Werkschau STANLEY KUBRICK im Deutschen Filmmuseum

Shining (GB/USA 1980)
Shining (GB/USA 1980) – Foto: DIF

Das Kino des Deutschen Filmmuseums widmet dem Kultregisseur eine Filmreihe von Mittwoch, 1., bis Mittwoch, 29. August 2018.

Er war einer der ganz Großen des internationalen Kinos: Stanley Kubrick (1928-1999) begeisterte Zuschauer/innen weltweit mit seinen Meisterwerken unterschiedlicher Genres. Das Deutsche Filmmuseum bekam 2003 Zugang zu Kubricks umfangreichem Archiv und kuratierte die bislang erste und einzige Ausstellung über das Werk des Ausnahme-Regisseurs, die seither durch die Welt tourt.

Anlässlich der aktuellen Sonderausstellung zu 2001: A SPACE ODYSSEY präsentiert das Kino des Deutschen Filmmuseums nun eine Werkschau, bei der, mit Ausnahme der bereits im Begleitprogramm gezeigten ersten beiden Langfilme sowie des derzeit für Kinovorführungen gesperrten DR. STRANGELOVE, noch einmal alle Spielfilme von Stanley Kubrick zu sehen sind. Ein besonderer Höhepunkt ist dabei die Vorführung der beim Filmfestival in Cannes vorgestellten neuen 70mm- Kopie von 2001: A SPACE ODYSSEY, die nun erstmals in Frankfurt zu sehen ist.

Alle Filme der Werkschau sind in ihren analogen Originalfassungen in gut bis sehr gut erhaltenen Kopien zu sehen – eine inzwischen seltene Gelegenheit, Kubricks Filme in dieser Form noch einmal oder zum ersten Mal auf der Kinoleinwand zu entdecken.

Die Termine (ohne Gewähr)

Mittwoch, 1. August, 20:30 Uhr und Freitag, 3.August, 18 Uhr

THE KILLINGDie Rechnung ging nicht auf (US 1956. R: Stanley Kubrick)
D: Sterling Hayden, Coleen Gray, Vince Edwards. 85 Min. 35mm. OmU

Die Rechnung ging nicht auf (USA 1956)
Die Rechnung ging nicht auf (USA 1956) – Foto: DIF

Eine aus sehr unterschiedlichen Charakteren bestehende Gruppe Krimineller überfällt das Wettbüro einer Pferderennbahn. Doch ihr minutiös ausgetüftelter Plan scheitert an einer Reihe von Unwägbarkeiten, banalen Zufällen und der Habgier einzelner Bandenmitglieder. Bereits der von kühler Präzision und bitterer Ironie geprägte dritte Spielfilm Stanley Kubricks zeigt ihn als bestechenden visuellen Erzähler, der in diesem intelligenten und packenden Film noir die konfliktreiche Personenkonstellation in ausgeklügelte Bilder übersetzt.

Samstag, 4. August, 20:30 Uhr

PATHS OF GLORYWege zum Ruhm (US 1957. R: Stanley Kubrick)
D: Kirk Douglas, Ralph Meeker, Adolphe Menjou. 87 Min. 35mm. OF

Wege zum Ruhm (USA 1957)
Wege zum Ruhm (USA 1957) – Foto: DF

Der französische General Broulard beauftragt den ihm unterstellten General Mireau, eine von den Deutschen befestigte Stellung anzugreifen. Der besonnene Colonel Dax hat schwere Bedenken, beugt sich jedoch dem Druck seines Vorgesetzten. Die Operation endet in einem Fiasko. Realistisch und erschütternd glaubhaft schildert Kubrick die Verbrechen des Krieges und die Verfehlungen autoritärer Militärs. Während der Dreharbeiten lernte er in München Susanne Christian, geb. Christiane Susanne Harlan, kennen. Die junge Schauspielerin, die am Ende des Films das ergreifende Lied vom treuen Husaren anstimmt, wurde Kubricks dritte Ehefrau (1957-1999).

