Im Schatten der Angst (Filmszene) Karla Eckhardt (Julia Koschitz) schreckt aus einem Alptraum auf.
Karla Eckhardt (Julia Koschitz) schreckt aus einem Alptraum auf. – ©ZDF, Hendrik Heiden

Kurzinfo zum Film

Psychiaterin Dr. Karla Eckhardt (Julia Koschitz) soll beurteilen, ob der bekannte Architekt Carsten Spanger (Justus von Dohnányi) schuldfähig ist. Er hatte eine junge Frau in seinem Keller gefesselt und in Todesangst versetzt. Karla diagnostiziert bei ihm eine schwerwiegende narzisstische Persönlichkeitsstörung. Bald hat sie den Verdacht, einen routinierten Täter vor sich zu haben.

Sie spielen eine forensische Psychiaterin, eine der besten auf ihrem Gebiet. Wie sind Sie an diese Rolle herangegangen?

Ich habe mich mit einer Psychologin unterhalten und mich, soweit mir das als Laie möglich war, mit forensischer Psychiatrie beschäftigt. Ich habe Einiges darüber gelesen, mir Interviews angeschaut, vor allem mit zwei namhaften forensischen Psychiatern, die jahrelang Gutachten fürs Gericht erstellt haben. Beide haben sich eingehend mit dem Thema ethischer und rechtlicher Fragen in der forensischen Psychiatrie auseinandergesetzt. Abgesehen davon hatte ich aber Gott sei Dank ein sehr gut recherchiertes Drehbuch als Vorlage, mit einer widersprüchlichen, sperrigen und trotzdem liebenswerten Figur. Und einen hervorragenden Regisseur, der sie mit mir gemeinsam erarbeitet hat.

Was war die größte Herausforderung dabei?

Ich würde es lieber so sagen: Am meisten gefreut habe ich mich auf die langen Befragungsszenen mit Justus. Es ist doch eher ungewöhnlich, dass man darauf vertraut, dass ein Gespräch zwischen zwei Menschen in einem kahlen Raum über so weite Strecken in einem Film tragen kann. Die Konstellation dieser beiden Figuren, Spanger und Karla, war aber so spannend, und die Dialoge, wie ich finde, waren so gut geschrieben, mit vielen Wendepunkten und Überraschungsmomenten für beide, dass wir trotzdem genug zu „tun“ hatten, auch wenn wir nur geredet haben.

Worauf kam es denn für Sie bei der Umsetzung der intensiven Dialogszenen zwischen den beiden Figuren an?

Im Schatten der Angst (Filmszene) Karla Eckhardt (Julia Koschitz) auf dem Weg zum Fundort einer Frauenleiche - ein weiteres Opfer von Carsten Spanger?
Karla Eckhardt (Julia Koschitz) auf dem Weg zum Fundort einer Frauenleiche – ein weiteres Opfer von Carsten Spanger? – ©ZDF, Hendrik Heiden

Auf jede mögliche Regung bei Spanger beziehungsweise Justus zu achten, ihm meine ganze Aufmerksamkeit zu widmen, mich ihm auf unterschiedliche Weise anzunähern, Taktiken auszuprobieren, seine potentielle Gefährlichkeit mitzuspielen, ohne mich als Karla dabei verunsichern zu lassen. Im Laufe der ganzen Geschichte kam es mir darauf an, eine Frau zu zeigen, die sich für die Suche nach den wahren Abgründen und der Not eines Verbrechers komplett zur Disposition stellt. Ohne Rücksicht auf unangenehme berufliche Konsequenzen, auf ihre Glaubwürdigkeit und ihre eigene psychische Verfassung.

Carla muss bei ihrem Gegenspieler viel von sich preisgeben, um an wertvolle Informationen zu kommen. Das fällt ihr nicht leicht. Wie geht die Psychologin mit ihren eigenen Problemen um?

Karla ist eine Frau, die Menschen grundsätzlich misstraut, die sich schützt, indem sie nichts von sich preisgibt, und die sich am wohlsten fühlt, wenn sie sich mit komplizierten, schwierigen Persönlichkeiten auseinandersetzt, wenn sie arbeitet. Gesellschaftliche Konventionen interessieren sie wenig, gemocht werden muss sie auch nicht. Dunkle und vorbelastete Innenwelten zu erforschen, ist ihre Komfortzone. Man sagt ihr nach, dass sie Dinge sähe, die sonst niemand sieht, zum einen weil sie sich wertfrei in ihre Patienten hineinfühlen kann, weil sie ein Querdenker ist, aber bestimmt auch, weil sie selbst ein Kindheitstrauma mit sich trägt, das sie Abgründe besser verstehen lässt. Spanger ist eine spannende, aber auch bedrohende Herausforderung für sie, weil er sie nicht nur mit ihrer eigenen dunklen Vergangenheit konfrontiert, sondern sie auch noch dazu treibt, diese mit in den Ring zu werfen, um sich vermeintlich, aber irgendwie auch tatsächlich, mit ihm auf eine Ebene zu begeben. Sie versucht auf diese Weise, eine maximale Nähe zwischen ihnen beiden herzustellen und ihn damit zum Reden zu bringen.

„Im Schatten der Angst“ spielt an einigen engen, bisweilen klaustrophobischen Orten. Beeinflusst das Setting Ihr Spiel – Was macht das mit einem?

Auf jeden Fall. Die Atmosphäre eines Raums, der Raum selbst kann manchmal ein weiterer Spielpartner sein, mit oder gegen den man spielt. Im besten Fall. Es kann auch sein, dass so viel Licht gebaut wird, dass man plötzlich nur noch Lampen und die Kamera sieht.

Interview via ZDF

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Quelle: ZDF, filmbiznews.de