Die Farbe des Horizonts (Filmszene)
©Tobis Film
Titel: Die Farbe des Horizonts
Originaltitel: Adrift
Land: USA
Genre: Drama
Deutschlandstart: 12.07.2018
Regie: Baltasar Kormákur
Farbe: Farbe
Format: 1:2.35, DCP
Ton: 5.1
Laufzeit: 97 Minuten
Budget: 35.000.000 US-Dollar
Mit: Shailene Woodley, Sam Claflin, Grace Palmer, Jeffrey Thomas
FSK: ab 12 Jahren
sonstiges: Der Film basiert lose auf dem autobiografischen Erfahrungsbericht Red Sky In Mourning: A True Story Of Love, Loss And Survival At Sea von Tami Oldham Ashcroft, den diese gemeinsam mit der Profiautorin Susea McGearhart schrieb und 2002 im Selbstverlag veröffentlichte.
Cast
Darsteller/in Rolle
Shailene Woodley Tami Oldham
Sam Claflin Richard Sharp
Grace Palmer Deb
Jeffrey Thomas Peter
Elizabeth Hawthorne Christine
Tami Ashcraft selbst
Kael Damlamian Smiley
Zac Beresford Shopper
Luna Campbell
Siale Tunoka
Inhalt
Die Farbe des Horizonts (Filmplakat)Nach langer Ohnmacht erwacht die junge Kalifornierin Tami (Shailene Woodley) blutverschmiert an Bord der Luxusjacht „Hazaña“. Das Boot ist mitten in den Jahrhundert- Hurrikan „Raymond“ geraten und schwer beschädigt. Nur mit großer Mühe befreit sich Tami aus der verrammelten Kabine und schaut auf die endlose Weite des Pazifiks. Wie durch ein Wunder hat sie die Katastrophe überlebt. Von ihrem Begleiter Richard, der Liebe ihres Lebens, aber fehlt jede Spur.

Fünf Monate zuvor, im Frühling 1983, trifft Tami am Flughafen von Tahiti ein – eine junge, abenteuerlustige Frau, die die Welt erobern möchte. Am Hafen findet sie schnell einen Job und mit Deb (Grace Palmer) eine gleichaltrige Freundin, die sie zum Surfen mitnimmt. Eines Tages lernt Tami den attraktiven Engländer Richard (Sam Claflin) kennen, einen erfahrenen Segler, der sein Boot selbst gebaut hat und ein verlockend freies Leben führt. Tami ist gleich fasziniert – und sagt gerne zu, als Richard sie zum Essen einlädt. Beim ersten Date knistert es gewaltig, und so folgt bald darauf ein gemeinsamer Segeltörn und nicht viel später der erste Kuss während eines romantischen Sonnenuntergangs am Strand.

Tami ist überglücklich. Richard ist genau der Richtige für sie. Sie will zwar nichts überstürzen, doch als Richard sie eines Abends beim Tanzen fragt, ob sie gemeinsam mit ihm die Welt umrunden will, sagt Tami ohne zu zögern ja. Und beginnt auch gleich, über das erste Ziel nachzudenken. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Trip nach Japan? Richard ist begeistert: Da wollte er immer schon mal hin. Doch bevor die frisch Verliebten Pläne schmieden können, kommt ihnen eine Zufallsbegegnung dazwischen. Zwei alte Bekannte von Richard, die wohlhabenden Briten Peter (Jeffrey Thomas) und Christine (Elizabeth Hawthorne), müssen kurzfristig zurück nach London und bitten Richard, ihre Jacht nach San Diego zu überführen. Das Honorar: 10.000 Dollar und ein Rückflugticket erster Klasse. Richard treibt den Preis etwas höher: 10.000 Dollar und zwei Rückflugtickets. Schließlich möchte er Tami mitnehmen. Peter und Christine sind einverstanden. Dem hochdotierten Luxustörn scheint nichts im Wege zu stehen.

Die Farbe des Horizonts (Filmszene)
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Tami allerdings zögert noch. San Diego ist immerhin ihre alte Heimat. Dort lebt ihre Familie, und genau dahin will sie so schnell auf keinen Fall zurück. Aber dann beeindruckt Richard sie ein weiteres Mal. Er sei um die halbe Welt gesegelt, um sie zu finden, erklärt er Tami, und werde sie um keinen Preis allein lassen. Wenn sie nicht mitwolle, werde er den Job eben nicht machen. Tami überlegt noch einen Moment, dann schlägt sie ein.

