Die Anfängerin (Filmszene)
©Flare Film/Kolja Raschke
Titel: Die Anfängerin
Originaltitel: Die Anfängerin
Land: Deutschland
Genre: Drama, Sport (Coming-of-Age)
Kinostart Deutschland: 18.01.2018
Regie: Alexandra Sell
Farbe: Farbe
Format: 1:1,78, 1:2.35, DCP
Ton: Dolby Digital 5.1
Laufzeit: 98 Minuten
Budget:
Mit: Ulrike Krumbiegel, Annekathrin Bürger, Christine Stüber-Errath, Rainer Bock, Maria Rogozina
FSK: ohne Altersbeschränkung
sonstiges:
Cast
Darsteller/in Rolle
Ulrike Krumbiegel Dr. Annebärbel Buschhaus
Annekathrin Bürger Dr. Irene Hanschke
Christine Stüber-Errath (Eiskunstlauf-Weltmeisterin) Christine Errath
Rainer Bock Rolf
Maria Rogozina Jolina Kuhn
Stephan Grossmann Horst Kuhn
Franziska Weisz Birgit Zernitz
Reinhard E. Ketterer Leiterer
Judith von Radetzky Margit Axmann
Tatja Seibt Gertrud
Volker Ranisch Holger
Edmondo Rolle-Rossi Edmondo
Roswitha Dost Susanne
Ernst-Georg Schwill Herr Decker
Gerda Böken Frau Westerwinter
Jesse Albert Arzt
Andreas Frakowiak Fahrkartenkontrolleur
Hans Hohlbein Pförtner
Paula Schramm Annebärbel Buschhaus (jung)
Inhalt
Die Anfängerin (Filmplakat)Mit 58 Jahren ist Dr. med Annebärbel Buschhaus (Ulrike Krumbiegel) in ihrem Leben erstarrt wie ein Eisblock. Als Ärztin zeigt sie wenig Mitgefühl, als Ehefrau wenig Liebe. In Annebärbels freudloser Welt zählt nur eins: Die Meinung ihrer perfektionistischen Mutter Irene (Annekathrin Bürger), die mit Kritik an Annebärbels Fähigkeiten als Ärztin, Tochter und Ehefrau nicht hinter dem Berg hält. Nichts was Annebärbel tut, ist gut genug für Irene. Erst recht nicht, seit Annebärbel Irenes Arztpraxis übernommen hat.

Als Annebärbel auch noch kurz vor Weihnachten von ihrem Mann Rolf (Rainer Bock) verlassen wird, bricht ihr sorgsam errichtetes Kartenhaus zusammen. Annebärbel flüchtet sich während der Weihnachtsfeiertage in die Arbeit. Beim nächtlichen Bereitschaftsdienst an der Eishalle des Olympiastützpunktes Berlin offenbart sich der Ärztin eine Welt voller Eleganz, Leichtigkeit und Freiheit, die sie bereits als Kind begeisterte und von der sie nun aufs Neue magisch angezogen wird.

Auf den Spuren ihres Kindheitstraums zieht Annebärbel nach 50 Jahren erneut die Schlittschuhe an. Sie will ihr altes Leben hinter sich lassen und nochmal ganz von vorne anfangen – sehr zum Missfallen ihrer Mutter, die ihr Lebenswerk – die Arztpraxis – in Gefahr sieht und kurzerhand selbst wieder den Arztkittel überwirft. Annebärbel hingegen blüht inmitten einer Gruppe skurriler Hobbyeisläufer förmlich auf und findet in der Berliner Jugendmeisterin Jolina (Maria Rogozina) schließlich eine Vertraute, die ihr Sicherheit auf dem Eis gibt – und nicht nur dort.

