30.000 Euro Förderung für die Doku „Welcome to Sodom – Dein Smartphone ist schon hier“

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Im Rahmen der zweiten Sitzung für das Jahr 2018 hat die Jury – im Bereich Verleih/Vertrieb – der MFG Filmförderung Baden-Württemberg Förderdarlehen in Höhe von 152.500 Euro für sieben Filme bewilligt.

Die höchste Fördersumme geht mit 35.000 Euro an das Projekt „Die 1.000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse“ von Dominik Kuhn aka Dodokay. Die Dokumentation „Welcome to Sodom“ von Florian Weigensamer und Christian Krönes erhält 30.000 Euro. Beide Filme werden vom Stuttgarter Camino Filmverleih in die Kinos gebracht. Für den Verleih des beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2018 dreifach ausgezeichneten Spielfilms „Landrauschen“ von Lisa Miller wird der Tübinger Arsenal Filmverleih mit 25.000 Euro unterstützt. Unter den weiteren Dokumentationen, für die Verleihförderung bewilligt wurde, ist auch das von der MFG schon produktionsgeförderte Projekt „#Female Pleasure“ von Barbara Miller; die Indi Film-Produktion feiert ihre Weltpremiere am 5. August 2018 beim Filmfestival in Locarno.

Die Förderentscheidungen im Überblick

Die 1.000 Glotzböbbel vom Dr. Mabuse

35.000,00 Euro

Komödie, Regie: Dominik Kuhn (Original: Fritz Lang)
Antragssteller: Camino Filmverleih GmbH, Stuttgart
Kinostart: 30.08.2018

Als Basis für sein Epos dient Dodokay der vom legendären Film-Großmeister Fritz Lang 1960 auf die Leinwand gebrachte Thriller „Die 1.000 Augen des Dr. Mabuse“. Darin versucht Gert Fröbe dem Phantom Dr. Mabuse auf die Schliche zu kommen, was ihn mit einem Netz von Verbrechen, Rätseln und mysteriösen Gestalten konfrontiert. Und wie es nicht anders zu erwarten war, ist Dodokays neue schwäbische Version nicht einfach nur eine Mundart-Persiflage, sondern der Synchro-Grasdackel betrachtet auf seine berühmt-berüchtigte Art die tiefe Spaltung der schwäbischen Seele. Dabei werden schockierende Fragen geklärt: Ist das Internet in Wirklichkeit eine schwäbische Erfindung? Hat Dr. Mabuse den gelben Sack immer pünktlich rausgestellt? Stammt Gert Fröbe von der Schwäbischen Alb? Ist Dodokays schwäbische Version am Ende die verschollene, echte Urfassung des Films?

Welcome to Sodom – Dein Smartphone ist schon hier

30.000,00 Euro
Dokumentation, Regie: Florian Weigensamer, Christian Krönes
Antragssteller: Camino Filmverleih GmbH, Stuttgart
Kinostart: 02.08.2018

„Sodom“ nennt man den Teil der ghanaischen Hauptstadt Accra, den nur jene betreten, die unbedingt müssen. Die Deponie von Agbogbloshie ist Endstation für Computer, Monitore und anderen Elektroschrott aus Europa und aller Welt. Rund 250.000 Tonnen ausrangierte Computer, Smartphones, Drucker und andere Geräte aus einer weit entfernten, elektrifizierten und digitalisierten Welt gelangen Jahr für Jahr hierher. Auf illegale Weise. Die Nachfrage nach den neusten elektronischen Accessoires in der Ersten Welt explodiert. Hersteller melden regelmäßig Umsatzrekorde. Doch diese Lifestyle- Produkte sind oft schon nach kurzer Zeit wieder „out“ und damit Schrott. Hunderttausende davon landen in Ghana, wo Kinder und Jugendliche den Elektroschrott unter freiem Himmel zerkleinern. Durch das Schmelzen alter Kabel in pechschwarzen Rauchwolken werden neue Rohstoffe gewonnen. Für die einen ein „sauberes“ Geschäft, für die Anderen giftiger Alltag. Der Dokumentarfilm „Welcome to Sodom“ lässt die Zuschauer hinter die Kulissen von Europas größter Müllhalde mitten in Afrika blicken und portraitiert die Verlierer der digitalen Revolution.

Landrauschen

25.000,00 Euro
Drama, Regie: Lisa Miller
Antragssteller: Arsenal Filmverleih GmbH, Tübingen
Kinostart: 19.07.2018

Nach Jahren des wilden Lebens, zwei Hochschulabschlüssen, aber ohne Geld oder erfüllenden Job, befindet sich Toni in einer Sinnkrise. Eine Erbschaftsangelegenheit dient ihr als guter Grund, wieder in ihr Heimatdorf zu fliehen, dessen Enge sie ursprünglich hinter sich lassen wollte. Sie trifft auf die lebenslustige Rosa. Mit ihr sieht die Heimatwelt auf einmal anders aus, Toni fühlt sich wieder lebendig. Doch die Beziehung wird immer explosiver, je mehr sich Rosa zu der schönen Toni hingezogen fühlt.

