Berlinale Shorts 2018 – Internationaler Wettbewerb und Sonderprogramm „1968 – Rote Fahnen für alle“

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22 Filme aus 18 Ländern konkurrieren um den Goldenen und den Silbernen Bären sowie um den mit 20.000€ dotierten Audi Short Film Award und die Nominierung für den European Film Award.

Die Filme „Besida“ von Chuko Esiri aus Nigeria und „The Shadow“ of Utopia von Antoinette Zwirchmayr aus Österreich laufen außer Konkurrenz. Im Wettbewerb der Berlinale Shorts werden Filme von u.a. João Salaviza, Réka Bucsi, Bárbara Wagner & Benjamin de Burca, Manque La Banca, Sylvia Schedelbauer, Ulu Braun, Arash Nassiri und João Viana zu sehen sein. Zudem präsentiert Berlinale Shorts ein Sonderprogramm zu 1968.

Die Kurzfilme des internationalen Wettbewerbs 2018 begegnen der Realität auf Augenhöhe und tragen aktiv zum zeitgenössischen gesellschaftspolitischen Diskurs bei. Es sind unterschiedliche Ermächtigungsstrategien, die zum Tragen kommen. Selbstbestimmt ergreifen die FilmemacherInnen kleine Momente, lokale Erzählungen, Subjekte und verbinden sie mit großen Ereignissen. Sei es, dass die Filme animiert, dokumentarische Formen oder Fiktionen sind – experimentiert wird immer. Das performative Element ist Teil der Strategie. Die Geschlechter- und Machtverhältnisse sind 2018 noch lange nicht ausgeglichen, aber sie sind Sujet.

In „City of Tales“ von Arash Nassiri erklingt eine Polyphonie persischer Mundarten und Los Angeles wird zu Teheran. Die Bühnen der Erinnerung sind die Städte der anderen. In „Onde o Verão Vai“ (episódios da juventude) inszeniert der portugiesische Regisseur David Pinheiro Vicente einen queeren Auszug aus dem Paradies und stellt somit die Frage nach dem Anfang neu. Jayisha Patel dokumentiert in ihrem Dokumentarfilm „Circle“ die Familie als Keimzelle für den Frauenhandel. Es ist die Großmutter, die ihre Enkeltochter für die Vergewaltigung verkauft. Erstmals läuft mit der Koproduktion Imfura von Samuel Ishimwe ein Film aus Ruanda im Wettbewerb.

Die Berlinale Shorts interessieren sich für die fiktionale Erzählung jenseits von formatierten Strukturen und sind offen für Gestaltungsmethoden, die neue dramaturgische Formen zur Spannungserzeugung finden.

Die Internationale Kurzfilmjury 2018 bilden der portugiesische Filmemacher sowie Gewinner des Goldenen Bären für den Besten Kurzfilm bei der Berlinale 2017 Diogo Costa Amarante, der US-amerikanische Filmemacher und Kurator Mark Toscano und die südafrikanische Filmemacherin und Wissenschaftlerin Jyoti Mistry.

50 Jahre 1968: Das Berlinale Shorts-Sonderprogramm „1968 – Rote Fahnen für alle“ zeigt ästhetische Strategien, die bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren haben. „Ohne die Frage nach der gesellschaftlichen Unruhe zu stellen, wäre ein Blick auf 1968 nicht möglich – der subjektive Blick in seiner ästhetischen Vielfalt ist das Kaleidoskop, das die Verhältnisse für heute zugänglich macht. Durch die radikale Reduktion auf das Trägermaterial befreien die Künstler*innen den Film von jeglichem Narrativ und lassen eine neue Wirklichkeit durchblicken“, so Berlinale Shorts-Kuratorin Maike Mia Höhne.

