Die Anfängerin (Filmszene)
Die Anfängerin – ©Flare Film/Kolja Raschke

Kurzinfo zum Film

DIE ANFÄNGERIN erzählt die späte Coming-of-Age-Geschichte der Ärztin Annebärbel, die mit fast 60 Jahren wieder zu den Schlittschuhen greift, um ihren Kindheitstraum vom Eiskunstlaufen wahr zu machen. Alexandra Sells visuell sehr starkes Spielfilmdebüt taucht dabei tief ein in die faszinierende Welt des Eiskunstlaufs, die noch nie so authentisch im deutschen Kino gezeigt wurde.

Erstmals wieder auf dem Eis und im Glanz des Scheinwerferlichts ist in DIE ANFÄNGERIN Eiskunstlauf-Legende und Weltmeisterin Christine Stüber-Errath in einer Schlüsselrolle zu bewundern.

Wie sind Sie auf das Projekt aufmerksam geworden / wie war Ihre erste Begegnung mit der Regisseurin Alexandra Sell?

Alexandra Sell ist auf mich aufmerksam geworden, weil ich 2010 mein Buch „Die Pirouettenkönigin“ herausgegeben hatte. Ich berichte darin über meine ehemalige Trainerin Inge Wischnewski und viele ehemalige erfolgreiche Berliner Eiskunstläufer. Alexandra Sell besuchte dann mehrfach meine Buch-Präsentationen und irgendwann erzählte sie mir von ihrer Idee zu „Die Anfängerin“. Ich war zunächst skeptisch. Alexandra Sell hatte 2010 noch wenig Ahnung vom Eiskunstlaufen. Aber ich spürte die Leidenschaft zum Eiskunstlaufen bei ihr. Und das hat mich sehr berührt. Ich konnte dann beobachten, wie Alexandra Sell sich mit unfassbarer Energie und dem Blick fürs Detail der Sportart Eiskunstlaufen näherte. Sie machte tausende Recherchefotos und verbrachte Stunde um Stunde an der Eisbahn. Und als sie eines Tages zu mir sagte, dass dem Eiskunstlaufen ein Zauber innewohnt, da wusste ich, dass Alexandra Sell auch ihrem Film einen Zauber verleihen wird.

Was fasziniert Sie am Eiskunstlaufen?

Das ist schwer in Worte zu fassen. Ich habe ja schon als Fünfjährige mit dem Eiskunstlaufen angefangen. Als Kind war es wohl diese Vorstellung, eine Eisprinzessin wie aus dem Märchen sein zu wollen. Dann die schönen Kostüme und die Musik … Während meiner 15jährigen Karriere musste ich jedoch erfahren, dass das Eiskunstlaufen eine sehr harte Sportart ist. Hinfallen tut weh. Jeden Tag stand ich von früh um 7 Uhr bis zum Abend auf dem Eis. Zur Schule ging ich aber auch noch. Das war in der DDR sehr gut organisiert. Für die Förderung bin ich dankbar.

Ich erinnere mich besonders gern an die Momente, in denen ich durch meine Darbietung nicht nur einen sportlichen Erfolg erreichen konnte, sondern auch noch den vielen Zuschauern und Fans, Freunden, meiner Familie … Freude bereitet habe. Der enge Kontakt zu den Fans war mir schon immer wichtig und das ist auch etwas Unbeschreibliches, was mir zu Herzen geht, dass ich als Eiskunstläuferin so viel Sympathie und Liebe empfangen durfte. Die Beliebtheit des Eiskunstlaufens zu meiner aktiven Zeit ist ja kaum zu beschreiben. Diese Begeisterung der Menschen ist natürlich auch ein Teil der Faszination Eiskunstlaufen.

Die Anfängerin (Filmszene)
Die Anfängerin – ©Flare Film/Kolja Raschke

Neben meinem Talent, war ich auch sehr ehrgeizig. Dass ich es als einzige Berlinerin geschafft habe, 3mal Europameisterin 1973-1975, Weltmeisterin 1974, Vize-Weltmeisterin 1976 und Olympia-Bronze-Medaillen-Gewinnerin 1976 zu werden, habe ich aber auch meiner Trainerin – Inge Wischnewski zu verdanken. Sie hat es geschafft, mich mit ausgewogener Strenge zu motivieren. Sie war auch als mütterliche Freundin immer für mich da.