So stechen Tami und Richard an einem herrlichen Oktobertag mit der „Hazaña“ in See. Eine traumhafte Reise quer über den Pazifik scheint vor ihnen zu liegen. Doch schon nach wenigen Tagen ziehen schwarze Wolken am Horizont auf. Vollkommen unvermittelt geraten Tami und Richard in einen gewaltigen Hurrikan. Die Hazaña wird zum Spielball der Elemente und ist am Ende einer dramatischen Nacht kaum noch manövrierfähig. 2.000 Seemeilen vom nächsten Festland entfernt, beginnt für Tami ein Wettlauf gegen die Zeit. Kann sie sich und ihre große Liebe retten?

Über die Produktion
Die Geschichte

Die Farbe des Horizonts (Filmszene)
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DIE FARBE DES HORIZONTS mit Shailene Woodley und Sam Claflin in den Hauptrollen basiert auf der wahren Geschichte eines Paares, das von Tahiti nach San Diego segelt. Tami Oldham (Woodley) und Richard Sharp (Claflin) können nicht ahnen, dass sie dabei direkt auf einen der heftigsten Hurrikane seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zusteuern. Nachdem sich der Sturm verzogen hat, erwacht Tami aus einer Ohnmacht und stellt fest, dass Richard schwer verletzt und das Boot total zerstört ist. Hilfe ist nicht in Sicht, und so muss Tami die Kraft und Entschlossenheit aufbringen, sich und die Liebe ihres jungen Lebens zu retten. Der Film erzählt eine unvergessliche Geschichte über menschliche Widerstandsfähigkeit und die geradezu metaphysische Macht der Liebe.

Der Film geht zurück auf Tami Oldham Ashcrafts schier unglaubliches Erlebnis, das von Durchhaltewillen, Überwindungskraft, Tragik und – am Ende – von der anhaltenden, heilenden Kraft der Liebe geprägt wurde. Oldham hielt die erschütternden Ereignisse ihrer 41-tägigen Odyssee in ihrem Buch „Red Sky in Mourning: A True Story of Love, Loss and Survival at Sea“ (deutsch: „In der Mitte des Sturms“) fest. Der Titel ist eine Variation des alten Sprichworts „Red sky at night, sailor’s delight / Red sky at morning, sailors take warning“ (etwa: „Die Abendröte erfreut den Segler / Die Morgenröte ist ihm eine Warnung“). Aber auch diese Seglerweisheit konnte Tami und ihren Verlobten Richard im Jahr 1983 nicht auf den Hurrikan vorbereiten, der seinen Kurs änderte und ihre 13 Meter lange Segeljacht mit voller Wucht traf.

Ashcraft begann erst zehn Jahre nach dem Vorfall zusammen mit Co-Autorin Susea McGearhart mit der Arbeit an ihrem Buch und brauchte vier Jahre bis zur Fertigstellung. Zu den vielen Fans des Buchs gehörten auch die Zwillinge Aaron und Jordan Kandell. Das Autorenduo stieß während der Recherchen zu einer anderen Seefahrergeschichte auf den Stoff.

Die Farbe des Horizonts (Filmszene)
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„Wir sind auf Hawaii geboren und aufgewachsen“, erklärt Aaron Kandell. „Wir haben immer am Wasser gelebt. In unserer Jugend haben wir gesurft, gepaddelt und getaucht oder sind Kajak gefahren. Der Ozean hat uns geprägt. Ich habe das Segeln auf dem polynesischen Voyaging Canoe „Hokule’a“ gelernt. Dabei habe ich erfahren, was es bedeutet, da draußen auf dem Meer zu sein. Unter solch extremen Bedingungen zeigt sich früher oder später, was für ein Mensch du bist.“ „Wir stießen auf Tamis Geschichte, als wir gerade für ein anderes Survival-Drehbuch recherchierten“, ergänzt Jordan. „Wir gingen bei unserer Recherche ganz journalistisch vor, und so fiel uns Tamis Buch bald in die Hände. Wir lasen es in einem Zug durch. Die Geschichte ist so kraftvoll und emotional, dass uns gleich klar war, dass wir sie adaptieren wollten. Sie war so viel besser als alles, was wir selbst erfinden konnten. Am nächsten Tag nahmen wir Kontakt mit Tami auf, um mit ihr über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen.“

