Wir sind Champions (Setfoto) - Regisseur Javier Fesser
Regisseur Javier Fesser – ©Concorde Filmverleih

Kurzinfo zum Film

Marco (Javier Gutiérrez) könnte ein glückliches Leben führen: Er ist Co-Trainer in einem Basketballteam der ersten Liga. Er hat eine schöne und intelligente Frau und wohnt mit ihr in einem der besseren Viertel Madrids. Aber er ist immer unzufrieden, meistens schlecht gelaunt und das wirkt sich in alle Bereiche aus…

Was hat Sie an dem Originaldrehbuch von David Marqués so fasziniert?

David Marqués hat uns sein Buch geschickt und Luis Manso, mein Teilhaber und Produzent, hat sofort gesehen, dass es eine perfekte Geschichte für mich ist. Ich hatte noch nie einen Film gemacht, zu dem ich nicht selbst das Drehbuch geschrieben habe. Aber als ich anfing Davids Buch zu lesen, habe ich mich gleich in seine Figuren verliebt. Als Regisseur hatte ich einfach Lust, diese Geschichte zu verfilmen, und der Kinogänger in mir wollte diese Menschen auf der Leinwand sehen. Ich habe ihr Potential gesehen, Menschen anzurühren und gleichzeitig zum Lachen zu bringen. Mir war klar, dass die Welt der geistig Behinderten ganz großes Potential hat, Gefühle hervorzurufen und die Menschen zum Lachen zu bringen. Mir war klar, dass diese faszinierende Welt der geistig Behinderten ein ganz besonderes Umfeld für die Geschichte sein würde und zwar mit den beiden Elementen, die für meine Filme am wichtigsten sind: Zärtlichkeit und Humor. Und dafür musste ich nicht einmal die Wirklichkeit verlassen, sondern musste einfach diese Menschen darstellen in ihrer Unschuld und ihrer ganz eigenen Logik der Gefühle.

Wie war dann die Arbeit mit den Laien, und wie war die Erfahrung professionelle Schauspieler und geistig Behinderte zusammen zu bringen?

Die fehlende Schauspielerfahrung machten die neun Protagonisten wirklich wett durch ihren Enthusiasmus, ihrer Begeisterung, sich in das Projekt einzubringen. Es ist unglaublich, wie viel eine Person lernen kann, wenn sie mit dem Herzen voll dabei ist. Außerdem fehlt ihnen die größte Behinderung der Menschheit, das Ego. Das hat die ganze Arbeit sehr erleichtert und zu einem sehr entspannten und fröhlichen Dreh geführt, bei dem wir uns aufeinander einlassen konnten. Die professionellen Schauspieler, besonders Javier Gutiérrez und Athenea Mata mussten 500 Prozent ihrer Leistung geben, weil diese Nachwuchsschauspieler mit ihrer Authentizität jeden Profi in den Schatten stellen können. Meine Aufgabe war weniger die klassische Schauspielführung, sondern vielmehr, ein Klima zu schaffen in dem jeder sein Bestes geben konnte und sich einfach akzeptiert fühlte. Man darf auch nicht vergessen, dass es sich nicht um Schauspieler handelt, die eine Rolle aus dem Drehbuch übernehmen, sondern um wirkliche Menschen, an deren Leben wir unsere Figuren angepasst haben.

Wie war das Casting?

Wir haben vier Monate lang mit 560 Personen geprobt. Das war viel mehr als bei jedem normalen Casting. Für mich und David waren diese Treffen aber auch eine einmalige Gelegenheit, um wirklich die Welt der Menschen mit geistiger Behinderung kennenzulernen.

Wir sind Champions (Setfoto) - Javier Gutiérrez als Trainer Marco verlässt den Platz
Javier Gutiérrez als Trainer Marco verlässt den Platz – ©Concorde Filmverleih

Wir waren mit Ausdrücken, Blicken, Sätzen und Gesten konfrontiert, die alle auf irgendeine Weise in den Film eingegangen sind. Wir gaben ihnen einen kleinen Text, den sie auswendig lernen mussten, wir ließen sie Basketball spielen, und wir machten Gruppenspiele, um ihre Fähigkeit zur Improvisation und ihr Teamverhalten zu testen. Keiner war wie der andere, alle waren ganz einmalig und unverwechselbar. Für mich war es das aufregendste Casting, das ich je hatte. Wir hätten mit jedem von ihnen einen spannenden und unterhaltsamen Film machen können.

