Filmakademie Baden-Württemberg zieht Berlinale Bilanz

Filmakademie Baden-Württemberg (Campus mit Logo)
©Filmakademie Baden-Württemberg, Foto: Reiner Pfisterer

Gleich drei Filmakademie-Produktionen feierten glanzvolle Premieren in der PERSPEKTIVE DEUTSCHES KINO.

BACK FOR GOOD, der Diplomfilm von Mia Spengler, der am 9. Februar die Trendshow des deutschen Filmnachwuchses eröffnet hatte, sowie der Abschlussfilm MILLENNIALS von Jana Bürgelin und der Drittjahresfilm DIE TOCHTER von Mascha Schilinski. Alle drei stießen auf überaus positive Resonanz – beim Publikum wie auch bei der nationalen und internationalen Presse.

Darüber hinaus konnten sich sowohl Studierende als auch Absolventen der Filmakademie über eine ganze Reihe wertvoller Preise freuen, die im Rahmen der Berlinale verliehen wurden.

So gewann Regie-Studentin und Autorin Nora Fingscheidt den mit 20.000 Euro dotierten Thomas Strittmatter Preis der MFG Filmförderung Baden-Württemberg für ihr Drehbuch SYSTEMSPRENGER, in dem sie die neunjährige Benni porträtiert, die als Schwererziehbare durch alle behördlichen Erziehungsraster fällt. Das Drama soll nach Fingscheidts Diplom-Dokumentarfilm OHNE DIESE WELT das Spielfilmdebüt der Regisseurin werden. Neben SYSTEMSPRENGER waren noch zwei weitere Drehbücher nominiert, die ebenfalls von Absolventen der Filmakademie stammen: DIE REISE DES ELEFANTEN SOLIMAN von Juliette Alfonsi (nicht FABW) und Matthias Drescher sowie KIDS RUN von Barbara Ott. Bereits die Nominierungen sind mit einem Preisgeld von 2.500 Euro verbunden.

Außerdem gingen beide der mit jeweils 5.000 Euro dotierten „Kompagnon-Förderpreise“ der BERLINALE TALENTS und der PERSPEKTIVE DEUTSCHES KINO an Diplomanden der Filmakademie. Für Nora Fingscheidt wurde die Berlinale 2017 damit zur erfolgreichsten ihrer noch jungen Karriere: Sie gewann den Förderpreis für ihr Buch SYSTEMSPRENGER, in dem sie „ein beklemmendes, einfühlsames und genau recherchiertes Szenario über unser pädagogisches System und ein ergreifendes, humanistisches Plädoyer für die ‚Schwierigen’, die Nicht-Konformen, die vermeintlich Dysfunktionalen“ entwickelt, so die Jury. Und die beiden Filmakademie-Alumni Levin Peter und Elsa Kremser konnten sich über den zweiten „Kompagnon“ für ihr Projekt DER GRÜNE WELLENSITTICH freuen. Der Film erzählt die Geschichte von Mischa, der als Obduktionsassistent arbeitet und Leichen in Öl malt, sowie der suizidgefährdeten Anna. „Ihrer beider Einsamkeit führt sie zur zwanghaften Beschäftigung mit dem Tod – woraus die AutorInnen Levin Peter und Elsa Kremser die schönsten Formen von Lebendigkeit erwachsen lassen: Kreativität und Liebe“, erklärt die Jury in ihrem Urteil.

Große Freude auch bei den Studierenden Manuela Bastian, Frederik Felkner und Maximilian Greil: Sie und ihr Team wurden im Rahmen des 10. EMPFANGS DER FILMHOCHSCHULEN mit einem der mit 1.000 Euro dotierten Förderpreise für das Pitching zu ihrem Projekt ZWILLINGE ausgezeichnet. Der Empfang der sieben größten Filmhochschulen wird von den Studierenden selbst organisiert mit dem Ziel, den Nachwuchs in Kontakt mit der Branche zu bringen. Auch in diesem Jahr unterstützte die Filmakademie den Empfang und war darüber hinaus mit einem Infostand sowie in den Pitching-Blöcken mit mehreren Projekten vertreten. Zudem referierten Guido Lukoschek, Coordinator of International Relations, sowie Tobias Hollmann, Produktionsstudent im Diplomjahr, über das Thema „International Matchmaking“ und gaben ihre Erfahrungen in Sachen internationale studentische Koproduktionen weiter. Neben Studierenden des Atelier Ludwigsbug-Paris nahmen auch Filmakademie-Studierende der Studienvertiefung International Producing an dem Panel teil.

Ebenfalls preisgekrönt: Die Filmakademie-Alumni Karoline Henkel, Jasper Mielke und Arto Sebastian. Ihr Projekt BEHIND CLOSED DOORS erhielt den Filmförderpreis für internationale Zusammenarbeit der Robert Bosch Stiftung in der Kategorie Dokumentarfilm. Zum 5. Mal zeichnete die Stiftung damit junge deutsch-arabische Filmteams aus. Das Preisgeld in Höhe von jeweils bis zu 60.000 Euro soll den insgesamt drei geförderten Teams dazu verhelfen, ihre Filmprojekte unkompliziert umsetzen.

Nachdem es Filmakademie-Absolventin Anne Zohra Berrached im letzten Jahr mit ihrem Diplomfilm 24 WOCHEN sogar in den Wettbewerb der Berlinale geschafft hatte, gab es für sie auch 2017 wieder Grund zum Jubeln: Sie wurde im Rahmen des Berlinale Co-Production Market mit dem mit 20.000 Euro dotierten Eurimages Co-Produktion-Development-Award für die FRAU DES PILOTEN ausgezeichnet. Das Preisgeld versteht sich als Entwicklungs-Zuschuss des Europäischen Filmfonds Eurimages für das ambitionierte Projekt.

