Studio Hamburg Nachwuchspreis 2018 vergeben

Studio Hamburg Nachwuchspreis 2018 - v.l.n.r. Lisa Martinek (Patin) Nino Böhlau (Bester Nachwuchsdarsteller) Johanna Ingelfinger (Beste Nachwuchsdarstellerin) Ludwig Trepte (Pate)
v.l.n.r. Lisa Martinek (Patin) Nino Böhlau (Bester Nachwuchsdarsteller) Johanna Ingelfinger (Beste Nachwuchsdarstellerin) Ludwig Trepte (Pate) – ©Studio Hamburg Nachwuchspreis/Andre Poling

Vor rund tausend Gästen wurde im Thalia Theater Hamburg der 21. „Studio Hamburg Nachwuchspreis“ verliehen.

Neben dem Schauspieler-Fernsehpreis, dem Hamburger Krimipreis der Freien und Hansestadt Hamburg zu Ehren Jürgen Rolands wurde erstmals im Rahmen des Nachwuchspreises der ARD Degeto Impuls Preis vergeben. Prominente Paten waren Lisa Martinek, Verena Altenberger, Anne Ratte-Polle, Jerry Hoffmann, Oliver Mommsen, Ludwig Trepte und Vladimir Burlakow. Kultursenator Dr. Carsten Brosda überreichte zudem die Trophäe für den Hamburger Krimipreis.

Durch den Abend führte die Moderatorin Linda Zervakis. Die Live-Acts Elbtonal Percussion und Lilly Among Clouds sorgten für musikalische Abwechslung.

Die Preisträger 2018:

Beste Nachwuchsdarstellerin (Schauspieler-Fernsehpreis)
Johanna Ingelfinger für ihre Rolle als Manu Essmann in „Das Verschwinden

Begründung der Jury:
Für die Jury ist Johanna Ingelfinger in „Das Verschwinden“ die schauspielerische „Entdeckung des Jahres“. Konzentriert, kraftvoll, mit Mut zur Hässlichkeit und einer atemberaubenden Hingabe besteht sie mühelos in einem hochkarätigen Ensemble. Von dieser grandiosen Schauspielerin ist in Zukunft viel zu erwarten.

Bester Nachwuchsdarsteller (Schauspieler-Fernsehpreis)
Nino Böhlau für seine Rolle als Stefan in „Der Sohn

Begründung der Jury:
Nino Böhlau besticht in der anspruchsvollen Rolle des überbehüteten Teenagers Stefan durch eine außerordentlich große künstlerische Bandbreite. Dabei beweist er nicht nur ein intuitives Verständnis für die seelischen Geheimnisse seiner Rolle, sondern auch eine schlafwandlerische Sicherheit für Timing. Eine Darstellung, die neugierig auf die Zukunft dieses Künstlers macht.

Bester Kurzfilm (Preisstifter: VFF)
Laura Klippel (Filmuniversität Konrad Wolf) für ihren Film „

Begründung der Jury:
Eine junge Frau in der männerdominierten Welt des Jagens. Starke Bilder, die präzise menschliche Seelenlandschaften spiegeln und einen starken Sog entwickeln. Eine filigran erzählte Geschichte bringt die Gender-Debatte auf filmisch kluge und dramaturgisch höchst spannende Weise, poetisch und radikal, auf den Punkt.

Beste Dokumentation (Eberhard-Fechner-Preis, Preisstifter: NDR, Abt. Dokumentarfilm, Dokudrama & Sonderprojekte)
Leonhard Hollmann (Filmuniversität Konrad Wolf) für seinen Film „Stiller Kamerad

Begründung der Jury:
Frei von einer formelhaften Formatsprache nähert sich der klassisch beobachtende Film einem auf den ersten Blick unspektakulären Thema. Die therapeutische Behandlung von traumatisierten Bundeswehrangehörigen mit Hilfe von Pferden wird in Bildern von einer soghaften Ruhe erzählt. Es gelingt dem Filmemacher den Protagonisten ungewöhnlich nah zu kommen. Ein herausragender Dokumentarfilm, der die Zuschauer mit vielen neuen Erkenntnissen und unvergesslichen, berührenden Bildern konfrontiert.

