Samstag, den 7. Juli 2018 zu Ende.

Zum Abschluss des Filmfests wurde nach der Preisverleihung der Science-Fiction-Thriller „Anon“ von Andrew Niccol als Deutschlandpremiere im ausverkauften Carl-Orff-Saal gezeigt.

ARRI/Osram Award

Als bester internationaler Film wurde der Film „Shoplifters“ von Hirokazu Kore-eda mit dem ARRI/Osram Award ausgezeichnet. „In seinem Film „Shoplifters” bricht Hirokazu Kore-eda die kleinste Zelle der Gesellschaft, die Familie, auf, so dass sie sich selbst neu sortieren und erfinden kann. Die Protagonisten ändern ihre Namen und ihre Funktionen, sie entwickeln ihre eigenen Ansichten und Moralvorstellungen, ohne dabei von den biologischen Gesetze einer Familie oder gewissermaßen der Gesellschaft einschränken zu lassen. Dadurch ermöglicht „Shoplifters“ neue Möglichkeiten und macht am Ende vor allem eins: Hoffnung“, so die Jurybegründung.

Die Jury des ARRI/Osram Awards bildeten in diesem Jahr das Multitalent – Schauspielerin, Komponistin, Sängerin, Performing Artist – Meret Becker, die amerikanische Kult-Schauspielerin Amanda Plummer und der Musiker und Einstürzende Neubauten-Gründungsmitglied Blixa Bargeld. Im Wettbewerb um den ARRI/Osram Award für den besten internationalen Film in der Reihe CineMasters standen die neuesten Filme von zehn namenhaften Regisseuren und Regisseurinnen. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis wird von den Münchner Unternehmen ARRI und Osram gestiftet. Marc Gabizon von Wild Bunch Germany nahm im Namen der Produzenten Karou Matsuzaki, Akihiko Yose, Hijiri Taguchi den Preis entgegen.

CineVision Award

Border (Filmszene)
Border – ©Filmfest München

Mit dem CineVision Award für den besten internationalen Nachwuchsfilm wurde „Border“ von Ali Abbasi ausgezeichnet. Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Border“ ist nicht nur ein beunruhigender Film, sondern auch ein verstörender. Im wahrsten Sinne des Wortes hat uns dieser Film verstört, was unsere Sicherheit, Norm und Überzeugung betrifft: Was ist Schönheit? Was ist normal? Was ist Zärtlichkeit? Was ist ungeheuerlich? Der Film zeigt auf, wie viele wundervolle und schreckliche Dinge uns umgeben, die wir aber kaum mehr wahrnehmen können, weil unsere Sinne derart abgestumpft sind. Allerdings verfügt die Protagonistin des großartigen Films „Border“ über einen vorzüglichen Geruchssinn. Sie ist die gejagte Außenseiterin, deren Perspektive uns einen Blick hinter die Maske des vermeintlich Normalen und in das groteske Gesicht dessen werfen lässt, was wir Menschheit nennen.

Eine lobende Erwähnung erhielt der taiwanesische Film „The Great Buddha+“ von Regisseur Hsin-Yao Huang. „Mit seiner skurrilen Bildsprache und fantastisch-komischen Dialogen erzählt er die Geschichte zweier naiver Außenseiter und ihres Bestrebens, halbwegs normale Leben in einer absolut absurden Welt zu führen. Diese Absurdität wiederum fängt der Film meisterhaft ein. So liefert er ein mehrdeutiges, formal spielerisches und überraschendes Gesellschaftsporträt.“, so die Jury.

Der CineVision Award im Wert von 15.000 Euro wird von der MPLC Deutschland GmbH (Motion Picture Licensing Company) gestiftet. Im Wettbewerb in der Reihe CineVision standen zehn Erstlings- und zweite Filme internationaler Regietalente, die mit ihrer Filmsprache neue Wege beschreiten. Die Preisjuroren waren in diesem Jahr Schauspielerin Alina Levshin, Theater- und Opernregisseur Andreas Kriegenburg und Frieder Schlaich, der gemeinsam mit Irene von Alberti die Filmgalerie 451 betreibt. Marc Gabizon von Wild Bunch Germany nahm den Preis im Namen des Regisseurs Ali Abbasi entgegen.

FIPRESCI-Preis

Alles ist gut (Filmszene)
Alles ist gut – ©Filmfest München

„Alles ist gut“ von Eva Trobisch gewann den FIPRESCI-Preis 2018. Die Jury des internationalen Kritikerverbandes bildeten in diesem Jahr der Norweger Jan Storø, der Australier Peter Krausz und der Pole Andrzej Fogler. Sie begründeten ihre Entscheidung wie folgt: „Der Fipresci Preis geht an „Alles ist gut“ von Eva Trobisch. Intelligent und vorausschauend wird hier die Geschichte einer Frau erzählt, die eine traumatische Erfahrung durchleben muss und in einen Strudel zunehmend komplexer Ereignisse gerät.

Publikumspreise

100% Coco (Filmszene)
100% Coco – ©Filmfest München

Am letzten Festivaltag wurden auch die Publikumspreise des Festivals vergeben. Den Bayern 2 und SZ Publikumspreis ging an den Film „Wackersdorf“ von Oliver Haffner. Der Film porträtiert die Geschichte um die Proteste gegen den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf Anfang der 1980er Jahre. Den Kinderfilmfest-Publikumspreis bekam dieses Jahr „100% Coco“ von Tessa Schram. Er ist zum ersten Mal mit einem Preisgeld von 1.000 Euro dotiert und wird von SZ Familie gestiftet. Der Film erzählt von der 13-jährigen Coco, die mit ihrem ausgefallenen Modestil zunächst aneckt, dann aber als „Style Tiger“ berühmt wird.

ONE-FUTURE-PREIS

A Letter to the President (Filmszene)
A Letter to the President – ©Filmfest München

Der ONE-FUTURE-PREIS, verliehen von der Interfilm-Akademie, ging in diesem Jahr an den Film „A Letter to the President“ von Roya Sadat. Die Jury – bestehend aus Navina Neverla, Verena Marisa, Tomasz Rudzik – begründet ihre Entscheidung mit den Worten: „A Letter to the President“ ist ein bewegender, hochgradig ausgereifter Film, der von den Widersprüchen des afghanischen Rechtssystems und der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen erzählt, die noch zehn Jahre nach dem offiziellen Rückzug der Taliban Bestand haben. Getragen wird der Film von einer unbeirrbaren, starken und mutigen Frau, die sich gegen tief verwurzelte patriarchale Strukturen wehrt und für ihre eigene Freiheit ebenso wie für die Freiheit aller afghanischen Frauen eintritt. Ihre Integrität und ihr Mut zum Widerstand haben Vorbildcharakter für uns alle. Eine unmittelbare, atmosphärische und überzeugende Geschichte, hervorragend gespielt und herausragend inszeniert von Roya Sadat, der ersten weiblichen Regisseurin der Post-Taliban-Ära Afghanistans, die ihrer Protagonistin an Mut in nichts nachsteht.

Eine lobende Erwähnung ging an den Dokumentarfilm „Welcome to Sodom – Dein Smartphone ist schon hier“ von Florian Weigensamer und Christian Krönes mit der Begründung: „Der Film erzählt von einer Dystopie, die schon seit Langem Teil unserer globalisierten Realität ist. „Sodom“ ist ein Ort der uns alle betrifft, eine globale Frage, welche die relevantesten Fragen sowohl bezüglich Umweltpolitik, aber auch bezüglich sozialer und kultureller Themen stellt.