Sonntag, 5. August, 19:30 Uhr und Sonntag, 12. August, 17 Uhr

SPARTACUS (US 1960. R: Stanley Kubrick)
D: Kirk Douglas, Laurence Olivier, Peter Ustinov. 191 Min. 35mm. OmU

Spartacus (USA 1960)
Spartacus (USA 1960) – Foto: DIF

Der Betreiber einer Gladiatorenschule Lentulus Batiatus kauft den ungehorsamen, aber starken Sklaven Spartacus und lässt ihn zum Gladiator ausbilden. Doch mit Spartacus als Anführer rebellieren die Gladiatoren gegen ihre Ausbilder und proben schließlich den Aufstand gegen die römischen Herrscher. Ein schicksalhafter Marsch auf Rom beginnt. Stanley Kubricks bildgewaltiger Film basiert auf dem Sklavenaufstand im antiken Rom, wobei die historische Figur des Spartacus zu weiten Teilen fiktiv inszeniert wird. Zu sehen ist die Anfang der 1990er rekonstruierte, ungekürzte Originalfassung des Films, die reizvolle Details und Untertöne der Geschichte offenbart.

Mittwoch, 8. August, 20:30 Uhr und Freitag, 10. August, 17:30 Uhr

LOLITA (GB/US 1962. R: Stanley Kubrick)
D: James Mason, Shelley Winters, Sue Lyon. 153 Min. 35mm. OF

Lolita (GB/USA 1962)
Lolita (GB/USA 1962) – Foto: DIF

Humbert Humbert, ein alternder Literaturdozent, gerät bei der Wohnungssuche an die Witwe Charlotte Haze und verfällt hoffnungslos ihrer frühreifen Tochter Dolores. Um ihr nahe sein zu können, lässt er sich sogar auf die Heirat mit der Mutter ein – mit gravierenden Folgen für alle Beteiligten. Den berühmten Roman von Vladimir Nabokov, der selbst das Drehbuch verantwortete, adaptiert Kubrick mit eigenständigen Akzenten und großer Dichte. Grandios gelingt die Betonung der fast surrealen Tragikomik des Geschehens, die mit schwarzem Humor und lustvoll doppeldeutigen Dialogen entwickelt wird.

Donnerstag, 9.August, 20:15 Uhr mit Vortrag (Filmbeginn: ca. 21:15 Uhr) und Samstag, 11.August, 20:15 Uhr

FULL METAL JACKET (GB/US 1987. R: Stanley Kubrick)
D: Matthew Modine, R. Lee Ermey, Vincent D’Onofrio. 116 Min. 35mm. OmU

Full Metal Jacket (GB/USA 1987)
Full Metal Jacket (GB/USA 1987) – Foto: DIF

Nach einer überharten, unmenschlichen Ausbildung in einem Trainingslager der US-Marines, die die Rekruten jeder Identität beraubt, kommt ein junger Soldat als Kriegsberichterstatter nach Vietnam. Dort erlebt er die chaotische Hölle eines Krieges, in dem Menschlichkeit und Werte längst keine Bedeutung mehr haben. Kubricks schonungslose Bestandsaufnahme der Schrecken des Krieges und der Entmenschlichung der militärischen Ausbildung besticht mit großartigen Schauspielerleistungen und einem erschreckend realistischen Blick hinter die dünne Fassade der Zivilisation.

Mittwoch, 15. August, 20 Uhr und Sonntag, 19. August, 17 Uhr

BARRY LYNDON (GB 1975. R: Stanley Kubrick)
D: Ryan O’Neal, Marisa Berenson, Patrick Magee. 177 min. 35mm. OF

Barry Lyndon (GB 1975)
Barry Lyndon (GB 1975) – Foto: DIF

Auf die Frage, warum er den Roman „The Luck of Barry Lyndon“ von William Thackeray als Grundlage für seinen Film ausgewählt habe, antwortete Kubrick seinerzeit, er habe es wegen der interessanten visuellen Möglichkeiten des Stoffes getan. Der Regisseur hat diese Möglichkeiten in vollem Umfang genutzt: Er fängt genau und bildgewaltig die Welt des 18. Jahrhunderts ein, indem er die Geschichte eines irischen Abenteurers erzählt, der mit großem Ehrgeiz in der feinen Gesellschaft aufsteigt, um am Ende alles wieder zu verlieren. Ein Film, den man nicht oft genug sehen kann.