Heute fasziniert mich am Eiskunstlaufen, dass sich das Laufen auf dem Eis anfühlt wie Schweben. Alles wird leicht. Das Gleiten ist ein Glücksgefühl und während des Trainings auf dem Eis vergesse ich all meine Sorgen. Wichtig für mich ist jedoch auch der gesundheitliche Aspekt. Beim Eislaufen kommen alle Muskelgruppen in Bewegung und außerdem muss ich bei den Schritten meinen Kopf anstrengen. Das ist sozusagen Gehirntraining nach Musik. In jedem Alter kann Mann / Frau damit beginnen und neben der Freude am Eislaufen ist man in der Gruppe in Kontakt mit Gleichgesinnten. Es entstehen Freundschaften und wer es mag, kann sich auch im Alter noch an Wettkämpfen beteiligen.

Die Harmonie von Musik und Bewegung machen die Schönheit dieser Sportart aus und das Eiskunstlaufen hat mich auch noch etwas ganz Wichtiges gelehrt: Es ist nicht schlimm, hinzufallen. Man muss nur wieder aufstehen können.

Sie hatten einen großen Einfluss auf den Film. Wie kann man sich die Recherche und die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Frau Sell vorstellen? Wie lange haben die Vorbereitungen gedauert und was war Ihnen wichtig?

Das ist sehr emotional und komplex. Wenn „Die Anfängerin“ im Januar 2018 in die Kinos kommt, dann sind fast 8 Jahre vergangen seit unserem ersten Gespräch. Wenn ich diese Zeit überdenke, dann ist es in erster Linie Dankbarkeit, die mich bewegt. Alexandra Sell hat mir die Chance gegeben, im Alter von 60 Jahren, noch einmal mit Schlittschuhen vor der Kamera stehen zu dürfen und in einem Kinofilm mitzuwirken. Ohne ihre große Hochachtung vor meiner Leistung als Eiskunstläuferin und ihrer Überzeugung, dass ich auch im Alter mit meinem Eis-KUNST-laufen die Menschen verzaubern kann, hätte ich die Energie sicher nicht aufgebracht – bis zu den Dreharbeiten – vier Jahre lang jede Woche zum Training zu gehen und den mutigen Schritt zu wagen, als ehemalige Weltmeisterin, nun als Hobbyläuferin, in Erscheinung zu treten. Mit großer Unterstützung meiner heutigen Trainerin, Heidemarie Walther-Steiner und der leidenschaftlichen Hobbygruppe, in der ich heute laufe, spürte ich nach 20 Jahren Eislaufpause, dass nach und nach die Begeisterung fürs Eislaufen zurückkehrte und ich traute mir auch wieder kompliziertere Schrittkombinationen zu.

Genau diese Herausforderung hat mich irgendwie gereizt. Warum nicht im Alter noch etwas wagen, sich etwas Ungewöhnliches zutrauen. Mit meinem Auftritt möchte ich auch anderen Menschen Mut machen: Es ist nie zu spät, seine Träume zu leben. Dieses Motto des Films liegt mir sehr am Herzen.

Mir gefällt die Idee, die Geschichte im Kreise der Hobby-Eiskunstläufer spielen zu lassen, gleichzeitig aber auf alle Disziplinen dieses Sports hinzuweisen. So erleben wir mit Maria Rogozina als Jolina eine talentierte Eiskunstläuferin in einer Hauptrolle und bewundern die Synchronläuferinnen, die auf ihre Weise auf dem Eis brillieren.

Ich habe Alexandra Sell in jeder Hinsicht bei ihren Recherchen unterstützt. Es war mir wichtig, dass in ihrem Film deutlich wird, wie intensiv und hart jeder Eiskunstläufer/in trainieren muss, um eine Leistung zu erzielen. Das Vorurteil, dass es sich um eine Glitzerwelt handelt, in der Mann/Frau sich in hübschen Kostümen, nett lächelnd übers Eis bewegt, wollte ich helfen auszuräumen. Diese Sportart hat eine neue Anerkennung verdient und eine Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Dazu kann der Film von Alexandra Sell beitragen. Deshalb habe ich Alexandra Sell Einblick in mein privates Archiv von Fotos, Filmen, Briefen und Tagebuch-Aufzeichnungen gegeben. Ich wollte Alexandra Sell unterstützen, einen authentischen Blick hinter die Kulissen des Eiskunstlaufens werfen zu können. Denn Authentizität war ein Anspruch, den Alexandra Sell an ihren Film gestellt hat. Und ich kann sagen, dass dieser Anspruch erfüllt wurde.

