Asi mit Niwoh - Die Jürgen Zeltinger Geschichte (Filmszene)
©mindjazz pictures
Titel: Asi mit Niwoh – Die Jürgen Zeltinger Geschichte
Originaltitel:
Land: Deutschland
Genre: Dokumentarfilm
Deutschlandstart: 07.02.2019
Regie: Oliver Schwabe
Farbe: Farbe
Format:
Ton:
Laufzeit: 90 Minuten
Budget:
Mit: Jürgen Zeltinger, Dennis Kleimann, Arno Steffen, Heiner Lauterbach
FSK: ab 12 Jahren
sonstiges:
Cast

 

Protagonisten Rolle
Jürgen Zeltinger
Dennis Kleimann
Arno Steffen
Heiner Lauterbach
Wolfgang Niedecken
Christian Kahrmann
Anton Claassen
Susanne Zeltinger-Lehmköster
Tanja Meyer
Tom Schönberg
Robbie Vonddenhoff
Wolfgang Günnewig
Inhalt
Asi mit Niwoh - Die Jürgen Zeltinger Geschichte (Filmplakat)„Asi mit Niwoh – Die Jürgen Zeltinger Geschichte“ portraitiert den Kölner Rockmusiker Jürgen Zeltinger, der aus dem Underground kam und Anfang der 80er ein Star der deutschen Rockszene wurde.

Der Film begleitet das Kölner Original, dass sich über die Jahre treu geblieben ist, kölsche Mentalität und Humor auf sich vereint und auch mit knapp 70 Jahren immer noch rock Jürgen Zeltinger gehört zu den ersten Kölsch-Rockern, die in der Domstadt unterwegs sind.

Schon in den 60ern textet er auf Kölsch „doch dafür war die Zeit noch nicht reif“! Und es sollte auch noch etwas dauern, bis Jürgen Zeltinger – noch vor BAP – erst Köln dann für kurze Zeit die ganze Republik im Kölner Dialekt erobert. 1979 folgt dann endlich – nach einem Konzert im Kölner „Roxy“, das Conny Plank damals zufällig aufnimmt und als LP veröffentlicht – der Durchbruch.

Was folgt ist ein wahrer Zeltinger-Boom: Zeltinger und seine Band sind bundesweit in aller Munde. Sie treten im Vorprogramm der „Boomtown Rats“ und „Motörhead“ auf, Jürgen Zeltinger steht auf einer Bühne mit Tina Turner und in Alfred Bioleks Talkshow „Kölner Treff“ singt Zeltinger im Duett mit Paul Breitner.

Doch Zeltinger polarisiert: Viele rümpfen die Nasen über den schmerbäuchigen Sozialfall, der zu lautem Punkrock auf Kölsch über Dinge singt, die ihn Hochdeutsch zu obszön wären.

Asi mit Niwoh - Die Jürgen Zeltinger Geschichte (Filmszene)
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Andere schätzen die Authentizität und Selbstironie des Jürgen Zeltinger, wenn er den „Tuntensong“ zum Besten gibt und live dazu stripped und seine getigerte Unterwäsche zur Schau stellt. „De Plaat“ ist zwar schwul – aber eine Tunte?

Zeltinger genießt seine Popularität und den Erfolg, den er gerne mit viel Alkohol feiert. Es folgen ausgedehnte Touren durch die Republik und die Band spielt um die 200 Gigs pro Jahr – teilweise hat Jürgen in der Zeit keine eigene Wohnung. Später residiert er im obersten Stock des Kölner Unicenters – damals Europas höchstes Gebäude. Die wilde Zeit im Hochhaus ist rückblickend für Zeltinger die schönste seines Lebens!

Heute lässt es „de Plaat“ etwas langsamer angehen. Er macht es sich lieber zu Hause gemütlich und kümmert sich um die Fische in seinem Teich oder probt mit seinem Gitarristen Dennis Kleimann für die akustischen Wohnzimmerkonzerte. Da kann er endlich auch seine Vorliebe für ruhigere Musik ausleben.

Jürgen blickt in der ihm eigenen humorvollen Art auf ein Leben zurück und macht deutlich, dass sein Herz trotz Drogenexzessen, kurzer Berühmtheit und unerfüllten Lieben immer noch am rechten Fleck sitzt.

