60. Nordische Filmtage Lübeck – Provokantes Kino, historische Filmepen und eine Hommage

Aus dem Leben der Marionetten (DE/AT 1980)
Aus dem Leben der Marionetten (DE/AT 1980) – © Swedish Film Institute

Provokantes Kino, historische Filmepen und eine Hommage zu Ehren des schwedischen Meisterregisseurs Ingmar Bergman prägen die „Specials“ der 60. Nordischen Filmtage Lübeck, die vom 30. Oktober bis 4. November stattfinden.

Anlässlich des 100-jährigen Geburtstags Bergmans präsentiert das Festival, das bereits in seiner ersten Ausgabe im Jahr 1956 den Klassiker „Abend der Gaukler“ im Programm hatte, mit „Aus dem Leben der Marionetten“ (DE/AT 1980) und „Die Berührung“ (SE/US 1970) relativ unbekannte Filmschätze von Ingmar Bergman, die, in teils neu digitalisierter Fassung, wieder auf der Leinwand entdeckt werden können. Zum anderen blicken die Dokumentarfilme „Bergman – ein Leben, ein Jahr“ (SE/NO 2018), „Ingmar Bergman“ (SE 1971) und „Erinnerung an Ingmar Bergman“ (FI 2018) mittels persönlicher Erinnerungen oder ausgehend von besonderen Lebenssituationen Bergmans auf sein Leben und Werk zurück. Eine Auseinandersetzung ganz anderer Art mit Bergmans Œuvre schafft „Bergman Revisited“ (SE 2018): In mehreren Kurzfilmen – mal respektlos, mal experimentell, mal klassisch – greifen sechs schwedische FilmemacherInnen Motive aus Bergmans Leben und Kunst auf und interpretieren diese gänzlich neu.

Utøya 22. Juli (Filmszene)
Utøya 22. Juli – ©Agnete Brun

Noch einer weiteren großen Persönlichkeit aus Schweden begegnen wir in den „Specials“: Pernille Fischer Christensens Film „Astrid“ (SE/DK/DE 2017) ist ein vielschichtiges und komplexes Portrait der weltberühmten Kinder- und Jugendbuchautorin Astrid Lindgren, die von Alba August in der Titelrolle herausragend dargestellt wird. Der Fokus des Films liegt auf ihren Anfangsjahren als Autorin, die für ihr weiteres Leben und Werk prägend waren. Weitere Beiträge sind „Border“ (SE/DK 2018) von Ali Abbasi, diesjähriger Gewinner des Hauptpreises der Sektion „Un Certain Régard“ in Cannes und Schwedens Oscar Kandidat für 2019 oder „Utøya 22. Juli“ (NO 2018), Erik Poppes umstrittene Aufarbeitung des Attentats auf ein norwegisches Jugendcamp.

Mit zwei Historiendramen aus Dänemark wird das Publikum in die Vergangenheit zurückversetzt: Bille Augusts „Per im Glück“ (DK 2018), eine Adaption des dänischen Roman-Klassikers „Lykke Per“, und die deutsch-dänische Ko-Produktion „In Love and War“ (DK/DE/CZ 2018). Diese wurde als erstes Projekt im Rahmen der German-Danish Coproduction Development Initiative gefördert. Abgerundet wird das Specials-Programm durch die neueste Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung, „Verachtung“ (DK/DE 2018), von Regisseur Christoffer Boe, die teilweise in Hamburg gedreht wurde: ein spannender und letzter Fall für das Dezernat Q mit Kommissar Carl Mørck und seinem Kollegen Assad.

Die Specials im Überblick

Astrid / Unga Astrid / Becoming Astrid
Schweden / Dänemark / Deutschland / 2017 / 123 Min.
Regie: Pernille Fischer Christensen

Ein Leben wie aus einer Astrid-Lindgren-Geschichte – dabei ist es ihr eigenes. Das Biopic erzählt von den frühen Jahren und ersten Schreibversuchen Lindgrens.