So bemühte ich mich, Alexandra jede Frage rund ums Eiskunstlaufen zu beantworten, Kontakte herzustellen und mich auf dem Eis und in Gesprächen, bei verschiedensten Aktionen immer wieder und über Jahre für den Film einzusetzen.

Ich bin überzeugt, dass die Kinobesucher von der Geschichte der Hauptfigur bewegt sein werden: Es ist nichts geschönt oder gedoubelt. Noch nie wurde das Eiskunstlaufen in dieser Weise unterhaltend, aber auch provozierend und berührend im Kino oder TV gezeigt. Dass meine Karriere als Eiskunstläuferin mit der fiktiven Geschichte der Hauptfiguren so emotional verwoben ist, finde ich wundervoll gelungen.

Und Alexandra Sell hat es geschafft, immer den richtigen Moment in Szene zu setzen. Sie hat meine anfänglichen Zweifel ausgeräumt. Meine Hochachtung. Alexandra Sell erzählt die Geschichte, die in der Welt des Eiskunstlaufens spielt, mit dem Blick einer Insiderin.

DIE ANFÄNGERIN ist eine Mischung aus fiktiver Handlung und Ihrer eigenen Karriere. Wie war es für Sie, als Schauspielerin vor der Kamera zu stehen?

Die Anfängerin (Filmszene)
Die Anfängerin – ©Flare Film/Kolja Raschke

Wie in der Geschichte von Alexandra Sell Fiktion und Realität miteinander verschmelzen und alle Fakten aus meiner Karriere mit wenigen Ausnahmen wahrheitsgetreu dargestellt wurden, hat mich sehr berührt. Als TV-Moderatorin habe ich 15 Jahre vor der Kamera gearbeitet und bin trotzdem stark beeindruckt, was Schauspielerinnen und Schauspieler leisten müssen. Ich verneige mich und ziehe den Hut. Die langen Wartezeiten zu überbrücken, bis alle Gewerke an der richtigen Position sind, das Licht stimmt usw. empfand ich als Herausforderung.

Es ist ja nicht allein der Text, den man im entscheidenden Moment parat haben muss, sondern die von der Regisseurin gewünschte Art der Darbietung. In den Szenen, in denen ich auch einen Text sprechen sollte, war ich vor dem Dreh sehr nervös. Ich spiele mich im Film zwar selber und trotzdem bin ich Teil der fiktiven Geschichte. Das war sehr spannend und aufregend zugleich.

Als ich den Film dann das erste Mal auf großer Leinwand gesehen habe, sind mir an einigen Stellen dann auch die Tränen gekommen.

Wie haben Sie sich auf den Dreh vorbereitet?

Auf der einen Seite durfte ich alle Phasen der Entstehung des Films miterleben. Ich war ja mit die Erste, die von Alexandra „eingeweiht“ wurde. Ich konnte mich also sehr lange vorbereiten.

Auf der anderen Seite wollte ich mich dann beim Dreh auch nicht blamieren und habe meine Szenen immer und immer wieder vor dem Spiegel geübt. Ich wusste ja, dass es möglich ist und üblich, die Szenen zu wiederholen. Aber ich wollte auch ohne Fehler über die Runden kommen. Da kam dann schon der Ehrgeiz aus dem Sport wieder hoch.

Ich erinnere mich an mein Lampenfieber – das wird irgendwie im Alter heftiger. Ich habe aber viel Verständnis bei den Kolleginnen und Kollegen gespürt. Es ging dann auch alles gut.

Gab es besondere Herausforderungen am Set/bei den Vorbereitungen?

