A Woman captured - Eine gefangene Frau (Filmszene)
©Partisan Filmverleih
Titel: A Woman Captured – Eine gefangene Frau
Originaltitel: A Woman Captured
Land: Ungarn
Genre: Dokumentarfilm
Deutschlandstart: 11.10.2018
Regie: Bernadett Tuza-Ritter
Farbe: Farbe
Format: DCP
Ton: 5.1
Laufzeit: 89 Minuten
Budget:
Mit:
FSK: ab 12 Jahren
sonstiges: Original (Ungarisch) mit Deutschen Untertiteln.
Inhalt
A Woman captured - Eine gefangene Frau (Filmplakat)Marisch, eine 52-jährigen Ungarin, dient ein Jahrzehnt lang einer Familie – bei 20-Stunden-Arbeitstagen und ohne Arbeitslohn. Ihre Unterdrücker konfiszieren ihre Ausweispapiere und sie darf das Haus nur mit ausdrücklicher Erlaubnis verlassen. Sie behandeln sie wie ein Tier, geben ihr nur Essensreste und kein Bett zum Schlafen.

Marisch fristet ihr Dasein in ständiger Angst, träumt jedoch davon, ihr Leben zurückzuerlangen.

Die Präsenz der Kamera hilft ihr zu begreifen, dass sie nicht völlig auf sich allein gestellt ist. Sie beginnt Vertrauen zu fassen; nach zwei Jahren Dreh sammelt sie ihren ganzen Mut zusammen und enthüllt ihren Plan: „Ich werde fliehen.“

Der Film folgt Marischs heroischem Weg zurück in die Freiheit.

Kommentar von Bernadett Tuza-Ritter
EIN SOZIALER MISSSTAND

Moderne Sklaverei findet statt „wenn eine Person unter der Kontrolle einer anderen Person steht, die Gewalt und Zwang anwendet, um diese Kontrolle zu behalten und der Zweck dieser Kontrolle Ausbeutung ist“ – Kevin Bales, Mitbegründer und ehemaliger Vorsitzender von Free the Slaves (Befreit die Sklaven).

Der Global Slavery Index (Weltweite Erfassung von Sklaverei) aus dem Jahre 2016 schätzt, dass derzeit weltweit 45,8 Millionen Menschen von einer der Ausformungen moderner Sklaverei betroffen sind, 1,2 Millionen davon in Europa. Dies beinhaltet Zwangsarbeit und häusliche Knechtschaft ebenso wie Prostitution.

DER FILM

A WOMAN CAPTURED EINE GEFANGENE FRAU folgt über den Zeitraum einiger Jahre dem Leben einer Frau, die von einer Familie zehn Jahre lang als Haussklavin gehalten wurde – in der Form eines beobachtenden, abendfüllenden Dokumentarfilms. Er wurde fast ausschließlich in dem Haus gedreht, in dem sie eingesperrt war.

EIN EINZIGARTIGER ZUGANG

Ich lernte eine Frau kennen, die Eta hieß und stolz darauf war, dass sie Bedienstete hatte. Das Gesicht einer ihrer Bediensteten ging mir nicht aus dem Kopf – Marisch: eine Frau, erst um die 50 Jahre alt, die aussah, als sei sie 70. Ein paar Jahre später sollte ich einen dokumentarischen Kurzfilm mit dem Thema „Ein Tag im Leben einer Person“ für die Uni machen und rief Eta an und fragte, ob ich zu ihr kommen und mit Marisch drehen könne. Sie war einverstanden. Damals war mir nicht klar, dass ich ein Haus betrat, in dem moderne Sklaverei stattfand, da ich das Phänomen nicht wirklich begriff.

IM INNEREN DES HAUSES

Zu Anfang waren alle nett zu mir. Mit der Zeit jedoch begann das Bild zu bröckeln: Gesten der Aggression und Lügen traten auf, Marisch musste Eta bei allem um Erlaubnis fragen… langsam realisierte ich, dass ich es mit Kleinkriminellen zu tun hatte. Marisch bat mich, nicht die Polizei einzuschalten, da sie das nur noch mehr in Schwierigkeiten bringen würde: die ungarische Polizei bietet keinerlei Hilfe oder Schutz (weder physischer oder gesetzlicher Natur) für Betroffene wie sie. Mir blieb nichts anderes übrig, als sie weiter aufzusuchen – deshalb bat ich um mehr Drehzeit, wofür Eta am Ende sogar noch Geld verlangte.

