Neun Projekte für Projektstipendium Filmstart 04 ausgewählt

Projektstipendium Filmstart 04 (Grafik)
©nordmedia / Filmbüro Bremen

nordmedia und das Filmbüro Bremen haben für Nachwuchsfilmprojekte und künstlerische Filme mit einem Förderbedarf zwischen 1.000 und 10.000 Euro gemeinsam das Projektstipendium Filmstart entwickelt und nun zum vierten Mal vergeben. In diesem Jahr standen 32.700 Euro zur Verfügung.

41 Filmschaffende – davon 39 aus Bremen – hatten sich mit ihren Projekten beworben. Dokumentarfilme, Spielfilme und Animationen, Projektentwicklung, Produktion, Vertrieb – die Anträge spiegeln das vielseitige regionale Filmschaffen wider.

Der Schwerpunkt des Projektstipendiums liegt auf der Produktion – acht Projekte werden in den nächsten Monaten entstehen. Ein weiteres Projekt wird im Vertrieb gefördert. Auch thematisch wird die Vielseitigkeit widergespiegelt: Es geht um Kolonialisierung und Globalisierung, Selbstoptimierung, Nachwuchspolitiker im heutigen Polen, moralische Entscheidungen, kleine Städte im Iran und Gedichte.

Die Stipendiaten haben ein Jahr Zeit, ihr Projekt zu realisieren. Die Abwicklung der Förderung erfolgt über das Filmbüro Bremen e.V.. Die Filme werden auf dem Filmfest Bremen (20.-23.09.2018) präsentiert.

Gefördert werden durch das Projektstipendium Filmstart 04

The Thing
Zaihab Haidary (Bremen)
7.000 € – Produktion Videodokumentation

I learned at school that an object can define or represent a specific fact, a theory or a thought. Basically, it is the connection between the concept that we have in our mind which refers to an evidence or an object outside.

Jurybegründung: „Eine ungewöhnliche Darstellung der komplizierten Themen Kolonialisierung und Globalisierung verspricht uns das Konzept zu „The Thing“. Parallel erfahren wir in einer Installation von der Bedeutung von gleichen Objekten an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten. Geschichte anders zeigen und deuten – auf Basis der sehr überzeugenden vorherigen Arbeit von Zaihab Haidary wollen wir mit ihr dieses Experiment wagen.“

ALP
Julia Müller (Bremen)
5.000 € – Produktion Animationsserie

ALP spielt in einer Welt, in der jeder, der das Beste aus sich selbst macht, seinen Alterungsprozess in zehnjährigen Etappen anhalten kann. Die Serie verfolgt sechs Charaktere, die in diesem ALP genannten System leben.

Jurybegründung: „Die Animationsserie ALP malt uns eine unheimliche Welt der Selbstoptimierung aus. Jeder, der das Beste aus sich macht, kann darin den eigenen Alterungsprozess in zehnjährigen Etappen anhalten. Ein interessantes und gut durchdachtes Setting mit visuell spannenden Charakteren. Wir freuen uns auf ein packendes, gesellschaftskritisches Szenario, das zum
Nachdenken anregt.“

Brennt noch
Fabian Nolte und Moritz Schierenbeck
5.000 € – Produktion Kurzspielfilm

Zwei Leuchtturmwärter verrichten abwechselnd Schichtdienst an der Küste. Langsam entwickelt sich eine Freundschaft, aus der mehr wird.

Jurybegründung: „Leuchtturmwächter – ein aussterbender Beruf. Umso erfreulicher, dass es einen jungen Filmemacher zu einem Kurzfilm inspiriert! Ein Film über zwei kauzige Seebären, die sich nur von Schichtwechsel zu Schichtwechsel begegnen. Und die offensichtlich mehr gemein haben als ihre Liebe zum Meer. Bleibt zu hoffen, dass Filmemacher Fabian Nolte und Co-Autor Moritz Schierenbeck ihre vielversprechende Kollaboration fortführen.“

Polens zwei Gesichter
Jakub Dudzikowski
5.000 € – Produktion Dokumentarfilm

Polen scheint gerade zwei Gesichter zu haben: Zum bekannten Bild eines aufstrebenden EU-Mitglieds ist seit dem Regierungswechsel 2015 ein neues dazugekommen, das auf viele Menschen unverständlich wirkt. Dieser Film zeigt beide Gesichter Polens: Er portraitiert junge Nachwuchspolitiker zweier gegensätzlicher Lager und zeigt dabei ihre Sicht auf das Land und auf Europa. Durch persönliche Einblicke in die Leben der Protagonisten wird der gesellschaftliche Wandel in Polen greifbar gemacht.