Donnerstag, 16. August, 20:30 Uhr, Freitag, 17. August, 20:30 Uhr, und Samstag, 18. August, 17:30 Uhr

2001: A SPACE ODYSSEY2001: Odyssee im Weltraum (GB/US 1968. R: Stanley Kubrick)
D: Keir Dullea, Gary Lockwood, William Sylvester. 141 Min. 70mm. OF

2001: Odyssee im Weltraum (GB/USA 1968)
2001: Odyssee im Weltraum (GB/USA 1968) – Foto: DIF

Kubricks achter Spielfilm gilt als bester Science-Fiction- Film aller Zeiten. 2001 revolutionierte nicht nur die Tricktechnik, Filmmusik und Erzählweise des Genres, sondern prägte für Generationen unser Bild vom Weltraum – und ist zugleich eine evolutionsgeschichtliche und kulturphilosophische Ergründung der Entwicklung des Menschen von frühzeitlichen Affen bis zur künstlichen Intelligenz der Zukunft. Zu sehen ist im August die kürzlich beim Filmfestival in Cannes vorgestellte neue 70mm-Kopie, die sich erstmals nach Jahrzehnten anhand einer neuen Umkopierung vom Originalnegativ dem ursprünglichen Look anzunähern versucht.

Freitag, 24.August, 18 Uhr und Samstag, 25. August (Museumsuferfest), 20 Uhr

A CLOCKWORK ORANGEUhrwerk Orange (GB 1971. R: Stanley Kubrick)
D: Malcolm McDowell, Patrick Magee, Michael Bates. 137 Min. 35mm.

Uhrwerk Orange (GB 1971)
Uhrwerk Orange (GB 1971) – Foto: DIF

Popkultur trifft auf Ultra-Brutalität: Alex hört Beethoven, trinkt Milch und ist Anführer einer bizarren Jugendbande, die nachts mordend und vergewaltigend durch die öden Vororte einer englischen Metropole zieht. Als er in die Mühlen von Polizei und Justiz gerät, wird er versuchsweise einer neuen Therapie unterzogen, die ihn von allen Sex- und Gewaltgelüsten heilen soll. Einer von Kubricks größten Kultfilmen ist eine doppelbödige und bitterböse Abrechnung sowohl mit dem hysterischen Hedonismus der Konsumkultur als auch mit einem jede Individualität ausradierenden, den Menschen zum leblosen Gehorsam degradierenden bürokratischen Zivilisationsauswuchs.

Sonntag, 26.August (Museumsuferfest), 17:30 Uhr und Freitag, 31. August, 17:30 Uhr

EYES WIDE SHUT (GB 1999. R: Stanley Kubrick)
D: Nicole Kidman, Tom Cruise, Sydney Pollack. 159 Min. 35mm. OmU

Eyes wide Shut (GB 1999)
Eyes wide Shut (GB 1999) – Foto: DIF

Stanley Kubrick überträgt das Sujet von Arthur Schnitzlers 1925 erschienener „Traumnovelle“ in das zeitgenössische New York. Auf der Weihnachtsfeier seines Freundes Victor Ziegler trifft der Arzt Bill Harford auf verführerische Frauen, während seine Ehefrau Alice von dem Ungarn Szavost umgarnt wird. Bills Welt gerät aus den Fugen, als ihm Alice am nächsten Tag von ihren Fantasien und einer flüchtigen Affäre erzählt. Ruhelos streift er durch das nächtliche New York und gerät in einer mysteriösen Villa in eine sektenartige Orgie. Auf virtuose Weise lässt der Film die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen.

Mittwoch, 29. August, 20:30 Uhr

THE SHININGShining (GB/US 1980. R: Stanley Kubrick)
D: Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd. 146 Min. 35mm. OF

Der Schriftsteller Jack Torrance zieht mit seiner Familie über den Winter als Hausmeister ins geschlossene Overlook-Hotel in den Bergen von Colorado. Das labyrinthische Hotel wird zunehmend zum Spukschloss, das Wahnvorstellungen, Identitätskrisen und Zwangshandlungen provoziert. Der Horrorklassiker nach Stephen King ist eine virtuos inszenierte Studie über die Wechselwirkung von Wirklichkeit und Schein sowie die traumatischen Abgründe, die sich beim Verlust eines rationalen Blicks auf die Welt auftun. Zu sehen ist die nie regulär in Deutschland gestartete US-Langfassung.

Weitere Infos unter www.deutsches-filminstitut.de | www.deutsches-filmmuseum.de