Sheikh Jackson

20.000,00 Euro
Drama, Regie: Amr Salama
Antragssteller: Der Filmverleih GmbH, Stuttgart
Kinostart: 22.11.2018

Die Nachricht von Michael Jacksons Tod überrascht einen Imam, der während seiner Schulzeit als „Jackson“ bekannt wurde. Doch was hat ein Prediger mit dem King of Pop gemeinsam? Und noch wichtiger ist sein Kampf, das heutige Leben als Prediger mit seinen früheren Jahren und den damaligen Beziehungen zu versöhnen. Dies wirft schließlich die wichtigste Frage auf: Ist er der Scheich, Jackson oder beides?

Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm

15.000,00 Euro
zusätzlich 47.662,89 Euro Referenzmittel
Drama, Regie: Joachim A. Lang
Antragssteller: Wild Bunch Germany GmbH, Berlin
Kinostart: 13.09.2018

Nach dem überragenden Welterfolg von „Die Dreigroschenoper“ will das Kino den gefeierten Autor des Stücks für sich gewinnen. Doch Bertolt Brecht ist nicht bereit, nach den Regeln der Filmindustrie zu spielen. Seine Vorstellung vom „Dreigroschenfilm“ ist radikal, kompromisslos, politisch, pointiert. Er will eine völlig neue Art von Film machen und weiß, dass die Produktionsfirma sich niemals darauf einlassen wird. Ihr geht es nur um den Erfolg an der Kasse. Während vor den Augen des Autors in seiner Filmversion der Dreigroschenoper der Kampf des Londoner Gangsters Macheath mit dem Kopf der Bettelmafia Peachum Form anzunehmen beginnt, sucht Brecht die öffentliche Auseinandersetzung. Er bringt die Produktionsfirma vor Gericht, um zu beweisen, dass die Geldinteressen sich gegen sein Recht als Autor durchsetzen… Ein Dichter inszeniert die Wirklichkeit – Das hat es noch nie gegeben!

#Female Pleasure

15.000,00 Euro
Dokumentation, Regie: Barbara Miller
Antragssteller: X Verleih AG, Berlin
Kinostart: November 2018

#FEMALE PLEASURE begleitet fünf mutige junge Frauen aus den fünf Weltreligionen bei ihrem risikoreichen Aufstand gegen die Dämonisierung der weiblichen Sexualität durch den zunehmenden religiösen Fanatismus. Und zeigt ihre konfliktreiche Suche nach einer erfüllten Sexualität und der ihnen bisher verbotenen Liebe in der kontrastierenden, hypersexualisierten säkularen Welt. Ein Film über das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung – für alle Frauen.

Itzhak Perlman – Ein Leben für die Musik

12.500,00 Euro
Dokumentation, Regie: Alison Chernick
Antragssteller: Arsenal Filmverleih GmbH, Tübingen
Kinostart: 09.08.2018

Alison Chernicks Dokumentation zeigt den einen Musiker, dessen Eltern aus Polen nach Israel emigrierten und einen jungen Mann, der als Musikstudent schmerzlich darum kämpfen musste, ernst genommen zu werden, da die Musikhochschulen nur auf seine Behinderung achteten. Itzhak selbst ist witzig, respektlos und selbstironisch und der Film zeigt seine Lebensgeschichte in Gesprächen mit Musikern, mit Familien und Freunden und mit seiner Frau Toby, mit der er seit 50 Jahren verheiratet ist.

Außerdem wurden Referenzmittel für folgende Projekte bewilligt

Monika Hauser – Ein Portrait

10.000,00 Euro
Dokumentation, Regie: Evi Oberkofler, Edith Eisenstecken
Antragssteller: Eduard Barnsteiner – Barnsteiner-Film, Ascheffel
Kinostart: 03.05.2018

Ein filmisches Portrait der Gründerin von medica mondiale und Trägerin des Alternativen Nobelpreises Monika Hauser. Seit 25 Jahren kämpft die Frauenärztin Monika Hauser lokal und international für die traumatisierten Opfer, denn jeder Krieg ist auch ein Krieg gegen Frauen. Der Film folgt Monika Hauser bei einem Rückblick auf ihr Werk und begleitet sie in ihrem Arbeitsalltag. Dabei bleibt er immer nah an ihrer Person und lässt uns teilhaben an den Motiven und dem Engagement dieser mutigen Frau.

The King – Mit Elvis durch Amerika

12.069,56 Euro
Dokumentation/Roadmovie, Regie: Eugene Jarecki
Antragssteller: Arsenal Filmverleih GmbH, Tübingen
Kinostart: 19.04.2018

Ein musikalisches Road-Movie, das quer durch Amerika führt: 40 Jahre nach dem Tod von Elvis Presley reiste der vielfach ausgezeichnete Autor und Regisseur Jarecki während des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 in dem alten Rolls Royce des Sängers von New York über Las Vegas bis in den tiefen Süden, um das Land an einem kritischen Wendepunkt seiner Geschichte zu erleben. „The King – Mit Elvis durch Amerika“ ist zugleich politische Bestandsaufnahme und kulturelles Porträt.