Der Berlinale-Preisregen endet mit Regie-Student Adrian Goiginger. Er gewann den erstmals in der Sektion PERSPEKTIVE DEUTSCHES KINO verliehenen und mit 5.000 Euro dotierten Kompass-Perspektive-Preis für den besten Film des Programms. Die Jury befand: Sein Film DIE BESTE ALLER WELTEN berührt „mit seinem sensibel inszenierten, herausragenden Ensemble, ohne kitschig zu werden und geht mit seiner unprätentiösen Bildgestaltung unter die Haut, ohne voyeuristisch zu sein.“ Adrian Goiginger hatte den Film, „der seine eigene Kindheit erzählt und auf verstörend authentische Art einen scheinbar ausweglosen Kampf zwischen Mutterliebe und Sucht“ zeigt, in seinem Urlaubsjahr als externes Projekt realisiert.

Präsentiert wurden auch die beiden Filme LILACS und CHRONICS der libanesischen Filmakademie-Stipendiaten Mira Shaib und Mohamed Sabbah. Während des Branchentreffs „European Film Market“ (EFM) konnten sie ihre Spielfilme einem internationalen Fachpublikum vorstellen. Mira Shaib und Mohamed Sabbah hatten das Wintersemester 2015/2016 als Gäste der Internationalen Klasse (ICLA) an der Filmakademie verbracht und in dieser Zeit ihre Stoffe zur Drehreife ausgearbeitet. Im Frühjahr 2016 fanden dann gemeinsam mit Studierenden der Filmakademie die Dreharbeiten im Libanon statt.

Während der Berlinale ist es fast schon zur Tradition geworden: Das Alumni-Treffen der Filmakademie. 2017 trafen sich in der entspannten Atmosphäre der Landesvertretung Baden-Württemberg fast 300 Ehemalige, Studierende, Dozenten und Mitarbeiter, die die Gelegenheit nutzten, sich bei Getränken und Brezeln über alte und neue Zeiten auszutauschen und gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen.

BACK FOR GOOD
Regie: Mia Spengler
Drehbuch: Stefanie Schmitz, Mia Spengler
Kamera: Falko Lachmund
Producer: Rebecca Schröder, Bianca Laschalt
Darsteller: Kim Riedle, Juliane Köhler, Leonie Wesselow, Nicki von Tempelhoff
Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg, Zum Goldenen Lamm Filmproduktion
SWR / MFG Filmförderung

Mia Spenglers Abschlussfilm BACK FOR GOOD erzählt die Geschichte von Angie, einem ehemaligen Trash-TV-Starlet (Kim Riedle), ihrer verhassten Mutter (Juliane Köhler) und ihrer pubertierenden Schwester (Leonie Wesselow). Angie bringt mit der Rückkehr in das Kaff ihrer Kindheit das Gefüge zwischen den Frauen ordentlich durcheinander, so dass alle drei ihre Rolle im Leben neu definieren müssen. BACK FOR GOOD ist eine Ode an die Menschlichkeit – leise gesummt, während ein Auto-Tune-Popsong aus dem Radio dröhnt.

MILLENNIALS
Regie: Jana Bürgelin
Kamera: Florian Mag
2. Kamera: Pierre Enz
Filmmusik: Nicolai Krepart
Ton: Adriana Espinal Ortiz, Christian Heiter
Sounddesign: Marcus Fass
Schnitt: Jana Bürgelin, Jan Bihl
Producer: Cosima Degler, Julia Golembiowski
Darsteller: Anne Zohra Berrached, Leonel Dietsche, Jan Koslowski, Anna Herrmann, Claudia Lorentz
Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg in Kooperation mit der Filmuniversität Babelsberg

Der dokumentarisch anmutende Diplomfilm MILLENNIALS spürt dem Lebensgefühl zweier Anfang 30-jähriger nach, die beide ihren eigenen Weg suchen, sich in einer Welt, in der alles möglich scheint, zurechtzufinden. Anne, die erfolgreiche Regisseurin, die ihre Karriere im Sinn und wenig soziale Kontakte hat und Leo, der Träumer, der Fotograf werden will und sich nach Liebe sehnt. In einem atmosphärischen Trip begleitet sie der Film auf dem Weg ihrer Selbstfindung und zeigt sowohl ihr Scheitern als auch ihre persönlichen Glücksmomente. Ein nächtliches Großstadtmärchen, bei dem Wirklichkeit und Fiktion ineinanderfließen.

DIE TOCHTER
Regie: Mascha Schilinski
Kamera: Fabian Gamper
Sounddesign: Claudio Demel
Ton: Claudio Demel, Bernhard Koepke
Schnitt: Svenja Baumgärtner
Szenenbild: Madeleine Schleich
Producer: Anne Schmidt, Ruben Steingrüber
Associate Producer: Frank Christian Mar
Darsteller: Artemis Chalkidou, Karsten Antonio Mielke, Helena Zengel
Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg in Kooperation mit der Filmuniversität Babelsberg

Im Spielfilm DIE TOCHTER nähert sich die Regisseurin Mascha Schilinski auf ungewöhnliche Art und Weise dem Problem von Trennungskindern. Wie müssen sie ihre Stellung oder Position gegenüber den getrennten Eltern in Bezug auf Abstand und Nähe neu definieren? Die siebenjährige Luca (Helena Zengel) wird mit ihrem Wunsch, die Königin an Vaters Seite und gleichzeitig Bindeglied zwischen den Eltern zu bleiben, zur Meisterin der Manipulation.