Berlinale 2018 – Goldener Bär für „Touch me not“

Berlinale 2018 - Goldener Bär für "Touch me not" von Adina Pintiliet
Goldener Bär für „Touch me not“ von Adina Pintiliet – ©Richard Hübner/Berlinale 2018

Überraschung zum Abschluss der Berlinale: Den Goldenen Bären erhielt die Rumänin Adina Pintiliet für ihren Experimentalfilm „Touch me not„.

Als beste Darsteller wurden Ana Brun („Las herederas„) und Anthony Bajon („La priére„) ausgezeichnet. In diesem Jahr stand das Filmfest stark unter dem Eindruck der #MeToo-Debatte.

Die Verleihung der Bären im Berlinale Palast war wie jedes Jahr der krönende Abschluss der Berlinale. Die Jury überraschte mit ihrer Auswahl: Das Erstlingswerk „Touch me not“ von Adina Pintiliet wurde mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. In ihrem experimentellen Film zeigt die rumänische Regisseurin Spielarten und Grenzen menschlicher Sexualität. „Ich wollte herausfinden, was Intimität ist„, so die Regisseurin bei der Pressekonferenz.

Im Zeichen der MeToo-Debatte

Drastische Nähe, erzwungene Intimität, Schamgefühl: Mit solchen Worten lässt sich der Gewinnerfilm beschreiben. Sie weisen aber auch auf das Thema hin, das auf der diesjährigen Berlinale besonders präsent war: Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung im Kulturbetrieb.

Im Zuge der Missbrauchs- und Belästigungsfälle hatten Berufs- und Branchenverbände aus Film und Fernsehen die Gründung einer Anlaufstelle für Betroffene sexualisierter Belästigung, Gewalt und Diskriminierung beschlossen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte schon vor der Berlinale eine Anschubfinanzierung zugesagt und zu Beginn der Festspiele einen Kulturwandel gefordert. „Angst und Schweigen waren viel zu lange stille Komplizen„, so Grütters. „Es ist gut, dass damit Schluss gemacht wird.“

Vier deutsche Filme im Wettbewerb

Jury-Präsident Tom Tykwer hatte bereits zu Beginn der diesjährigen Filmfestspiele angekündigt, seine Jury wolle auch würdigen, „wo sich das Kino noch hinbewegen kann„. Die vier deutschen „Bären“-Kandidaten gingen leer aus.

Weder für Thomas Petzold mit seinem Flüchtlingsfilm „Transit“ noch Thomas Stuber mit dem Liebesdrama zweier Außenseiter („In den Gängen“) reichte es für eine Auszeichnung. Auch „3 Tage in Quiberon“ mit einer beeindruckenden Marie Bäumer als Romy Schneider und das Familiendrama „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ von Philip Gröning wurden nicht bedacht.

Die 68. Berlinale zog eine positive Bilanz. Insgesamt liefen 385 Filme, davon 110 deutsche Produktionen. Rund 330.000 Karten wurden verkauft. Der Europäische Filmmarkt verbuchte 10.000 Besuchern aus 112 Ländern – so viele wie noch nie.

Kulturstaatsministerin Grütters unterstützt die Berlinale mit rund 7,7 Millionen Euro. Um den Nachwuchs zu fördern, unterstützt sie die „Berlinale Talents“ mit weiteren 187.000 Euro.

Die komplette Liste der GewinnerInnen gibt es hier (PDF öffnet im neuen Fenster): GewinnerInnen Berlinale 2018