Auf der Suche nach Ingmar Bergman (Filmszene) - Liv Ullmann und Margarethe von Trotta
Liv Ullmann und Margarethe von Trotta – ©Börres Weiffenbach
Titel: Auf der Suche nach Ingmar Bergman
Internationaler Titel: Searching for Ingmar Bergman
Arbeitstitel: Ingmar Bergman – Vermächtnis eines Jahrhundertgenies
Land: Deutschland
Genre: Dokumentarfilm, Filmbiografie
Kinostart Deutschland: 12.07.2018
Regie: Margarethe von Trotta
Co-Regie: Felix Moeller
Co-Regie: Bettina Böhler
Farbe: Farbe
Format:
Ton:
Laufzeit: 98 Minuten
Budget:
Mit: Liv Ullmann, Daniel Bergman, Ruben Östlund, Carlos Saura
FSK: ab 12 Jahren
sonstiges:
Cast
Protagonisten Rolle
Liv Ullmann selbst
Halfdan Ullmann Tøndel selbst
Daniel Bergman selbst
Ruben Östlund selbst
Carlos Saura selbst
Mia Hansen-Løve selbst
Olivier Assayas selbst
Ingmar Bergman Jr. selbst
Stig Björkman selbst
Jean-Claude Carrière selbst
Gaby Dohm selbst
Julia Dufvenius selbst
Katinka Faragó selbst
Gunnel Lindblom selbst
Rita Russek selbst
Inhalt
Auf der Suche nach Ingmar Bergman (Filmplakat)Ingmar Bergmans DAS SIEBENTE SIEGEL war der Film, der Margarethe von Trotta für das Kino begeisterte und den Wunsch in ihr weckte, selbst Regisseurin zu werden. Jahre später schließt sich der Kreis, als Bergman ausgerechnet von Trottas DIE BLEIERNE ZEIT als einen der Filme benennt, die ihn am meisten geprägt haben.

Anlässlich des 100. Geburtstags des schwedischen Regisseurs folgt von Trotta seinen Spuren und offenbart durch ihren sehr persönlichen Blick auf sein Leben völlig überraschende Seiten der genialen Filmikone.

Kurzinfo Ingmar Bergman
Ernst Ingmar Bergman wurde am 14. Juli 1918 im schwedischen Uppsala in eine protestantische Pastorenfamilie hinein geboren. Die Erziehung war streng religiös und beeinflusste maßgeblich sein späteres Schaffen. Bergmans Leidenschaft für den Film begann bereits mit neun Jahren, als er bei seinem Bruder 100 Zinnsoldaten gegen einen Filmprojektor eintauschte.

Mit 19 Jahren studierte er Literaturgeschichte, beendete das Studium aber nicht und arbeitete im Anschluss als Regisseur für das Theater. Seit 1943 bearbeitete er Drehbücher anderer Autoren für Svensk Filmindustri. Sein erstes Drehbuch DIE HÖRIGE verfilmte 1944 Alf Sjöberg, während Bergman als Regieassistent agierte. Das Theater wurde seine zweite große Leidenschaft. Zwischen 1944 und 1946 leitete Bergman das Stadttheater Helsingborg, darauf die Theater in Göteborg und Malmö. 1960 wechselte er zum Königlich Dramatischen Theater in Stockholm, das er von 1963 bis 1966 leitete.

1946 entstand sein erster Film KRISE. Sein Stil war hauptsächlich von den deutschen Expressionisten und dem italienischen Neorealismus beeinflusst. Der endgültige internationale Durchbruch gelang ihm 1955 mit DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT, welcher im Jahr darauf bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Prix International ausgezeichnet wurde.