Kommentar von Oliver Schwabe
Asi mit Niwoh - Die Jürgen Zeltinger Geschichte (Filmszene)
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Tatsächlich war ein Konzert der Zeltinger Band im Aachener Audimax das erste Konzert, das ich je besuchte. Damals war ich 14, der Punk hatte mich fest im Griff und die Tatsache, dass die Zeltinger Band die Ramones coverte, war Grund genug, sich das Konzert anzusehen. Denn Jürgen Zeltinger eilte ein angsteinfössender Ruf voraus: Ein Asi, der nicht lange fackelt und der auch schon mal seine Fäuste einsetzt.

Das Konzert war ein Erlebnis für einen 14 jährigen: Da tobte ein dicker, schwitzender Mann in orangenem Overall über die Bühne und das Publikum sprang über Stühle und Bänke des Auditoriums, um zusammen mit Zeltinger „Müngersdorfer Stadion“ anzustimmen.

„Hi Ha Ho, jetzt sind wir wieder froh“ – die Zeile wurde ein running gag zwischen mir und meinen Freunden.

Viele Konzerte anderer Bands sollten in den Jahren darauf folgen und Zeltinger verlor ich ein bisschen aus den Augen.

Erst 2015, als ich mich wunderte, dass es Filmportraits über Tommy Engel und Wolfgang Niedecken gab, aber nicht über Jürgen Zeltinger, erinnerte ich mich an „De Plaat“.

Ich beschloss dem nachzugehen und besuchte ein Konzert der Zeltinger Band im Kölner Underground. Vielleicht war er ja zurecht aus meinem Gedächtnis verschwunden – zu oft verkommen Alt-Rocker zu ihrer eigenen Coverband.

Was ich aber dann im Underground sah, war lebendig und wild wie damals. Auch wenn Jürgen mittlerweile seine Konzerte im Sitzen absolviert, hatte das Konzert eine Wucht.

Asi mit Niwoh - Die Jürgen Zeltinger Geschichte (Filmszene)
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Auch wegen des jungen Gitarristen Dennis Kleimann, der nicht nur ein begnadeter Rockgitarrist ist, sondern den Showpart übernimmt.

Ich hatte Feuer gefangen und die Filmidee war geboren.

Mich interessieren Popphänomene – wie kann es sein, dass ein dicker „Asi“ plötzlich die Charts anführt. Und das auch noch in Mundart. Darüber hinaus bekennt sich dieser Mann dazu schwul zu sein, lange bevor Rosa von Praunheim Kollegen aus der Showbranche zwangsoutet. Zeltinger verkörpert eine Karriere, die heute so nicht mehr möglich wäre.

Das versprach eine spannende Geschichte – zumal ich parallel mit Tokio Hotel drehte – gegensätzlicher konnten beide Projekte nicht sein und ich freute mich auf die Welt des Jürgen Zeltinger, in die ich neugierig eintauchte: Wie ist Zeltinger mit seinem Ruhm (und seinem Geld) umgegangen, wie ist es ihm nach seinem Durchbruch 1979 ergangen und wie lebt er heute?

Nach einem ersten Treffen war uns beiden klar, dass wir uns vertrauten und so konnte ich Zeltinger fast zwei Jahre begleiten und drehen.

Das Ergebnis ist nicht nur das Portrait eines Rockers – sondern als ehemaliges Nordlicht habe ich mit diesem Film Köln und die Kölner nochmal anders wahrgenommen und schätzen gelernt: Es wird im Film geschimpft, geschrieen und geflucht – alles auf Kölsch und immer mit einem Zwinkern. Und manchmal wird es auch melancholisch.

„Asi mit Niwoh“ ist nicht nur eine Jürgen Zeltinger Hommage, sondern auch eine Liebeserklärung an Köln geworden und somit mein erster Heimatfilm!

Text via mindjazz pictures

Stab/Crew
Ausführende/r Produzent/in: Christian Becker
Filmgeschäftsführung: Kerstin Becker
Regie: Oliver Schwabe
Drehbuch: Oliver Schwabe
Kamera/DoP: Nikolas Jürgens
Schnitt: Christian Becker
Tondesign: Tobias Fleig
Ton: Jule Buerjes
Farbkorrektur: Matthias Lilie
Grafik: Thomas Schmidl
Grafik: Edi Winari
beteiligte Firmen
Produktion: Field Recordings
Verleih Deutschland: mindjazz pictures
gefördert/unterstützt durch: Film und Medienstiftung NRW