Die Kandells besuchten Ashcraft in ihrem Zuhause auf den San Juan Islands. Sie schilderte ihnen ihre Erinnerungen, zeigte ihnen ihre Tagebücher und Fotos und vermittelte ihnen ein noch besseres Verständnis ihres Seeabenteuers. „Tami ist eine faszinierende Frau und eine begnadete Geschichtenerzählerin. Es war uns wichtig, nicht nur ihren Segen zu bekommen, sondern sie auch als Mitarbeiterin zu gewinnen, um die Geschichte so authentisch wie möglich erzählen zu können.“ Die Zwillinge begannen mit der Arbeit am Skript, erhielten aber gleichzeitig den Auftrag, die Story zu VAIANA – DAS PARADIES HAT EINEN HAKEN (2016), also einem thematisch verwandten Film, zu entwickeln. Beide Filme erzählen von einer jungen Frau, die dem Ruf des Abenteuers folgt, gemeinsam mit einem erfahreneren Segler aufbricht und unterwegs in einen Sturm gerät.

Die Farbe des Horizonts (Filmszene)
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Kaum hatten die Kandell-Brüder die Arbeit an VAIANA beendet, stürzten sie sich wieder auf DIE FARBE DES HORIZONTS. Die erste Fassung schickten sie an Shailene Woodley, mit der sie befreundet sind. Sie hatten von Anfang an gehofft, dass Woodley die junge Tami spielen würde. „Wir kennen Shailene seit ihrer Rolle in THE DESCENDANTS (2011), der auf Hawaii gedreht wurde“, erzählt Jordan. „Wir waren damals häufig am Set und haben uns mit Shailene angefreundet. Zudem war Aaron glücklicherweise gerade in Pittsburgh, als sie dort DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER drehte.“ „Zufällig stießen wir genau zu dieser Zeit auf Tamis Geschichte“, ergänzt Aaron. „Shai wurde erwachsen und zu einer großartigen Schauspielerin, während wir die Story entwickelten. Wir hatten sie dabei immer vor unserem inneren Auge. Als wir Tami das erste Mal trafen, erinnerte sie uns total an Shai.“ „Ja, diese Stärke, ihr freier Geist, ihre Bereitschaft, ein Leben zu führen, das ihren eigenen Vorstellungen und ihrem eigenen Weg folgte“, ergänzt Jordan. „Sie war also die erste, der wir das Skript schickten, und wir hofften, dass es ihr gefallen würde. Glücklicherweise war es so.“

Filmen auf hoher See

Die Farbe des Horizonts - Regisseur Baltasar Kormákur
Regisseur Baltasar Kormákur – ©Tobis Film

Regissuer Baltasar Kormákur, ein passionierter Naturbursche, nahm den Dreh mit seinem üblichen Herzogschen Gusto [in Anlehnung an Werner Herzog] in Angriff. Um die bedrohlichen Umstände, in die das Paar hineingerät, zu unterstreichen, wollte er so viel wie möglich in realen Situationen filmen, sprich: auf einem Segelboot auf hoher See. Dabei verlangte er von seinen Stars allerdings nichts, was er nicht auch selbst gemacht hätte – was Sam Claflin (Richard Sharp) sehr zu schätzen wusste.

„Baltasar ist ein Wikinger. Buchstäblich. Genau die Art Mann, die man an der Spitze eines Filmteams haben möchte, besonders bei einem Film wie diesem“, erklärt Claflin. „Er liebt Mutter Natur; er war genau in seinem Element. Deshalb war EVEREST auch ein so wunderbarer Film. Die Schauspieler lebten praktisch die Erfahrung. Er wollte, dass Shailene und ich tatsächlich selber segeln und nicht nur so tun. Er ist wie eine Naturgewalt. Er wollte nicht nur, dass wir alles durchmachen, sondern wollte es auch selbst durchmachen. Er ist robust, aber auch geduldig, und ließ alles ganz leicht aussehen. Das spornte mich umso mehr an. Er wusste genau, was er wollte, ließ aber auch noch Raum für unseren Input. Er zögerte auch nicht, uns bis an unsere Grenzen zu treiben – den Cast genauso wie die Crew -, denn er wusste, dass wir das drauf hatten.
Seinetwegen gab jeder sein Allerbestes.“