Christiane Gehner fragt in „Programmhinweise“ nach den Geschlechterrollen: „Ich weiß nicht, ob ich mich nicht doch lieber den Ansprüchen der Männer fügen soll, denn schlimmer als die Unterdrückung ist die Isolation.“ Ula Stöckl deckt in „Antigone“ die Struktur der Machtverhältnisse auf. In „Na und…?“ von Marquard Bohm und Helmut Herbst ist der oft beschriebene Muff unter den Talaren im Haus der Familie Bohm in Hamburg greifbar. Dore O. beschreibt ihren Film „Alaska“ als „Traum meiner selbst, Konsequenz aus dem Akt mit der Gesellschaft.“ Helmut Herbst und Dore O. waren 1968 Gründungsmitglieder der ersten „Hamburger Filmmacher Cooperative“, die mit ihren Filmen radikal in den gesellschaftlichen Diskurs eingriffen.

Filme der Berlinale Shorts 2018:

  • After/Life, Puck Lo, USA, 15’ (WP)
  • Alma Bandida, Marco Antônio Pereira, Brasilien, 15’ (WP)
  • And What Is the Summer Saying, Payal Kapadia, Indien, 23’ (WP)
  • Babylon, Keith Deligero, Philippinen, 20’ (IP)
  • Besida, Chuko Esiri, Nigeria, 12’ (WP) – Außer Konkurrenz
  • Blau, David Jansen, Deutschland, 15’ (WP)
  • Burkina Brandenburg Komplex, Ulu Braun, Deutschland, 19’ (WP)
  • Circle, Jayisha Patel, Großbritannien / Indien / Kanada, 14’ (WP)
  • City of Tales, Arash Nassiri, Frankreich, 21’ (WP)
  • Coyote, Lorenz Wunderle, Schweiz, 10’ (WP)
  • Imfura, Samuel Ishimwe, Schweiz / Ruanda, 36’ (IP)
  • Imperial Valley (Cultivated Run-Off), Lukas Marxt, Deutschland / Österreich, 14’ (WP)
  • Des jeunes filles disparaissent, Clément Pinteaux, Frankreich, 16’ (IP)
  • Madness, João Viana, Mosambik / Guinea-Bissau / Katar / Portugal / Frankreich, 13‘ (WP)
  • The Men Behind the Wall, Ines Moldavsky, Israel, 28’ (WP)
  • Onde o Verão Vai (episódios da juventude), David Pinheiro Vicente, Portugal, 20’ (WP)
  • Russa, João Salaviza & Ricardo Alves Jr., Portugal / Brasilien, 20’ (WP)
  • The Shadow of Utopia, Antoinette Zwirchmayr, Österreich, 23’ (IP) – Außer Konkurrenz
  • Solar Walk, Réka Bucsi, Dänemark, 21’ (WP)
  • Terremoto Santo, Bárbara Wagner & Benjamin de Burca, Brasilien, 20’ (IP)
  • Le Tigre de Tasmanie, Vergine Keaton, Frankreich, 14’ (WP)
  • T.R.A.P, Manque La Banca, Argentinien, 16’ (WP)
  • While I Yet Live, Maris Curran, USA, 15’ (IP)
  • Wishing Well, Sylvia Schedelbauer, Deutschland, 13‘ (WP)

Berlinale Shorts Sonderprogramm „1968 – Rote Fahnen für alle“

  • Alaska, Dore O., Bundesrepublik Deutschland, 18‘, 1968
  • Antigone, Ula Stöckl, Bundesrepublik Deutschland, 9‘, 1964
  • Farbtest Rote Fahne, Gerd Conradt, Bundesrepublik Deutschland, 12‘, 1968
  • Fundevogel, Claudia von Alemann, Bundesrepublik Deutschland, 22‘, 1967
  • I Ruhrområdet, Peter Nestler, Schweden, 34‘, 1967
  • Ja/Nein, Ernst Schmidt jr., Österreich, 3‘, 1968
  • Kunst & Revolution, Ernst Schmidt jr., Österreich, 2‘, 1968
  • My Name is Oona, Gunvor Nelson, USA, 10‘, 1969
  • Na und…?, Marquard Bohm & Helmut Herbst, Bundesrepublik Deutschland, 33‘, 1966
  • Programmhinweise, Christiane Gehner, Bundesrepublik Deutschland, 10‘, 1970
  • Rohfilm, Birgit & Wilhelm Hein, Bundesrepublik Deutschland, 20‘,
  • Tapp und Tastkino, VALIE EXPORT, Österreich, 2‘, 1968

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