Kurzinfo zum Film

Die Leidenschaft für schnelle Motoren liegt Giulia De Martino im Blut, denn sie stammt aus einer Familie, die seit Generationen Champions bei Autorennen hervorbringt. Bereits als Siebzehnjährige nimmt sie unter der Führung ihres Vaters Mario an der GT-Meisterschaft teil. Als ihr Vater jedoch unerwartet stirbt, ändert sich alles für sie. Die Situation verkompliziert sich, als ihr 40jähriger Bruder Loris unerwartet zu Hause auftaucht…

Woher stammt die Idee für diesen Film?

Veloce come il vento - Giulias Großes Rennen (Filmszene)
©missingFILMs

Ich würde sagen, die stammt aus verschiedenen Quellen. Auf der einen Seite wollte ich schon immer einen Actionfilm drehen, der emotional und zugleich unterhaltsam ist. Auf der anderen Seite hat es mich vom dramaturgischen Standpunkt aus schon lange interessiert, etwas über eine Welt zu erzählen, die ihre eigenen Regeln hat. Und dem entspricht die Welt der Rennwagen perfekt. Um mehr darüber zu erfahren, habe ich mich mit den Drehbuchautoren Francesca Manieri und Filippo Gravino in dieses Universum vertieft. Ich habe viele Leute getroffen und mir Geschichten erzählen lassen. Dabei bin ich auf den Mechaniker Antonio Dentini gestoßen, den alle nur Tonino nannten und der leider vor kurzem verstorben ist. Antonio wusste alles über Rennwagen und kannte alle Geschichten der letzten Jahrzehnte aus dieser Welt. Er hat mir auch von Carlo Capone erzählt, einem überaus talentierten, aber auch ungewöhnlichen Champion. Sein Leben ist schier unglaublich, und wir wollten mit unserer Erzählung ehrenvoll an ihn erinnern. Nach dem Ende seiner Karriere als Fahrer hatte Carlo Capone das Angebot angenommen, für eine Fahrerin als Trainer zu arbeiten, während er tragischerweise immer mehr in einen Tunnel der Drogenabhängigkeit geriet. Wir beschlossen daher, von den wahren Personen auszugehen und darum herum Ereignisse zu erfinden, die von dieser Geschichte inspiriert sind.

Was lag dir beim Erzählen besonders am Herzen?

Ein Grundthema ist die enge Bindung zwischen Geschwistern und, allgemeiner noch, das Schutzbedürfnis. Wie viel bist du bereit, zu riskieren für die, die du liebst? Die beiden Protagonisten sind gezwungen, kleine und große Probleme zusammen zu bewältigen, und es hat mich fasziniert und dazu angeregt, diese „wiederhergestellte“ Familienbeziehung, die es ähnlich in vielen Familien gibt, im „Gewand“ eines Actionfilms zu erzählen, voller Adrenalin und Realismus in Bezug auf die Welt der Rennwagen. Eine Welt, die unglaublich viele Eindrücke bietet, die den Alltag von uns allen inspirieren können. Die Filme zum Thema Autorennen zeigen häufig nur „Abenteuer mit Autos“, aber das Vergnügen und die Energie, die dieses Universum durchziehen, sind ohne diese grundlegenden Empfindungen nicht vorstellbar.

Welche Beziehung gab es zum echten Capone?

Capone befindet sich derzeit in einer psychiatrischen Einrichtung im Piemont. Wir haben ihn mehrfach getroffen, er hat uns seine Abenteuer erzählt, aber das Verhältnis zu ihm ist nicht einfach, und ich habe seine Heldentaten vor allem über die Erzählungen von Tonino Dentini vermittelt bekommen. Capone war ein Fahrer, der gegen den Strom schwamm, er hat an den falschen Stellen nein gesagt, und man hat ihn weggeschickt, obwohl er der Beste war.

Warum hast du Stefano Accorsi für die Hauptrolle ausgewählt und welche Beziehung gibt es zwischen euch?

Veloce come il vento - Giulias Großes Rennen (Filmszene)
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Schon beim Drehbuchschreiben habe ich an ihn gedacht, aber ich wusste auch, dass ein Schauspieler, der diese Figur spielen würde, zu einer großen Verwandlung bereit zu sein hatte. Stefano hat viel Mühe auf sich genommen, um sich in körperlicher Hinsicht an Loris De Martino anzunähern. Obwohl er schon dünn war, hat er noch weitere elf Kilo abgenommen. Tagelang hat er sich den Wecker auf drei Uhr morgens gestellt, um noch ausgemergelter und heruntergekommener auszusehen, außerdem hat er sich die Haare wachsen lassen. In sprachlicher Hinsicht hingegen hat er sich auf seinen Heimatdialekt, seine eigene Muttersprache, zurückbesonnen. Er musste sich mit einer schwierigen, anspruchsvollen und wagemutigen Figur auseinandersetzen, die gleichzeitig auch komisch, zart und ehrlich ist. Zwischen uns ist eine tiefe, von großer Wertschätzung getragene Beziehung entstanden.

Wie bist du auf Matilda De Angelis für die weibliche Hauptrolle gekommen?

Mit Matilda lief es ganz anders, denn sie steht am Beginn ihrer Laufbahn als Schauspielerin. Während eines Castings in Bologna bekamen wir einen Hinweis einer ihrer Freunde und wurden so auf sie aufmerksam. Zusammen mit meinen Castern Francesca Borromeo und Federico Mutti haben wir sie zum Vorsprechen eingeladen. Sie war nicht so begeistert davon, wir mussten Überzeugungsarbeit leisten. Aber nach dem ersten Vorsprechen beruhigte sie sich und setze sich gegen eine große Zahl an Konkurrentinnen durch (mehr als 400 Mitbewerberinnen). Matilda hatte eine Energie und einen Blick, die mich sogleich in ihren Bann gezogen haben, und ich sah in ihr ganz deutlich die Figur der Giulia, die mir vorschwebte.

Wo habt ihr gedreht?

Italien ist sozusagen das Welttheater der Autorennen, es gibt die „Renntempel“ von Monza, Imola, Vallelunge, Mugello, alles Strecken, auf denen die echte GT-Meisterschaft ausgetragen wird und wo wir viel gedreht haben, um so gut wie möglich die natürlichen Schauspiele auszunutzen, die diese Orte darbieten. Im Speziellen spielt der Film in Imola, die Familie De Martino kommt aus der Emilia Romagna.

Welche Möglichkeiten gibt es heutzutage für diese Art von Film?

Ich habe mich mitreißen lassen von einer Geschichte, die ich erzählen wollte, und habe dazu einen Genrefilm gewählt. Ich bin mir also bewusst, dass ich im Rahmen des italienischen Kinos, wo die Begriffe Unterhaltung und Vergnügen in der Regel mit der Komödie verbunden sind, keinen ganz normalen Film gedreht habe. Ich denke aber, dass das Publikum auch Lust auf neue Anregungen und eine neue Form der Unterhaltung hat.

Interview via missingFILMs

Zur Filmseite: Veloce come il vento – Giulias großes Rennen

Quelle: filmbiznews.de, missingFILMs