Die Legende vom hässlichen König (Filmszene)
©Mitosfilm
Titel: Die Legende vom hässlichen König
Originaltitel: Die Legende vom hässlichen König
Internationaler Titel: The Legend of the Ugly King
Land: Deutschland, Österreich
Genre: Dokumentarfilm, Filmporträt
Deutschlandstart: 11.10.2018
Regie: Hüseyin Tabak
Farbe: Farbe, Schwarz-Weiß (Archivaufnahmen)
Format: 1:1.85, 16:9, DCP
Ton: Dolby Digital
Laufzeit: 122 Minuten
Budget:
Mit: Yılmaz Güney, Michael Haneke, Costa Gavras, Gilles Jacob
FSK:
sonstiges: Da die Interviews und Filmausschnitte durchgängig in der Muttersprache der Protagonisten gehalten sind, ist der gesamte Film untertitelt.
Cast
Protagonisten
Yılmaz Güney
Michael Haneke
Costa Gavras
Tahir Yüksel
Gilles Jacob
Donat Keusch
Jack Lang
Elif Güney Pütün
Ahmet Zirek
Tarik Akan
Patrick Blossier
Leyla Demirezen
Sule Demirezen
Halil Ergün
Miguel Ángel Estrella
Fatos Güney
Tuncel Kurtiz
Elif Güney Pütün
Nebahat Çehre
Hüseyin Tabak
Inhalt
Die Legende vom hässlichen König (Filmplakat)Man nannte ihn den hässlichen König: ein Mythos, ein Held, eine Filmlegende.

Aber wer war Yılmaz Güney? Ganz sicher ein hochtalentierter Regisseur. Aber auch ein Revolutionär oder ein Mörder? Ein Genie oder ein Verrückter?

Der junge Regisseur Hüseyin Tabak ist auf der Suche nach Antworten. Höhepunkt von Güneys Karriere war sicher seine Auszeichnung mit der Palme d’ Or in Cannes im Jahre 1982. YOL ist bis heute sein bekanntester Film.

Ausgangspunkt von Hüseyin Tabaks Nachforschungen wird ein Buch, das von dem kurdischen Filmemacher aus der Türkei handelt. Bald stößt er auch auf die ersten Risse und Wendepunkte in dieser Biografie: So wurde Güney zu einer Gefängnisstrafe von mehr als 100 Jahren verurteilt, offiziell für den Mord an einem Richter, doch politische Gründe liegen auf der Hand. Legendär und wohl einmalig in der Filmgeschichte ist, dass Güney selbst aus dem Gefängnis noch Filme drehte.

Tabak geht unter anderem der Frage nach, wie das möglich ist. Er besucht Güneys Familie, seine Schauspieler, und ehemalige Mitgefangene, die über die Welt verstreut sind. Aber auch renommierte Filmemacher wie Michael Haneke und Costa Gavras kommen zu Wort. Er befragt Menschen auf der Straße, die Güney immer noch als Helden betrachten. Je tiefer Hüseyin in die Geschichte des legendären hässlichen Königs gräbt, desto menschlicher und verwundbarer scheint er.

Kommentar von Hüseyin Tabak
Alles hat einen Anfang – Freundschaft, Liebe, Leidenschaft. Die Erinnerung, wie etwas begonnen hat, ist wertvoll, sie hilft uns, die Empfindungen zu bewahren. Ein Freund, der seine Hand reicht, das Lächeln einer Frau, ein Film, der das Feuer in dir entfachte, welches immer noch lodert. Das ist das, was sich zwischen mir und Yılmaz Güney ereignete.

Seine Filme haben in mir den Funken für meine Leidenschaft für das Kino entzündet. In meinen ersten Kurzfilmen habe ich es nie vergessen ihm am Ende des Abspannes zu danken. Dies führte ich auch in meinen Spielfilmen weiter. Dabei fragte ich mich jedes Mal, ob ich ihn wirklich kannte. Wie war er als Person, Regisseur, Vater und Ehemann? Was hat ihn dazu gebracht, solche Filme zu machen? Wer war er, dieser Hässliche König?

2010 schaute sich der Produzent Mehmet Aktas meinen Kurzfilm CHEESE… an, der ihm sehr gefallen hat. Er bemerkte, dass ich am Ende meines Film Yılmaz Güney dankte. Als ein leidenschaftlicher Bewunderer Güneys, rief Aktas mich direkt an und lud mich zu ihm nach Berlin ein. Er fragte mich nach den Beweggründen für diese Danksagung. Ich erklärte ihm, dass ich mich in irgendeiner Weise dazu verpflichtet fühle und es ihm schulde. Mehmet Aktas sah mich an und lächelte. Dann sagt er: „Du bist nicht der Einzige“.

Er schlug vor, dass wir einen Film über Güney machen sollten – und ich, jung und leichtsinnig, nahm dieses Angebot an, ohne nochmal darüber nachzudenken. Ich verbrachte die nächsten zwei Jahre damit, mich über alle seine Filme und Bücher zu informieren. Schon bald realisierte ich, dass ich es unterschätzt hatte, das Leben einer der komplexesten Persönlichkeiten unter den Filmemachern wiederzugeben. Je mehr ich mich mit ihm auseinandersetzte, desto schwieriger wurde es für mich ihn zu verstehen. Dadurch fuhr ich jedoch nur noch willensstärker mit meinen Recherchearbeiten fort. Ich erfuhr nicht nur etwas über die Heldengeschichte, sondern lernte auch seine Schattenseite kennen, die ihn aber auch menschlicher machte. Ich lernte etwas über seine Vergangenheit, seine Lebensgeschichte und es wurde mir bewusst, dass ich weit darüber hinausgehen musste, nur seine Filme zu analysieren. Es gibt Millionen von Güney Anhängern in der Welt. An alle von ihnen: Er ist ein Held! Aber wie stelle ich eine Person als Held dar, der seine Frau mit seinem Auto überfährt, ein schlechter Vater ist und einen Mann getötet hat?