Ich glaube, dass es eine große Herausforderung war, die Kälte beim Dreh auszuhalten.
11 Tage dauerte es, bis die Szenen auf der Eisbahn im Berliner Sportforum „im Kasten“ waren. Die Crew konnte sich ja nicht viel bewegen. Es wird zwar auch in der Eishalle geheizt, aber wer die Kälte nicht gewöhnt ist … Ich habe das schon sehr bewundert, besonders natürlich die Schauspielerinnen und Schauspieler. Ulrike Krumbiegel ist für mich ein Ausnahmetalent auf dem Eis … aber an die kalten Füße musste sie sich auch erst gewöhnen. Ich bin noch heute froh, dass niemand krank geworden ist.

Was ja kaum jemand weiß, ist, dass ich in meinen Schlittschuhen nur Feinstrumpfhosen tragen kann. Ich kenne mich mit kalten Füßen aus. Zu meiner Zeit wurden die Schlittschuhe maßgefertigt, da war kein Platz für Socken. Und ich laufe ja heute noch, also auch im Film mit den Schuhen von 1976.

Außerdem fanden die Dreharbeiten genau in der Eishalle im Sportforum Berlin statt, wo ich 15 Jahre jeden Tag ab früh um 7 Uhr trainiert habe. Bis zu meinem 19. Lebensjahr.

Die Dreharbeiten gestalteten sich für mich auf diese Weise besonders emotional, zumal ich im Dezember 2016 auch noch 60 wurde. Verrückt.

Haben Sie eine Lieblingsszene?

Es ist tatsächlich die Szene, fast am Ende des Films, in der Annebärbel ihre Kür auf dem Eis beginnt und ausgerechnet vor ihrer strengen Mutter stürzt. Es ist so bewegend, wie Annebärbel dann… ja, das will ich lieber nicht verraten. Wegen dieser Szene allein lohnt es sich schon, den Film anzuschauen. Einfach umwerfend. Ich denke dann immer daran, wie Ulrike Krumbiegel diese Szene ungefähr 30 Mal wiederholen musste.

Sie waren lange Zeit sehr erfolgreich als Eiskunstläuferin: 1974 haben Sie als einzige Berlinerin die Weltmeisterschaft im Eiskunstlauf gewonnen. Was war das für eine Zeit? Vermissen Sie diese Phase?

Wenn ich in diesen Wochen sehr oft über meine Karriere als Eiskunstläuferin spreche, weil ich ja zu meinem 60. auch ein Buch über meine „beeindruckende Lebenskür“ herausgegeben habe – „Meine erste 6,0“ – dann fällt mir auf, dass ich gar nicht so lange aktiv war. Alle meine Erfolge habe ich in den Jahren 1973 – 1976 erzielt. Das klingt beeindruckend: „In den Siebzigern des vorigen Jahrtausends!“

Auf alle Fälle bin ich natürlich stolz darauf, dass ich das geschafft habe. Und wie man in meinem Buch nachlesen kann, war das für mich als Berlinerin auch nicht immer leicht – im Gegenteil.

Ich bin jedoch ein Mensch, der im Jetzt und Heute lebt. Die Menschen mit ihren Einstellungen, die politischen Strukturen, die Ereignisse kann niemand im Nachhinein ändern. Deshalb habe ich damit auch meinen Frieden geschlossen.

Als Eiskunstläuferin wurde ich in der DDR sehr unterstützt, so wie alle Sportlerinnen und Sportler. Das empfand ich als großes Privileg. Ich konnte mich ganz und gar auf meinen Sport konzentrieren. Dafür war ich dankbar. Ich lebte aber auch in einer eigenen Welt. Vieles, was in der DDR das „normale“ Leben ausmachte, habe ich nur am Rande erfahren.

Als Eiskunstläuferin bin ich bei Wettkämpfen in der ganzen Welt angetreten. Heute weiß ich, dass wir immer gut beobachtet wurden. Doch als ich mit 19 Jahren aus eigenem Entschluss mit dem Sport aufhörte, hat mich das System eiskalt fallen lassen. Damals, mit 19 Jahren, brach eine Welt für mich zusammen. Meinen Lebensunterhalt konnte ich mit Eiskunstlaufen in der DDR nicht verdienen. Und es gab keine Chance, bei einer Eisrevue aufzutreten. Katarina Witt erhielt als erste DDR- Eiskunstläuferin die Erlaubnis, bei „Holiday on Ice“ einen Vertrag zu unterschreiben.