Jurybegründung: „Wegen dem aktuellen Thema und einer überzeugenden Arbeitsprobe hat sich die Jury darauf geeinigt das Vorhaben zu fördern. Trotz des relativ jungen Alters des Filmemachers, sind wir der Meinung, dass er die Herausforderung meistern wird. Ein gutes Auge für dokumentarisches Arbeiten hat er bereits bewiesen.“

Hinter deinen Augen (AT)
Martin-Oliver Czaja und Lukas Holländer
3.500 € – Produktion Kurzspielfilm

Die junge Drehbuchstudentin Miriam begleitet für Recherchezwecke den deutsch-polnischen Dawid und seine Freunde im Alltag und stößt dabei an ihre eigenen Grenzen, die sie vor eine moralische Entscheidung stellen. Ein Film über eine Begegnung, an der beide Seiten wachsen und lernen, dass jeder von uns mehr ist als es auf den ersten Blick scheint.

Jurybegründung: „Zwischen Martin-Oliver Czajas beiden Arbeitsproben hat eine große Entwicklung stattgefunden. Mit „Hinter deinen Augen“ (AT) geht der junge Filmemacher einen weiteren Schritt in Richtung Professionalisierung. Es stimmt zuversichtlich, dass er so ganz und gar seine Figuren kennt und ihnen mindestens ebenso viel vertraut. Beste Voraussetzungen also, um im Kleinem etwas Großes zu erzählen. Besonders in seinem persönlichen Zugang zu dieser zarten Geschichte sehen wir Czajas Chance, seine Handschrift zu verfeinern und seine Zusammenarbeit mit dem Co-Autor weiter auszubauen.“

Cities of Exile
Shirin Mohammad (Bremen)
2.000 € – Produktion Dokumentarfilm

A short documentary about small cities in Iran. These cities were known as significant historical and archeological sites, but nowadays they turn into places for people who werde banished from their own land to these cities.

Jurybegründung: „Ausdrucksstarke und sorgfältig gestaltete Kompositionen, ruhiges Tempo der Schnittfolge, bestimmen die Handschrift der Filmemacherin. Wir trauen Ihr zu aus dem schwierigen Vorhaben einen überzeugenden Film zu gestalten, sowohl im visuellen als auch im inhaltlichen Zusammenhang.“

Requiem der Augenblicke
Jan Albin und Paul Jackson (Bremen)
2.000 € – Produktion Kunstfilm

Zwanzig neue Gedichte, vier SchauspielerInnen, die Bilder dreier Bremer Maler und ein Cellist – das sind die Bausteine des Kunstfilms „Requiem der Augenblicke“. Thema des Filmes ist die Sehnsucht nach Liebe, die Angst vor Einsamkeit und die Erinnerung an Vergangenes.

Jurybegründung: „Gedichte zu verfilmen ist ein vages Vorhaben. Wer sich da herantraut, bewegt sich meistens auf einem schmalen Grad. Die aussagekräftige Arbeitsproben, haben uns überzeugt und wir hoffen auf mehr davon.“

Inside the White Cube
Julian Öffler
2.000 € – Produktion experimentelle Dokumentation

Das Projektvorhaben beschäftigt sich auf experimentell-performative Weise mit dem Verhältnis von Künstler, Werk und Institution. Im performativen Forschungsdiskurs werden die drei Elemente hinsichtlich ihrer Interaktion und Objektivität geprüft.

Jurybegründung: „Inside the white Cube“ im wahrsten Sinne des Wortes: Ironisch und klug beleuchtet Julian Oeffler die Entstehung eines Kunstwerkes innerhalb seiner Rahmenbedingungen von Institution, Kuration und Erwartungshaltung der Rezipienten. Der Künstler lässt sich dafür mit einem Kunsttransport unbemerkt ins Museum spedieren. Des Nachts entsteht im Ausstellungsraum unter telefonischer Mitwirkung von Kunstsachverständigen ein Werk aus dem Nichts.“

Ničiji Dom – No One`s Home
Nevena Savić
1.200 € – Vertrieb Kurzspielfilm

Ein Haus auf dem Land in Bosnien, Fensterläden verschlossen. Aus dem Schornstein steigt Rauch auf. Es ist niemandes Zuhause, ein Ort, an dem seit Jahrzehnten keiner willkommen ist. Ivica, ein Mann Ende 70, lebt hier allein und isoliert.

Jurybegründung: „Diese rührende und fein beobachtete Geschichte über einen innerlich wie äußerlich verwahrlosten alternden Mann, der abgeschieden in (s)einem Haus in den Wäldern von Bosnien Herzegowina vegetiert, verdient unsere größte Anerkennung. Die besondere Herausforderung an die Filmemacherin, die immanent wichtige Backstory über die Hintergründe zum trostlosen Dasein der Hauptfigur visuell interessant und spannend zugleich zu gestalten, hat sie mit Bravour gemeistert und erntet unseren Beifall. Nur zu gerne fördern wir seinen Vertrieb.“

Näheres zu den einzelnen Projekten unter: http://www.filmbuerobremen.de/filmstart-04/