Aus dem Leben der Marionetten / Ur Marionetternas Liv / From the Life of the Marionettes
Deutschland / Österreich / 1980 / 104 Min.
Regie: Ingmar Bergman

Ein aufrüttelnder Trip in das Böse im Menschen, den Ingmar Bergman 1980 mit Robert Atzorn und Gaby Dohm für das deutsche Fernsehen drehte.

Bergman – ein Jahr, ein Leben / Bergman – ett år, ett liv / Bergman – A Year in a Life
Schweden / Norwegen / 2018 / 116 Min.
Regie: Jane Magnusson

Ausgehend vom Schicksalsjahr 1957 entfaltet Dokumentarfilmerin Jane Magnusson das faszinierende Werk und Leben des Meisterregisseurs Ingmar Bergman.

Bergman Revisited / Bergman Revisited / Bergman Revisited
Schweden / 2018 / 84 Min.
Regie: Pernilla August, Tomas Alfredson, Jane Magnusson, Linus Tunström, Lisa Aschan, Patrik Eklund

Sechs zeitgenössische Kurzfilme, die Leben und Werk Ingmar Bergmans überraschend neu interpretieren: mal gefühlvoll, mal surreal, mal brüllend komisch.

Border / Gräns / Border
Schweden / Dänemark / 2018 / 101 Min.
Regie: Ali Abbasi

Schwedens Kandidat für den Auslandsoscar 2019: Zöllnerin Tina hat ein feines Gespür für menschliche Gefühle – dann verändert eine besondere Begegnung ihr Leben.

Die Berührung / Beröringen / The Touch
Schweden / USA / 1970 / 115 Min.
Regie: Ingmar Bergman

Ingmar Bergmans restaurierte Lovestory von 1971 mit Elliot Gould, Max von Sydow und Bibi Andersson war über 40 Jahre lang nicht öffentlich zu sehen.

Erinnerung an Ingmar Bergman / Minnet av Ingmar Bergman / The Memory of Ingmar Bergman
Finnland / 2018 / 57 Min.
Regie: Jörn Donner

Zutiefst persönliche Erinnerung des Produzenten und Dokumentarfilmers Jörn Donner an seinen Freund Ingmar Bergman – mit seltenem Archivmaterial.

In Love and War / I krig og kærlighed / In Love and War
Dänemark / Deutschland / Tschechien / 2018 / 135 Min.
Regie: Kasper Torsting

Ein versehrter Soldat soll zurück an die Front – und desertiert um der Liebe willen. Epische Erzählung von der Zerbrechlichkeit der Gefühle im Ersten Weltkrieg.

Ingmar Bergman / Ingmar Bergman / Ingmar Bergman
Schweden / 1971 / 55 Min.
Regie: Stig Björkman

Faszinierendes Porträt Ingmar Bergmans, das während der Arbeit an der US-Co-Produktion „The Touch“ 1971 entstand und in restaurierter Fassung vorliegt.

Per im Glück / Lykke-Per / A Fortunate Man
Dänemark / Österreich / 2018 / 167 Min.
Regie: Bille August

Bille Augusts brillante Verfilmung des dänischen Romanklassikers „Lykke Per“ glänzt mit Nachwuchsstar Esben Smed Jensen in der Hauptrolle.

Utøya 22. Juli / Utøya 22. juli / U – July 22
Norwegen / 2018 / 95 Min.
Regie: Erik Poppe

Umstrittenes Filmdrama um eine 18-Jährige, die das Attentat auf Utøya vom 22. Juli 2011 erlebt. Von Erik Poppe in Echtzeit und in einer Einstellung gedreht.

Verachtung / Journal 64 / The Purity of Vengeance
Dänemark / Deutschland / 2018 / 119 Min.
Regie: Christoffer Boe

Kommissar Carl Mørck ist zurück: „Verachtung“ ist die hoch spannende Verfilmung des Thriller-Bestsellers des dänischen Erfolgsautors Jussi Adler-Olsen.