„Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ gewinnt Fernsehfilmpreis in Baden-Baden

Fernsehfilm Festival Baden-Baden 2016 (Preisträger)
Foto: Markus Mertens

Der erste Teil der Trilogie über den NSU „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ gewinnt den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Baden-Baden.

Dank des präzise recherchierten und klug kondensierten Buchs, der konsequenten Regie und der gespenstischen Intensität der Hauptdarsteller entstehen schockierend lebendige Charakterstudien der handelnden Personen“, so die Erklärung der Jury. Mit dem Hauptpreis des diesjährigen Festivals werden für das Buch und die Regie von „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ Thomas Wendrich und Christian Schwochow ausgezeichnet sowie die Produzenten der ARD-Spielfilmtriologie „Mitten in Deutschland: NSU“ Gabriela Sperl, Max Wiedemann, Quirin Berg und Sophie von Uslar.

Der diesjährige Sonderpreis für herausragende darstellerische Leistungen wird an Jutta Hoffmann und Brigitte Hobmeier für ihr Schauspiel in „Ein Teil von uns“ (BR) vergeben. Die Jury begründet ihre Entscheidung: „Die beiden Darstellerinnen reiben sich in ihrem Duell, aufeinander zu und voneinander weg, gnadenlos auf. Wie sie sich wach und zerrend ineinander auflösen, wie laut sie schweigen können, das alles lässt den Zuschauer auf schmerzhafte Weise an diesen beiden geschädigten Leben teilnehmen.

Mit einem Sonderpreis für das Drehbuch zu „Ein Teil von uns“ wird Esther Bernstorff ausgezeichnet. „Esther Bernstorff erzählt diese Geschichte ohne Sentimentalitäten; hier wird nichts geschönt“ lautet die Begründung der Jury. „Diese Geschichte ist schmerzhaft, brutal, aber das Drehbuch lässt auch Raum für sprachlose Momente, weil es auf viele Fragen keine schlüssigen Antworten gibt.

Zur Jury gehörten dieses Jahr unter dem Vorsitz von Bettina Reitz, Präsidentin der HFF München, die Journalistin und Moderatorin Bettina Böttinger, die Schriftstellerin und Essayistin Thea Dorn, der Schauspieler und Autor Dimitrij Schaad und der Theaterintendant Frank Baumbauer.

3sat-Zuschauerpreis

Die TV-Zuschauer vor den Bildschirmen stimmten für den Fernsehfilm „Ein Teil von uns“ (BR). Zeitgleich zum Wettbewerb in Baden-Baden strahlte 3sat alle 12 Wettbewerbsfilme aus. Die Zuschauer konnten eine Woche lang im Internet oder telefonisch ihre Stimme abgeben.

Die Täter - Heute ist nicht alle Tage (Filmszene)
Die Täter – Heute ist nicht alle Tage – ©SWR

Der diesjährige Preis der Studentenjury geht ebenfalls an den Fernsehfilm von Christian Schwochow “Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ (SWR/ARD DEGETO/MDR) Die Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, der Hochschule für Fernsehen und Film München sowie der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF begründen ihre Entscheidung mit: „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ ist eine Warnung. Am eigenen Leib erleben wir einen Prozess der Radikalisierung. Der Film macht Angst und fordert uns zu einer Debatte auf, die längst überfällig ist. Er reißt Mauern ein, statt bestehende Grenzen zu bestärken. Er zeigt auf, wie zerbrechlich die Freiheiten sind, auf denen unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Dieser Film ist ein Angriff, auf den wir reagieren müssen.

Eine lobende Erwähnung erteilte die Studentenjury dem Film „Wenn Du wüsstest, wie schön es hier ist“ (ORF/ARTE).

Mit dem Hans Abich Preis für „besondere Verdienste im Bereich Fernsehfilm“ wird der Drehbuchautor Günter Schütter ausgezeichnet. „Günter Schütter ist ein außergewöhnlich phantasievoller, wilder, scharfsinniger und gleichermaßen mit Talent wie Humor gesegneter Autor. Seine Arbeiten mit Dominik Graf, darunter der Tatort „Frau Bu lacht“ und der Polizeiruf 110 „Der scharlachrote Engel“, markieren Meilensteine des deutschen Fernsehfilms.“ begründet die Jury ihre Entscheidung.