Im Laufe des Films versucht Woodleys Figur Tami, obwohl sie schwer verletzt ist, das beschädigte Segelboot an Land zu manövrieren. Woodley absolvierte im Vorfeld ein gezieltes Training, um ihre nautischen Fähigkeiten zu verbessern. „Ich schwimme gern und bin gern im Wasser“, sagt die Schauspielerin. „In dieser Hinsicht hatte ich viel Erfahrung, aber nicht in Bezug aufs Segeln. Ich habe zur Vorbereitung auf Hawaii etwa einen Monat lang auf allen möglichen Booten das Segeln gelernt. Vor Produktionsbeginn bin ich auf den Fidschi-Inseln dann noch einmal einen Monat lang gesegelt.“

Aber das war nur ein Teil von Woodleys Vorbereitung. Auch mit Ashcrafts Geschichte setzte sie sich intensiv auseinander. „Ihr Buch war mein ultimatives Handbuch“, erklärt Woodley. „Ich habe es ein paarmal gelesen. Ich wollte sie komplett verstehen, und dabei hat das Buch sehr geholfen. Auch während des Drehs diente es uns als Vorlage – vor jeder Szene schaute ich nicht nur ins Drehbuch, sondern las auch noch mal die Passagen im Buch. Wir wollten, dass alles so wahrheitsgemäß wie möglich war.“

Natur contra Film

Die Farbe des Horizonts - Regisseur Baltasar Kormákur
Regisseur Baltasar Kormákur – ©Tobis Film

Der überwiegende Teil der 49 Drehtage von DIE FARBE DES HORIZONTS fand vor Ort auf den Fidschi-Inseln statt. Lediglich einige wenige Szenen wurden in einem Studio in Neuseeland aufgenommen.

„Es hat großen Wert, diese wahren Mann-gegen-Natur-Geschichten selbst zu erfahren“, erklärt Kormákur. „Oder in diesem Fall natürlich Frau gegen Natur. Das Publikum spürt diese Authentizität, und es hilft Cast und Crew, die Story wirklich nachzuempfinden. Wenn du jeden Tag 12 bis 14 Stunden da draußen auf einem Boot bist, gegen das die Wellen peitschen, kannst du nichts vortäuschen. Man spürt, wie es für Tami und Richard gewesen sein muss. Besonders die Schauspieler sind ganz nah dran am Wesentlichen. Ich versuche also alles, was die Elemente zulassen.“

Auch Kameramann Robert Richardson ließ sich nicht von der Härte des Ozeans beeindrucken. „Ich war begeistert, als er mir signalisierte, dass er den Film machen würde“, erinnert sich Kormákur. „Und er hat sich – und mir – dann auch wirklich alles abverlangt. Er tat, was er konnte, damit ich so oft wie möglich ins Wasser musste, was mir durchaus Spaß machte. In der Hinsicht bin ich ein totaler Egoist – ich will mein Leben in vollen Zügen genießen und es mir nicht bloß am Bildschirm angucken. Und das sieht er genauso. Ich hab vermutlich noch nie mit jemandem gedreht, der mir so ähnlich war. Es war eine Herausforderung und ein großes Vergnügen.“

Was die Filmtechnik betrifft, mussten Kormákur und Richardson sehr flexibel sein. „Ja, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie viel Equipment wir verloren haben“, scherzt Kormákur. „Aber im Ernst. Eine der besten Einstellungen des Films haben wir von Boot zu Boot aufgenommen. Es gelang uns, einen Kran an Bord zu hieven, aber eines Tages brach er einfach zusammen. Natürlich hatten wir da draußen keine Möglichkeit, ihn zu ersetzen, also sagte Bob: ‚Drehen wir es einfach, die Wellen sind großartig.‘ Er nahm die Kamera auf die Schulter, setzte sich auf den Bug und filmte. Er ist ein leidenschaftlicher Filmemacher und gab einfach alles. Er ließ sich aus dem Boot hängen und fand immer einen Weg, die Einstellung noch besser zu machen.“