1976 wurde Bergman der Steuerhinterziehung angeklagt. Obwohl die Anklage schon bald darauf wieder fallen gelassen wurde, fühlte er sich so gedemütigt, dass er schwor, nie wieder einen Film in Schweden zu drehen. Bergman verließ sein Heimatland und zog ins selbst auferlegte Exil nach München. In Deutschland blieb er trotzdem weiter aktiv, inszenierte bis 1985 am Münchner Residenz-theater und entwickelte unter anderem die Filme HERBSTSONATE (1978) und AUS DEM LEBEN DER MARIONETTEN (1980). 1982 ging er zunächst für begrenzte Zeit in sein Heimatland zurück, um FANNY UND ALEXANDER zu drehen – seinen erfolgreichsten und gleichzeitig letzten Kinofilm, der mit insgesamt vier Oscars® ausgezeichnet wurde.

Nach neun Jahren in Deutschland kehrte er 1985 schließlich ganz in seine Heimat zurück. In seiner Karriere drehte Ingmar Bergman mehr als 40 Filme und wurde mit 58 nationalen und internationalen Filmpreisen ausgezeichnet. Die höchste Ehrung wurde Bergman 1998 zuteil, als er in Cannes bei den 50. Internationalen Filmfestspielen zum größten Filmregisseur aller Zeiten gewählt wurde. Die Palme der Palmen nahm stellvertretend für ihn seine Tochter entgegen. Nach seinem letzten Film wandte sich Bergman wieder dem Theater zu. Bis 1995 inszenierte er am Dramaten, dem Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm. Anschließend zog er sich in sein Haus auf der Ostseeinsel Fårö zurück, wo er am 30. Juli 2007 im Alter von 89 Jahren starb. Im gleichen Jahr nahm die UNESCO das Ingmar-Bergman-Archiv des schwedischen Filminstituts in das Weltdokumentenerbe auf.

Text via Weltkino Filmverleih

Kommentar von Margarethe von Trotta
Auf der Suche nach Ingmar Bergman (Filmszene) - Margarethe von Trotta
Margarethe von Trotta – ©Börres Weiffenbach

Ingmar Bergman inspirierte mich dazu Regisseurin zu werden. Bei der Umsetzung dieses Films habe ich versucht einen Weg zu finden, der zu ihm führt, aber dabei gleichzeitig reflektiert, wer ich als kreative Künstlerin bin.

Ich sah DAS SIEBENTE SIEGEL zum ersten Mal in Paris als ich 18 Jahre alt war. Obwohl ich mich von Bergman wegbewegte, als ich meine eigenen Filme drehte und im politischen Umfeld Deutschlands arbeitete, habe ich Bergman seither mein ganzes Leben in meinem Herzen getragen. In der letzten Szene dieses Films lehne ich an einem enormen Felsen und schaue hinaus ins Meer. Ich fühlte mich sehr klein dort, fast als würde ich direkt vor dem Meister selbst stehen. Dieser Fels ist wie er, er beschützt mich und ich verbleibe in seinem erbarmungsvollen Schatten.

Ich habe mich auf Bergmans Leben in München konzentriert, da ich selbst zu dieser Zeit Teil der kreativen Gemeinschaft dort war. DAS SCHLANGENEI und AUS DEM LEBEN DER MARIONETTEN waren zwei sehr harte Filme; sie spiegelten die dunkle Zeit wider, die er durchlebte. Bergman hatte Schweden überstürzt verlassen, weil er sich durch die Streitigkeiten mit den Steuerbehörden furchtbar gedemütigt fühlte. In diesen beiden Filmen ist die Dunkelheit und Brutalität, die er fühlte, ein zentrales Thema. Man kann sehen, wie sehr es ihn verletzte, das Land zu verlassen, das er so liebte und das sein Leben geprägt hatte. Seine Depression ist offensichtlich. Zur gleichen Zeit arbeitete er im Residenztheater in München mit großen Schauspielern, die es liebten, mit ihm auf der Bühne und vor der Kamera zu arbeiten. Zunächst war die Presse begeistert darüber, den Meister dort empfangen zu dürfen. Aber das waren sehr politische Zeiten und seine Inszenierung wurde als altmodisch empfunden. Bergman fühlte sich gedemütigt und zog sich nach Fårö zurück, um dort den Rest seiner Tage zu verbringen. Alles in allem war sein Leben mit viel mehr Problemen belastet, als man das von einem Genie erwarten würde.