Zu den bisherigen Preisträgern gehörten u.a. die Schauspielerin Senta Berger, der Schauspieler Matthias Brandt, die Regisseure Dominik Graf und Matti Geschonneck sowie der Musiker Klaus Doldinger.

Regienachwuchspreis MFG-Star

Der Juror Matti Geschonneck zeichnet den Autor und Regisseur Visar Morina für „Babai – Mein Vater“ mit dem von der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg gestifteten Regienachwuchspreis MFG-Star aus.

Der Regie-Nachwuchspreis MFG-Star wurde im Rahmen des FernsehfilmFestivals in Baden-Baden bereits zum 18. Mal vergeben. Der Preisträger darf sich auf ein Stipendium für einen sechswöchigen Aufenthalt in der VILLA AURORA in Pacific Palisades, Los Angeles, freuen. Im dortigen Kulturzentrum – entstanden aus dem ehemaligen Wohnhaus des Schriftstellers Lion Feuchtwanger – bestehen für den Regisseur, der ausgezeichnet wird, beste Arbeitsbedingungen zur Entwicklung neuer Projekte und außergewöhnliche Vernetzungsmöglichkeiten.

Das Langfilmdebüt von MFG-Star Gewinner Visar Morina erzählt von dem zehnjährigen Nori und seinem Vater, die zusammen Zigaretten auf den Straßen des Vorkriegskosovo der 1990er Jahre verkaufen. Der Vergangenheit zu entfliehen gehört zur Stärke des Vaters. Nun will er dem Kosovo entfliehen, ohne Nori. Doch der Sohn stellt sich quer und versucht mit allen Mitteln ihn davon abzuhalten. Es kommt zu einem Unfall. Der entsetzte Vater bringt seinen Sohn ins Krankenhaus. Als Nori entlassen wird, ist sein Vater heimlich gegangen. Voller Wut und Entschlossenheit folgt er ihm.

Der alleinige Juror Matti Geschonnek entschied sich für „Babai – Mein Vater“ als Preisträgerfilm, denn er sei „bedrückend aktuell“ und: „Er zeigt, wie sehr wir selbst – die wir blind in unserem Luxus gefangen sind – uns in Lebensgefahr befinden. Eindrucksvoll vermittelt der Film uns das Ohnmachtsgefühl, draußen vor der Tür zu stehen – und da stehen zu bleiben. Ein aus der Sicht eines Jungen erzählter, kluger Film über Schuld, Verrat, Vertrauen, Vertrauensbruch – aber auch über die Suche nach Geborgenheit, über die Sehnsucht nach Liebe.

Die Nominierungskommission bestand aus Prof. Bettina Reitz (Juryvorsitzende des FernsehfilmFestival Baden-Baden), Cathrin Ehrlich (Festivalleiterin des FernsehfilmFestival Baden-Baden), Andrea Hohnen (Programmleiterin FIRST STEPS), Dr. Dietrich Mack (ehem. SWR) und Prof. Carl Bergengruen (MFG-Geschäftsführer). Neben dem Preisträger Visar Morina hatten die Juroren Anne Zohra Berrached für „24 Wochen“, Piotr J. Lewandowski für „Jonathan“ und Florian Schnell für „Offline – Das Leben ist kein Bonuslevel“ nominiert.

Für die Musik zu „Der Staat gegen Fritz Bauer“ erhalten die Nachwuchskomponisten Christoph M. Kaiser und Julian Maas den mit 10.000 Euro dotierten Rolf-Hans Müller Preis für Filmmusik 2014, der von Dieter Krauß (MFG Filmförderung Baden-Württemberg) verliehen wurde.

Der Rolf-Hans Müller Preis für Filmmusik wird beim Fernsehfilm-Festival in Baden-Baden im zweijährigen Rhythmus verliehen. Er ist mit 10 000 € dotiert und richtet sich an Nachwuchskomponisten. Der Preis wurde 1992 vom SWR zur Erinnerung an seinen langjährig leitenden Orchesterdirektor Rolf-Hans Müller initiiert und wird zur Hälfte von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg mitfinanziert.