Die Farbe des Horizonts (Filmszene)
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Kormákur und Woodley gingen mit ähnlichem Einsatz zu Werke, was besonders in der Felsenschlucht-Szene zum Ausdruck kommt, wo Woodley zusammen mit der Kamera in die Tiefe springt – und ganz allgemein in dem Einfluss, den die Natur auf die Bildgestaltung hatte. „Du kannst so viele Ideen haben und Storyboards zeichnen, wie du willst. Am Ende musst du dich der Natur fügen … und normalerweise geschieht dann etwas Interessantes“, erklärt Kormákur. Da war dieser Tag, an dem wir eine wichtige Liebesszene drehen wollten, in deren Verlauf Shailene in den Fluss springt. Wir hatten alles perfekt vorbereitet, aber leider änderte sich der Wasserstand fortwährend, und als wir loslegen wollten, war der Fluss zu flach. Also suchten wir uns einen anderen Platz. Das Stunt-Team war der Meinung, dass es dort sicher war, es war nur etwas schwieriger, dorthin zu kommen.“

Etwas schwieriger? Da ist laut Woodley eine heftige Untertreibung. „Um zum Drehort zu gelangen, mussten wir erst 25 Minuten laufen und dann mit Wildwasserbooten fahren – die ganze Crew, mit Helmen. Es sah aus wie ein Familienausflug, mit dem Unterschied, dass die Crew taschenweise Equipment dabei hatte. Bei der Einweisung hieß es: ‚Wenn du gegen diesen Felsen knallst und dich überschlägst, lässt du dich den Fluss runtertreiben, bis wir kommen und dich retten.‘ Als wir dann endlich da waren, musste erstmal der Kran aufgebaut werden. Also warteten wir auf einer Sandbank und betrachteten die Stromschnellen und diese wunderschöne Schlucht. Schließlich ging es noch ein Stück weiter den Fluss entlang, bis wir an einen Vorsprung kamen, wo wir den Sprung machten. Zwischendurch musste ich mich einmal umziehen, und ich erinnere mich noch gut, wie unsere heldenhaften Kostümbildner Handtücher als Sichtschutz hochhielten. An dem Tag ging es wirklich zurück zu den Wurzeln … Für den Rückweg hat unser einzigartiges Stunt-Team dann Seile entlang des Flusses gespannt, an denen wir uns festhalten mussten. Es fühlte sich an wie ein Hindernisparcours. Ein wunderschönes Abenteuer!“

Die Fidschi-Inseln und der Sturm

Die Farbe des Horizonts - Robert Richardson (Kamera)
Robert Richardson (Kamera) – ©Tobis Film

Die Einwohner der Fidschi-Inseln sind selbstverständlich erfahrene Segler, und das erwies sich als ein Segen für die Produktion. Wegen der außergewöhnlichen nautischen Anforderungen engagierten die Produzenten einen „Marine-Koordinator“ namens Neil Andrea, der ähnliche Aufgaben unter anderem bereits bei DUNKIRK (2017) und KONG: SKULL ISLAND (2017) erfüllt hatte. Von Tag zu Tag organisierte Andrea die logistischen Aspekte des Drehs auf offenem Meer, für den ihm eine zusammengewürfelte, aber durchaus effektive Flotte zur Verfügung stand.

„Wir nennen es analoges Filmemachen, wenn mit echten Booten gearbeitet wird“, erklärt Andrea. „Ein typischer Tag begann damit, die komplette Crew mobil zu machen. Von den Handwerkern bis zur Kamera-Unit musste jeder auf ein bestimmtes Boot gebracht werden, wo sie sich auf den Drehbeginn vorbereiteten. Für DIE FARBE DES HORIZONTS engagierten wir für diese Transporte einen lokalen Dienstleister. Es war eine Mischung aus Schlauchbooten, langen Booten, Panga-Skiffs und Aluminium-Booten. Es war ein großer Vorteil, mit den Einheimischen zu arbeiten, denn sie verfügen über große Erfahrung und kennen sich bestens aus. Wir drehten in keiner vielbefahrenen Gegend, es gab Riffe und andere Hindernisse, die ihnen vertraut waren, und das war für uns sehr hilfreich.“

Andrea musste bei der Abstimmung verschiedene Faktoren im Auge behalten. Einerseits musste die Crew immer nah genug dran sein, um bei Bedarf sofort loslegen zu können, andererseits mussten die Boote weit genug weg sein, um nicht ins Bild zu kommen. Außerdem war das ganze natürlich alles andere als ein gemütlicher Bootsausflug.