Gleichzeitig musste ich plötzlich hinter der großen Mauer bleiben. Reisen in die Welt gab es für mich schlagartig nicht mehr. Und selbst der Kontakt mit Freunden aus dem „Westen“ gestaltete sich als schwierig. Diese extremen Veränderungen in meinem Leben halfen mir aber auch, wie im Sport, weiterzukämpfen, nicht aufzugeben. Durch diese Erfahrungen, die ich im Sport sammeln durfte, konnte ich dann auch andere Krisen in meinem Leben irgendwie meistern.

Wer noch mehr über Sie und Ihr spannendes Leben erfahren möchte – Ihr Buch „Meine erste 6,0“ ist wo erhältlich?

Das Buch habe ich zu meinem 60. Geburtstag im Selbstverlag herausgegeben. Seit Erscheinen „meiner Lebenskür“ erfahre ich ungeahnte Sympathien und Begeisterung über die berührenden und unterhaltsamen Geschichten aus meinem Leben. Dieses Buch hätte auch das Zeug zu einem Roman über Liebe, Lust und Leidenschaft. In wenigen Monaten konnte ich tausende Leser erreichen und die Reaktionen überschlagen sich oft. In der DDR gab es ja keine Presse, die über die Dinge hinter den Kulissen berichtet hätte. Wenn meine Fans die Zusammenhänge heute, in meinem Interview-Buch und in „Meiner kleinen Show zum Buch“ nachvollziehen können, dann gibt es oft sogar Tränen der Rührung.

„Meine erste 6,0“ kann in jeder Buchhandlung bestellt werden (ISBN 9783000550218), über Amazon, oder direkt bei mir: www.christine-errath.de.

Sie sind nicht nur erfolgreiche Leistungssportlerin, sondern waren zudem auch eine Ikone in der DDR. Wie haben sich die Branche und das Standing Ihrer Meinung nach verändert? Gibt es etwas, das Sie den jungen Eiskunstläuferinnen von heute gerne mit auf den Weg geben würden?

Die Anfängerin (Filmszene)
Die Anfängerin – ©Flare Film/Kolja Raschke

Das Eiskunstlaufen von Heute ist unglaublich technisch geworden. Die schwierigen Elemente, vor allem im Paarlaufen, lassen mich manchmal fürchten, dass etwas passieren könnte. Das kritisiere ich. Gleichzeitig gibt es wiederum so wundervolle künstlerische Programme, die verzaubern auf Anhieb. Zum Beispiel die aktuelle Kür des deutschen Meisterpaares Aljona Savchenko und Bruno Massot lässt glauben, dass es sich um Ballett auf dem Eis handelt. Ein Traum.

Ich gehörte zu meiner Zeit zu den ersten Eiskunstläuferinnen der Welt, die auch schon dreifache Sprünge zeigten. Heute wird bei den Damen fast jeder Sprung dreifach präsentiert. Bei den Herren hat nur derjenige eine Siegeschance, wenn er mehrere Vierfache springt. Diese Entwicklung heiße ich nicht gut. Ich wünsche mir qualitativ bessere Sprünge, weniger Sprungkombinationen und eine verstärkte Hinwendung zur Kunst im Eis-Kunst-laufen.

Den Talenten von heute würde ich gerne Mut machen, auf ein Ziel hinzuarbeiten. Es ist einfacher, einen Titel zu gewinnen, oder einen schwierigen Sprung zu erlernen, wenn Mann/Frau sich das vorher auch ganz fest vorgenommen hat. In Alexandra Sells Film „Die Anfängerin“ wird eine kleine historische Szene von mir gezeigt, in der ich als Neunjährige in die Kamera sage, dass ich auch gerne Europameisterin werden möchte. Ich war 16, als ich diesen Titel das erste Mal erringen konnte. Sicher auch, weil ich diesen Traum jeden Tag vor Augen hatte.

Sie spielen an der Seite der Schauspielerinnen Annekathrin Bürger und Ulrike Krumbiegel. Wie waren die Dreharbeiten mit den beiden?