Als Annebärbel dann jedoch auf die gleichaltrige Eiskunstlauf-Weltmeisterin von 1974, Christine Stüber-Errath, trifft, die von Irene geradezu vergöttert wird, brechen alte Wunden auf. Annebärbel wird klar, dass sie sich emanzipieren muss, um wirklich frei zu sein …

Kommentar von Alexandra Sell
DIE ANFÄNGERIN erzählt die Geschichte einer späten Befreiung.

Alexandra Sell
Alexandra Sell – ©Silke Ababneh

Tenor: Es ist nie zu spät die Richtung zu wechseln, nie zu spät für einen Neu-Anfang – im Gegenteil: Gerade im Alter tut ein solcher Not, wenn lang verdrängte „Altlasten“ aus der Vergangenheit hervor kriechen und die Gegenwart vergiften.

Unsere Hauptfigur Annebärbel hat sich vor langer Zeit auf die Rolle der harschen „Frau Doktor“ festgelegt. Doch mit dem Alter ist ihr Panzer aus Disziplin und Verdrängung wahrer Emotionen so starr geworden, dass er ihr schier den Atem nimmt. Als Ehemann Rolf sie für eine andere Frau verlässt, bekommt dieser Panzer einen ersten Riss – den Annebärbel getreu ihres Verdrängungsmantras ignoriert. Sie flüchtet sich in Aktionismus, baut am Weihnachtsabend ein Potemkinsches Dorf auf. Doch ihre Mutter Irene kriegt alles raus, beweint sich selbst und den verlorenen (Schwieger)Sohn – inklusive Schuldzuweisung und emotionaler Erpressung in Richtung Annebärbel.

Die Erniedrigung durch die Mutter ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Mit dem Wegbruch der Potemkinschen Fassade stürzt auch Annebärbel in sich selbst zusammen. Aus Erstarrung wird Verzweiflung, die sie nicht länger verleugnen kann. Die Rettung, in die Annebärbel hineinstakst, zutiefst fasziniert und neugierig wie ein Kind, ist das Eis. Das Eis taut sie auf. Auf dem Eis erfährt sie, was es heißt, anderen die Wärme zu geben, die sie selbst ein Leben lang vermisste.

Doch das Eis steht auch für tiefe, nie geheilte Wunden – zugefügt durch eben jene Mutter, die Annebärbel auch heute noch den Boden unter den Füßen wegzieht. Kränkungen, Entfremdung, Sprachlosigkeit. Wie beim Staffellauf von einer Generation weitergegeben an die nächste. Wie einen solchen Teufelskreis durchbrechen? Um diesen Kern wird sich die Geschichte drehen. Es soll um Aufträge gehen, die Erwachsene Kindern erteilen. Um Kinder, die sich damit abmühen, diese Aufträge zu erfüllen – auch wenn diese Kinder, so wie Annebärbel, inzwischen schon fast 60 Jahre alt sind.

Am Ende steht die Befreiung aus der vermeintlichen Allmacht der Erwachsenen. Für Annebärbel – und für ihre kleine Freundin Jolina. Und wenn es beiden „Mädchen” schließlich gelingt, ihren eigenen Weg zu gehen, selbstbestimmt und ein Stück weit erwachsen, dann erzählt DIE ANFÄNGERIN die Geschichte eines doppelten Coming-of-age.

Als ich meine Recherche in den Eishallen Berlins begann, machte ich eine unerwartete Entdeckung: Nur ein paar Straßenbahnhaltestellen von meiner Wohnung entfernt liegt das SPORTFORUM BERLIN-HOHENSCHÖNHAUSEN. Zu DDR-Zeiten als Sportkaderschmiede gegründet, trainieren hier heute 3000 Leistungssportler und Sportlerinnen – auf einer Fläche von über 100 Fußballfeldern! Meine Neugier war geweckt. Ich recherchierte die Rolle des Eiskunstlaufs im Berlin der DDR und fand heraus, dass sie eine viel spektakulärere war als die im Westen. Ich lernte Christine Errath kennen, die 1974 für die DDR als einzige Berlinerin aller Zeiten Weltmeisterin im Eiskunstlauf wurde. Christine zeigte mir unzählige Kartons mit Fanpost von damals. Durch deren Lektüre begann ich zu begreifen, was der Eiskunstlauf damals für die Menschen in der DDR bedeutete. Es entstand eine Idee, die Christine zu meiner Freude mit Begeisterung aufnahm: Die fiktive Geschichte der Anfängerin mit der realen Person Christine Errath zu verknüpfen. Eine Geschichte aus Berlin-Hohenschönhausen zu erzählen, deren Off-Story zu DDR-Zeiten beginnt, aber einmal nicht von Stasiverbrechen oder sonstigen Repressalien des Systems erzählt, sondern von der ganz privaten Sehnsucht nach den Sternen.