„Unser Regisseur, Baltasar, ist bekannt dafür, dass er Filme unter extremen Bedingungen dreht“, erklärt Andrea. „Bei einigen Szenen, in denen Tami und Richard segeln, herrschen wunderbare Bedingungen, aber der Film dreht sich schließlich um einen Hurrikan, den wir auf offenem Meer nachempfanden. Das war also kein perfekter Tag am Strand, sondern ein furchtbares Unglück. Wir mussten also in Sachen Seegang, Wetter und Umgebung bis an die Grenzen gehen. Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Versuch, die Geschichte so authentisch wie möglich zu erzählen, und dem Anspruch, niemanden in Gefahr zu bringen. Wir haben am Ende beides geschafft.“

Einige der Hurrikan-Szenen waren dann aber doch zu gefährlich für einen realen Dreh. Diese wurden im Studio in Neuseeland gedreht und später von Visual Effects Supervisor Dadi Einarsson und seinem Team in den isländischen RVX Studios bearbeitet. Einer der größten Stars des Films, die Segeljacht Hazaña, wurde an beiden Drehorten gebraucht. Der Ausführende Produzent Ralph Winter erklärt, wie dieses Problem gelöst wurde: „Wir kauften zunächst ein Boot, das ein wenig größer war als die echte Hazaña – so hatten wir mehr Spielraum für die Kamera. Die schlechte Nachricht war, dass wir kein zweites Boot fanden, das genauso aussah. Deshalb arbeiteten wir mit verschiedenen Einzelteilen. Wir bauten eine demolierte Variante, in die Wasser hineinlaufen konnte und die eingeschränkt auf hoher See einsetzbar war. Zusätzlich bauten wir eine Kabine, in die ebenfalls Wasser einströmen konnte. Darin drehten wir in einem externen Tank in Neuseeland. Alles musste so gestaltet sein, dass es später zusammenpasste. Wir wollten sehen, wie das Schiff Schlagseite hat, wir wollten die Schwerkraft zeigen, das Wasser im Rumpf. Aber ganz egal, ob wir auf den Fidschi-Inseln oder in Neuseeland drehten, bei dieser Produktion wurden wir ständig nass.“

Die Farbe des Horizonts (Filmszene)
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Um die wogende See und die enormen Kräfte des Hurrikans abzubilden, montierte die Crew die verschiedenen Versionen der Hazaña auf eine High-Tech-Aufhängung. Ironischerweise blieben beim Dreh der schlimmsten Sturmszenen alle trocken.

„Für die wirklich dramatischen, gewaltigen Momente setzten wir die Hazaña auf einen bewegungsgesteuerten Sockel, der es möglich machte, bestimmte Bewegungen auf verschiedenen Achsen zu wiederholen und dabei die extremen Bedingungen des Sturms zu simulieren. Nichts davon hätten wir so auf dem Wasser machen können“, erklärt
Winter.

Einarsson fügte diese Aufnahmen in eine Computer-generierte Umgebung ein. „Wir mussten verschiedene Dinge herstellen“, berichtet Einarsson, „von Mantarochen und anderen Kreaturen bis zu passenden Himmelshintergründen. Unsere Hauptaufgabe aber war die Sturmsequenz mit einem komplett Computer-generierten Ozean. Das ist selbstverständlich einer der zentralen Momente des Films. Wir begannen mit Versionen der Jacht und des Ozeans in niedriger Auflösung. Danach konnten wir mit den Perspektiven spielen und eine Art Vorschau herstellen. Die finale Version entstand dann in Zusammenarbeit mit Baltasar und Bob Richardson.“

Einarsson und Kormákur arbeiten bereits seit 2010 regelmäßig zusammen und verstehen sich fast blind. „Wenn man so viel in realer Umgebung dreht“, konstatiert der Regisseur, „müssen auch die visuellen Effekte ein Stück realistischer sein. Die Hoffnung ist, dass Dadi und sein Team eine Grundlage hatten, die sie noch erweitern konnten, die aber immer an die Wirklichkeit angebunden bleibt.“