Diese Frage beantworte ich besonders gern. Es bleibt für immer ein ganz großes Erlebnis, dass ich in einem Kinofilm an der Seite von Annekathrin Bürger und Ulrike Krumbiegel mitwirken durfte.

Annekathrin Bürger gehört für mich zu den ganz großen Diven im deutschen Film. Als DDR- Kind erlebte ich sie in zahlreichen großartigen DEFA Produktionen. Ihre Rollen verkörpert sie dermaßen überzeugend, dass die Figuren mir noch immer in Erinnerung sind, wie die Henriette in „Hostess“ aus dem Jahr 1976.

Die persönliche Begegnung mit Annekathrin Bürger und ihre kollegiale Haltung mir gegenüber als ehemalige Sportlerin hat mich sehr berührt. Ich habe große Hochachtung vor Annekathrin Bürger und darf sagen, dass mich ihre Darstellung der unnachgiebigen, strengen Mutter in „Die Anfängerin“ stark beeindruckt. Ihr Spiel ist umwerfend. Und dass ich das live erleben durfte, ist ein großes Geschenk. In einer Szene agiere ich auch direkt an der Seite von Annekathrin Bürger und das werde ich immer im Herzen tragen.

Ulrike Krumbiegel möchte ich für ihre mutige und hinreißende Leistung auf dem Eis eine glatte 6,0 verleihen. Ich hatte mir so sehr gewünscht, dass sich für die Hauptfigur in „Die Anfängerin“ eine Schauspielerin aufs Eis wagt, die diese Rolle authentisch spielen kann, weil sie das Eislaufen liebt und sich die Darbietung ohne Double zutraut. Ulrike Krumbiegel überzeugt in doppelter Hinsicht. Sie spielt eine verbitterte Frau, die auf dem Eis auftaut. Nicht nur, dass sie alle Szenen selber läuft, ohne Double, ist großartig – sie studierte ihre Kür tatsächlich in der kurzen Zeit der Dreharbeiten ein. Ich habe Ulrike Krumbiegel beobachtet. Sie übte mit ihrer Choreographin, Yvonne Schulz, auch dann noch in der Eishalle, als fast alle Kolleginnen und Kollegen schon Feierabend hatten. Diese Leidenschaft fürs Eislaufen geht mir als Zuschauer des Films unglaublich nah. Und ich bin ganz sicher, dass werden auch die Kinozuschauer so empfinden.

Worauf darf sich das Publikum freuen?

„Die Anfängerin“ von Alexandra Sell wird die Herzen der Menschen erreichen. Er macht Mut, Träume zu leben und Schwierigkeiten zu überwinden. Die Zuschauer können Lachen und Weinen zugleich und sich auf eine faszinierende Geschichte freuen, die fiktiv ist und doch glaubhaft und realistisch. Er zeigt ein spannendes Zusammenspiel von großartigen Schauspielern, Schauspielerinnen und Berliner Eiskunstläufern. Besonders gelungen sind für mich die Bilder auf dem Eis, die Momentaufnahmen von Alexandra Sell, die einen authentischen Blick hinter die Kulissen des Eiskunstlaufens ermöglichen.

In jeder Hinsicht überwältigend empfinde ich das Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren, dargestellt von Annekathrin Bürger, in ihrer ersten großen Hauptrolle nach der Wende, und Ulrike Krumbiegel. Der Zuschauer erlebt die Emanzipation der Tochter von ihrer unnachgiebigen Mutter und das Publikum darf sich auf Gänsehaut-Feeling einstellen, wenn Ulrike Krumbiegel als Annebärbel Schritt für Schritt das Eis erobert und damit ein neues Leben. Und ich wünsche mir natürlich, dass sich meine Fans freuen, mich nach über 40 Jahren noch einmal auf dem Eis zu sehen.

Ich persönlich hoffe, dass die Zuschauer spüren können, wieviel Liebe, Glaube, Hoffnung in dieser Filmgeschichte steckt. Wieviel Mut, Zuversicht und Lebensfreude. Der Film von Alexandra Sell zeigt auf berührende Weise, dass wir alle nur ein Ziel haben sollten – GLÜCKLICH zu werden.

Interview via Farbfilm Verleih

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