Der Film soll die Welt der Eishalle als ein Brennglas von Gegensätzen zeigen: Alter – Jugend, erfüllte Träume – vergebliche Träume, Schönheit – Härte. Wenn Annebärbel erste Gleitversuche auf dem Eis macht, dann ist das tragikomisch. Wenn Jolina auf dem Eis vor Erschöpfung in Ohnmacht fällt, ist es nur tragisch. Wenn Jolina dann wieder über das Eis schwebt, ist es einfach wunderschön.

Ich möchte den Film in einer Sprache erzählen, die nicht nur für ein paar Privilegierte im Arthouse-Elfenbeinturm funktioniert, sondern auch für Menschen wie die Hobbyläufer – wie Annebärbel selbst. Roland Klick hat einmal gesagt, man sollte seine Filme so machen, dass auch ihre Helden sie sich gern anschauen würden.

Text via farbfilm verleih

Stab/Crew
Produzent/in: Martin Heisler
Koproduzent/in: Katrin Schlösser
Koproduzent/in: Joachim Ortmanns
Koproduzent/in: Frank Evers
Koproduzent/in: Helge Neubronner
Redaktion: Christian Cloos, ZDF – Das kleine Fernsehspiel
Redaktion: Doris Hepp, ARTE
Regie: Alexandra Sell
1. Regieassistent/in: Marco Postrak
2. Regieassistent/in: Luisa Binger
Drehbuch: Alexandra Sell
Kamera/DoP: Kolja Raschke
Schnitt: Alexandra Sell
Schnitt: Halina Daugird
Schnitt: Vessela Martschewski
Musik: Can Erdogan
Musik: Daniel Sus
Produktionsdesign: Beatrice Schultz
Produktionsleitung: Marie Ebenhan
Herstellungsleitung: Ruth Ersfeld, Flare Film
Casting: Stephanie Maile
Tondesign: Linus Nickl
Ton: Michael Kazcmarek (Mischung)
Ton: Bernd Hackmann
Ton: Jana Irmert (Dialogschnitt)
Kostümdesign: Lotte Sawatzki
Kostümdesign: Sandra Ernst
Maskenbild: Elke Hahn
Maskenbild: Marion Giggenbacher
Requisite: Anna-Maria Thönelt (Indoor)
Requisite: Ayhan Vanelli (Indoor)
Visuelle Effekte: Bernhard Näther
1. Kameraassistent/in: Mareike Böttcher
1. Kameraassistent/in: Oliver Leutnecker
1. Kameraassistent/in: Johannes Neumann
1. Kameraassistent/in: Andreas Steffan
2. Kameraassistent/in: Joel Girmazion
Setfotos: Hardy Spitz
beteiligte Firmen
Produktion: Flare Film
Koproduktion: Cine+
Koproduktion: Lichtblick Film
Koproduktion: ZDF – Das kleine Fernsehspiel
In Zusammenarbeit mit: ARTE
Verleih Deutschland: farbfilm verleih
gefördert durch: Film- und Medienstiftung NRW
gefördert durch: Deutscher Filmförderfonds (DFFF)
gefördert durch: Beauftragte/r der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)

Quelle: filmbiznews.de, farbfilm verleih