Stab/Crew
Produzent/in: Baltasar Kormákur
Produzent/in: Aaron Kandell
Produzent/in: Jordan Kandell
Ausführende/r Produzent/in: Andrea Scarso
Ausführende/r Produzent/in: Ralph Winter
Ausführende/r Produzent/in: Shailene Woodley
Ausführende/r Produzent/in: Magnus Viðar Sigurðsson
Ausführende/r Produzent/in: Stephen Fuss
Ausführende/r Produzent/in: Tom Rosenberg
Ausführende/r Produzent/in: Gary Lucchesi
Ausführende/r Produzent/in: Eric Reid
Ausführende/r Produzent/in: Wang Zhongjun
Ausführende/r Produzent/in: Wang Zhonglei
Ausführende/r Produzent/in: Felice Bee
Ausführende/r Produzent/in: Robert Simonds
Ausführende/r Produzent/in: Adam Fogelson
Ausführende/r Produzent/in: David Kosse
Regie: Baltasar Kormákur
Drehbuch: Aaron Kandell
Drehbuch: Jordan Kandell
Drehbuch: David Branson Smith
Kamera/DoP: Robert Richardson
Schnitt: John Gilbert
Musik: Volker Bertelmann aka Hauschka
Produktionsdesign: Heimir Sverrisson
künstlerische Leitung: Andy McLaren (Supervisor)
künstlerische Leitung: Sam Storey
Produktionsmanagement: Simon Ambridge
Produktionsmanagement: Annie Dodman
Locationmanagement: Clayton Tikao
Postproduktion: Mark Harris (Supervisor)
Postproduktion: Anna Broke (Koordination)
Tondesign: Glenn Freemantle (Supervisor Schnitt)
Tondesign: Niv Adiri (Supervisor Mischung)
Ton: Fred Enholmer (Mischung)
Ton: Sven Taits (Mischung, Dialogschnitt)
Ton: Adam Armitage (Schnitt Effekte)
Ton: Danny Freemantle (Schnitt Effekte)
Ton: Dayo James (Schnitt Effekte)
Ton: Robert Malone (Schnitt Effekte)
Musikabteilung: Jason Markey (Supervisor)
Musikabteilung: Lauren Danielak (Koordination Musik)
Musikabteilung: Hilary Skewes (Koordination Score)
Musikabteilung: Geoff Foster (Mischung Score)
Musikabteilung: Gerard McCann (Schnitt Musik)
Kostüme: Jonathan Lousich
Spezialeffekte (Supervisor): Dean Clarke
Spezialeffekte (Supervisor): Dagan Jurd
Spezialeffekte (Supervisor): Phil McLaren
Visuelle Effekte (Producer): Gavin Round
Visuelle Effekte (Producer): Rebecca West
Visuelle Effekte (Line Producer): Nadia Volodina
Visuelle Effekte (Executive Producer): Guy Botham
Visuelle Effekte (Technischer Direktor): Sven Fraeys
Visuelle Effekte (Supervisor): Dadi Einarsson
Visuelle Effekte (Koordination): Sara Pedramnia
Visuelle Effekte (Koordination): Ricky McLennan
Visuelle Effekte: Alastair Grimshaw (Schnitt)
Visuelle Effekte: Junaid Syed
Visuelle Effekte: Chun Hei Kwok
Visuelle Effekte: YoonHa Jung
Visuelle Effekte: Janis Cudars
Animation: Simon Wottge (Leitung Cinesite)
Animation: James Berkley
Animation: Ceylan Hassan
Animation: Chris Hutchison
Kameraoperator: Henry Tirl (B-Kamera, Steadicam)
Kameraoperator: Simon Temple (vfx, bts)
Kameraoperator: Rob Stagg
1. Kameraassistent/in: Jem Rayner (A-Kamera)
1. Kameraassistent/in: Ben Rowsell (B-Kamera)
Stuntkoordination: Augie Davis (Supervisor)
Stuntkoordination (Team): Eva Yang
Stuntkoordination: Leon Stripp
Stuntdouble: Jacqueline Lee Geurts (Shailene Woodley)
beteiligte Firmen
Produktion: RVK Studios
Produktion: STXfilms
Produktion: Lakeshore Entertainment
Produktion: Ingenius
Produktion: Huayi Brothers Pictures
Visuelle Effekte: RVX Studios
Visuelle Effekte: Milk VFX
Visuelle Effekte: Cinesite
Soundtrack: Sony Classical
Synchronstudio: Splendid Synchron
Verleih Deutschland: Tobis Film