Je weiter wir mit dem Projekt vorankamen, umso mehr waren wir davon überzeugt, was wir von Anfang an gefühlt hatten: Dass die Figuren im Film, deren Lebenshintergrund eine geistige Behinderung war, nur von „Schauspielern“, mit einer solchen Behinderung gespielt werden konnten. Wegen der Glaubwürdigkeit und der inneren Logik, aber besonders wegen der enormen Fähigkeit dieser Menschen Zärtlichkeit und Humor zu vermitteln.

An ihrer Seite steht der großartige Schauspieler Javier Gutiérrez. Er spielt den Trainer, der aus ihnen ein ganz besonderes Basketballteam machen wird. Diese Kombination erschien uns, von einer ganz ungewohnten Stärke.

WIR SIND CHAMPIONS ist eine Komödie, aber gleichzeitig voller Gefühle und in einigen Momenten tragisch. Wie haben Sie diese Balance zwischen Lachen und Weinen gehalten?

Von etwas sehr angerührt werden und trotzdem zu lachen. Das gehört zusammen, das sind zwei Seiten derselben Medaille. Aber ich muss gestehen, dass es in diesem Film nicht von mir kommt, sondern diese starken Gefühle und dieses Lachen sind Teil ihrer Lebensbewältigung. Sie stehen dem Leben sehr positiv gegenüber und haben viel Humor. Sie verstecken ihre Behinderung nicht und sie klagen nicht darüber. Sie verstellen sich nicht, sie zeigen sich immer so wie sie sind. Diese Ehrlichkeit, mit der sie in der Gesellschaft oft anecken, führt im Film oft zu Situationen, die ebenso komisch, wie tragisch sind. Unsere „Champions“ zeigen in jeder einzelnen Einstellung, wie sie das Leben meistern.

Es sind Bilder voller Licht, die Kamera ist immer eng an den Protagonisten. Welche Bedeutung hat die Musik? Wie war die ästhetische Konzeption des Films?

Dieses Mal war es mir viel wichtiger was vor der Kamera passiert, als wie es gefilmt wird. Ich wollte einen leichten und flexiblen Dreh, um die Schauspieler so wenig wie möglich unter Druck zu setzen und einen angenehmen Raum zu schaffen, in dem einfach auch improvisiert werden konnte. Wir haben mit Handkamera gearbeitet, immer bereit schnell den Ort zu wechseln und jeder Bewegung zu folgen. Und das Licht von Chechu Graf stand auch unter der Prämisse, keine komplizierten technischen Barrieren zu schaffen, die die Darsteller behindern könnten. Die Musik beschreibt zwei unterschiedliche Ebenen, auf der einen Seite die spannungsfreie, geradezu heitere Welt des Teams und auf der anderen Seite die sehr dramatische und übersteigerte Innenwelt des Trainers. Es gibt aber auch die fast dokumentarische Ebene der Basketballspiele, mit ihren ganz eigenen Liedern. Coque Malla hat für uns das Lied „Este es el momento” (Das ist der Moment) gemacht, das für mich einfach perfekt diesen Teamgeist auf den Punkt bringt, diesen Optimismus, aber auch die Lebenslust.

WIR SIND CHAMPIONS entspricht sicher nicht den einfachen Stickmustern für Kinokassenschlager. Und doch ist es einer der größten Erfolge des spanischen Films. Hat Sie das überrascht?

Es hat mich sehr glücklich gemacht. Aber wenn ich ehrlich bin habe ich immer auf unsere Hauptfiguren vertraut, auf ihre unglaubliche Fähigkeit, sich emotional zu bewegen, zum Lachen zu bringen und ganz unterschiedliche Kinozuschauer anzusprechen. Überrascht hat mich wirklich, dass es viele Zuschauer gab, die sich den Film zwei oder dreimal angesehen haben.

Warum sollte der Film ursprünglich INTELLEKTUELLE heißen?

Irgendwann bekam ich mit, dass die geistig Behinderten sich selbst untereinander als „Intellektuelle“ nennen. Das fand ich gut, weil es ihren beneidenswerten Sinn für Humor zeigt. Aber WIR SIND CHAMPIONS ist doch der beste Titel, denn jeder, der den Film sieht, wird genau sehen, dass unsere Helden Champions sind, ganz egal, ob sie das Spiel verlieren oder gewinnen.

Inwieweit hat der Film Ihre eigene Einstellung geistig Behinderten gegenüber verändert?

Ich hatte dieses Projekt begonnen mit der Idee dass wir „alle gleich sind” und ich habe es beendet mit der Einsicht, dass wir alle auf ganz wunderbare Weise verschiedenen sind.

Interview via Concorde Filmverleih

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Quelle: Concorde Filmverleih, FilmBizNews