Bester Film (Preisstifter: GWFF)
Henrika Kull für die Regie und Sophie Lakow für die Produktion „Jibril“ (Filmuniversität Konrad Wolf)

Begründung der Jury:
Die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einer alleinerziehenden Mutter und einem Strafgefangenen schildert nuancenreich und visuell überzeugend – sichtbare und unsichtbare – Zwänge und Mauern ihrer Protagonisten. Ein besonderes Lob gilt der Schauspielerführung und den fast dokumentarischen, sensibel eingefangenen Familienszenen.

Bestes Entertainment
Stefan Titze für seine Beiträge „Rathaus of Cards“ und „Spießer“ (bildundtonfabrik für Funk/für Radio Bremen, SWR, NDR und RBB)

Begründung der Jury:
Einerseits eine bestechend werkgetreue und präzise transformierte Persiflage, die auch für Nicht-Kenner der Vorlage über humoristisches Potential verfügt. Andrerseits: ein klassischer Sketch, überraschend in den sicher gesetzten Pointen, dramaturgisch makellos und perfekt im Timing. Stefan Titze überzeugt durch souveräne Vielschichtigkeit, profunde Genre-Kenntnis, und einen gehörigen Schuss anarchischen Witz. Dabei bleibt der Blick auf die handelnden Personen stets empathisch und publikumsorientiert. Stefan Titze, ein Talent, von dem wir noch viel erwarten dürfen.

Hamburger Krimipreis der Freien und Hansestadt Hamburg zu Ehren Jürgen Rolands
Eoin Moore (Real Film Berlin GmbH für RBB) für seinen Film „Polizeiruf 110: Muttertag

Begründung der Jury:
Ein toter Deutscher im deutsch-polnischen Grenzgebiet bleibt nicht die einzige Leiche – geschweige denn das einzige Problem – im dritten Fall des deutsch-polnischen Ermittlerduos Lenski und Radzek. Spannend bis zum Schluss lotet „Muttertag“ die Schicksalshaftigkeit von familiären Beziehungen und Verstrickungen aus. Filmisch überzeugend werden dabei unterschiedliche Perspektiven zum Thema Muttersein und Mutterliebe in Haupt- und Nebenhandlungen miteinander verschränkt – bis hin zur Ermittlerin Lenski, die dringend eine Betreuung für ihre kleine Tochter benötigt. In der Regie souverän geführt und in den Rollen schauspielerisch sehenswert getragen, beeindruckt vor allem Ulrike Krumbiegel als verzweifelter Mutter eines Verdächtigten. Der komplexe Kriminalfall gerät zu einem tragischen Familiendrama mit beklemmend nachhaltiger Wirkung.

Impuls Preis (Preisstifter: ARD Degeto)
Helena Hofmann (Filmakademie Baden-Württemberg) für ihr Exposé „Worauf es ankommt

Begründung der Jury:
„Worauf es ankommt“ ist eine Liebesgeschichte, die einerseits von dem sozialen Gefälle zwischen der Hauptfigur und ihrem one-night-stand, dem Postboten lebt; andererseits von den Problemen mit der Messie-Mutter. Von der Autorin geschickt im Stadt-Land-Spannungsfeld angesiedelt, bietet der Stoff eine originelle Variante zu den ewigen Familienthemen „Loslassen“ und „zurück zu seinen Wurzeln“. Die Autorin versteht es, ihre Figuren mit wenigen Worten plastisch zu machen.

Der Studio Hamburg Nachwuchspreis wurde 1997 als erster Preis der Film- und Fernsehbranche zur Förderung von jungen, kreativen Talenten gegründet und entwickelte sich schnell zu einem der wichtigsten Förderpreise in Deutschland.