Ich erzähle die Geschichte von innen heraus. Obwohl es sehr unangenehme und beängstigende Dreharbeiten waren, fühle ich mich zutiefst geehrt, dass ich Marisch kennenlernen durfte und eine in Not geratene Person es mir gestattet hat, ihren Kampf um Würde festzuhalten. Ich glaube, dies wird den Zuschauern helfen, das Konzept häuslicher Sklaverei zu verstehen und mein Film soll ihnen für die Existenz dieses gravierenden sozialen Missstands die Augen öffnen.

DIE AUSSAGE / BOTSCHAFT

Ich bin davon überzeugt, dass dieser Film westliche Zuschauer mit einer sehr unbequemem Angelegenheit konfrontieren wird: der Tatsache, dass Sklaverei in ihrer unmittelbaren Umgebung stattfindet. Sie ist nicht nur ein Dritte-Welt-Problem. Sie passiert überall. Der Ort an dem ich drehte, lag nicht im Verborgenen oder am Rande der Zivilisation – nein, er lag mitten in Europa.

Ich möchte diese Geschichte erzählen, auf das Problem aufmerksam machen und eine breitere Diskussion darüber in Gang setzen. Ich komme aus einem Land in der EU, in dem die meisten Menschen noch nie von diesem Problem gehört haben und es fast keine staatlichen oder nichtstaatlichen Organisationen gibt, die sich auch nur im Entferntesten damit befassen.

KÜNSTLERISCHER ANSATZ

Mein Anliegen war es, dem Publikum die Gefühle der Protagonistin und die erdrückenden Umstände, unter denen sie lebte, näher zu bringen. Die Kamera konzentriert sich auf die Stimmung und ihren emotionalen Zustand – damit wir verstehen, wie Jahre der menschenunwürdigen Behandlung die Opfer in ein psychologisches Gefängnis sperren.

Die Sklavenhalter-Familie bleibt den ganzen Film über anonym, einzelne Körperteile, ihre Schatten, Stimmen und Gegenstände, die sie umgeben, sind die einzigen Indizien dafür, wer sie sind und wo sie leben. Mein Anliegen war es, diese Geschichte universell darzustellen – dieses Problem existiert überall auf der Welt.

DAS FAZIT

Marischs Geschichte zeichnet das verstörende Bild einer Gesellschaft, die sich ihrer Werte unsicher ist, in der Menschenwürde leicht zu einer Ware verkommt. Sie gibt uns aber auch Hoffnung, weil sie zeigt, dass, wenn Menschen einander Aufmerksamkeit schenken, dies Leben retten kann. Vor allem aber ist A WOMEN CAPTURED EINE GEFANGENE FRAU die Geschichte einer Ermächtigung, es ist die Geschichte einer Frau, die ein großes Risiko eingeht, flieht und die schrecklichen Dinge, die ihr widerfahren sind, hinter sich lässt.

Text via Partisan Filmverleih

Stab/Crew
Produzent/in: Julianna Ugrin
Produzent/in: Viki Réka Kiss
Koproduzent/in: Erik Winker
Koproduzent/in: Martin Roelly
Ausführende/r Produzent/in: Bernadett Tuza-Ritter
Regie: Bernadett Tuza-Ritter
Drehbuch: Bernadett Tuza-Ritter
Kamera/DoP: Bernadett Tuza-Ritter
Schnitt: Bernadett Tuza-Ritter
Schnitt: Nóra Richter (zusätzlich)
Musik: Csaba Kalotás
Dramaturgie: Bálint Nadas
Produktionsmanagement: Viki Réka Kiss
Tondesign: Tamás Bohács (Mischung)
Tondesign: Márton Kristóf (Mischung)
beteiligte Firmen
Produktion: Éclipse Film (Budapest/Ungarn)
Koproduktion: Corso Film (Köln/Deutschland)
Verleih Deutschland: Partisan Filmverleih