Auf der Suche nach Ingmar Bergman (Filmszene) - Margarethe von Trotta fotografiert Bildnis von Gunnel Lindblom
Margarethe von Trotta fotografiert Bildnis von Gunnel Lindblom – ©Börres Weiffenbach

Bergman präsidierte die Jury für den besten Film der European Film Academy im Jahr 1990, für die er alle Mitglieder selbst ausgewählt hatte. Unter ihnen waren Jeanne Moreau, Theo Angelopoulos, Deborah Kerr und ich. Erst später erfuhr ich, dass er mich ausgewählt hatte, weil er ein Bewunderer meines Films DIE BLEIERNE ZEIT (1981) war. Auf dem Festival erzählte er mir, dass er meinen Film zu einer Zeit sah, als er deprimiert war und keine Filme mehr machen wollte – dass mein Film ihm die Kraft gegeben hätte weiterzumachen und FANNY UND ALEXANDER zu drehen. Zuerst dachte ich, er machte mir dieses Kompliment nur, um mich zu beruhigen, weil er wusste, wie eingeschüchtert ich von ihm war. Sein Freund Jörn Donner erinnerte mich, dass dieses Kompliment von einem Frauenheld kam. Ich hatte es fast verdrängt, bis das Gothenburg Festival Bergman zwei Jahre später eine Liste mit seinen zehn Lieblingsfilmen zusammenstellen ließ. Meiner war dabei.

Mein Ex-Mann, Volker Schlöndorff, und ich waren sehr gut mit Bergmans Kameramann Sven Nykvist befreundet. Sven hat diverse Filme mit Volker gedreht, zum Beispiel auch STROHFEUER (1972), in dem ich mitgespielt habe. Wir redeten immer wieder über den Meister, wenn wir zusammen waren. Eines Tages ein paar Jahre später sagte er uns, dass Bergman Volkers DER FANGSCHUSS (1976) gesehen hätte und ihm meine Darstellung sehr gefallen habe. Wenn ich darüber nachdenke, dass Bergman mich zuerst als Schauspielerin wahrnahm, stelle ich mir immer wieder vor, dass ich in meiner Zeit als Schauspielerin auch in seiner Theatergruppe hätte spielen können.

AUF DER SUCHE NACH INGMAR BERGMAN war ein aktiver, aber innerer Prozess. Der Film mag wie eine äußerliche Suche erscheinen; von Schweden geht es nach Deutschland, Spanien und Frankreich. Aber die Protagonisten, und besonders seine Söhne, seine Schauspielerinnen wie Liv Ullmann, Gunnel Lindblom, Julia Dufvenius, frühere Arbeitskollegen und Regisseure und Filmemacher der nächsten Generation wie Ruben Östlund, Olivier Assayas und Mia Hansen-Løve äußern sich auf eine so bewegende und intime Weise, dass ich in diesen Begegnungen fand, wonach ich suchte: eine Welt der persönlichen Erfahrungen, die in den Filmen nachhallt.

Text via Weltkino Filmverleih

Stab/Crew
Produzent/in: Benjamin Seikel
Koproduzent/in: Stéphane Sorlat
Koproduzent/in: Guy Amon
Ausführende/r Produzent/in: Edward Noeltner
Ausführende/r Produzent/in: Konstanze Speidel
Regie: Margarethe von Trotta
Co-Regie: Felix Moeller
Co-Regie: Bettina Böhler
Drehbuch: Margarethe von Trotta
Drehbuch: Felix Moeller
Kamera/DoP: Börres Weiffenbach
Kamera/DoP: Florian Lampersberger
Schnitt: Bettina Böhler
Ton: Helge Haack
beteiligte Firmen
Produktion: C-FILMS (Deutschland)
Koproduktion: Mondex et Cie (Frankreich)
Verleih Deutschland: Weltkino Filmverleih
gefördert durch: Filmförderungsanstalt
gefördert durch: Deutscher Filmförderfonds
gefördert durch: Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein
gefördert durch: FilmFernsehFonds Bayern
gefördert durch: Eurimages
gefördert durch: Deutsch-Französische Förderkommission