Die Antwort auf diese Frage kam gewissermaßen von einem meiner Interviewpartner, Patrick Blossier. Als er Güney die erste Version seines Dokumentarfilms AUTEUR DE MUR über ihn selbst zeigte, in dem die Dreharbeiten seines letzten Films LE MUR dokumentiert wurden, reagierte Güney total natürlich. Blossier zeigte nicht nur die genialen Seiten von Güney, sondern auch wie er Kinder schlug, damit sie ihre bestmöglichen schauspielerischen Leistungen erbringen würden. Güneys Freunde befürchteten, dass diese Dokumentation seinen Ruf zerstören würde, jedoch antworte Güney lediglich, „Es ist dein Film. Es ist deine Perspektive auf die Dinge. Du hast einen ehrlichen Film gemacht und das respektiere ich.“ Das ist das, was mir letztendlich die Kraft dazu gab, einen Film über Güney zu machen. Ein aufrichtiges Portrait, welches aus meiner Sichtweise erzählt wurde. Es war weder mein Ziel ein filmisches Denkmal für ihn zu erschaffen noch seinen Status als Legende zu zerstören. Ich wollte einfach nur herausfinden was hinter dem Hässlichen König steckte. Das leitete meine Reise an.

Dies ist gewiss kein Film, der unterstreichen sollte, dass Güney zu dieser oder jeder Art von Menschen angehörte. Ich interviewte mehr als 120 verschiedene Menschen und verstand, dass jeder einzelne von ihnen eine andere Vorstellung von Güney hatte. Mein Ziel wurde es, Menschen zu inspirieren seine Filme anzuschauen, seine Bücher zu lesen und sich ihr eigenes Bild von Yılmaz Güney zu machen.

Text via Mitosfilm

Über Yılmaz Güneys
Yılmaz Güneys wurde 1937 in Adana geboren. Er war ein Alevit, der Vater ein Zaza aus der Stadt Varto in der Provinz Muş und seine Mutter Kurdin aus der Provinz Şanlıurfa. Sein Vater war ein armer Bauer ohne Land.

Güney wuchs in der anatolischen Stadt Adana auf und zog 1957 nach Istanbul um zu studieren. Während seines Studiums schrieb er Kurzgeschichten für bekannte Zeitschriften und Zeitungen. Gleichzeitig lernte er den türkischen Starregisseur Atif Yilmaz kennen, bei dem er zuerst als Regieassistent arbeitete, bis er anfing, auch Schauspielrollen zu übernehmen. Er verkörperte oftmals arme und unterdrückte Figuren, die dennoch starke Charaktere waren.

1959 wurde er wegen kommunistischer Propaganda in einer seiner Kurzgeschichten zu über fünf Jahren Haft verurteilt, von denen er 2,5 Jahre absaß. 1970 heiratete er seine erste Frau Fatos, ein Jahr später kam sein Sohn, der nach seinem Vater benannt wurde, zur Welt.

Seinen künstlerischen Durchbruch als Filmregisseur erlangte er 1970 durch seinen Film Umut – Hoffnung. Er wurde ein international bejubelter Filmemacher.

Aufgrund seiner sozialistischen Ansichten unterstützte er in den 70er Jahren die linke Bewegung und wurde 1972 wegen Mitgliedschaft in einer verbotenen Organsiation wieder zu einer Haftstrafe verurteilt. Nur drei Monate, nachdem er 1974 aus dem Gefängnis kam, wurde er beschuldigt am 13. Juli 1974 in Yumurtalik einen türkischen Richter ermordet zu haben.

Der Anklage zufolge war dieser zufälligerweise im selben Restaurant wie Güney und dessen Frau und soll die beiden beschimpft haben. Der Streit eskalierte und es fiel ein Schuss. Yılmaz Güney wurde festgenommen. Während der Anklage wurde dreimal der Richter gewechselt, bis einer ihn wegen Mordes zu 19 Jahren Haft verurteilte. Die Anschuldigungen wurden bis heute nicht bewiesen.

Er wurde in verschiedenen Gefängnisanstalten untergebracht, bis er auf die Gefängnisinsel İmralı überstellt wurde. 1981 gelang ihm von dort der Ausbruch über das Meer. Zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern floh er nach Frankreich, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Wie schon im Fall des Poeten Nazim Hikmet, wurde Güneys türkische Staatsbürgerschaft von den Behörden aberkannt. 1983 gründete er mit anderen wichtigen kurdischen Persönlichkeiten das Kurdische Institut in Paris.

Yılmaz Güneys bekanntester Film ist YOL – Der Weg, für den er auch das Drehbuch schrieb. Der Film wurde 1982 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. 1983 wurde ihm die Einreise zu einer Vorführung des Films in Deutschland von der Bundesregierung verweigert, da er „als Exponent der extremen Linken (… ) zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen türkischen Gruppierungen in der Bundesrepublik Deutschland führen würde“.

Yılmaz Güney starb 1984 an Magenkrebs und wurde auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise begraben.

Text via Mitosfilm

Stab/Crew
Produzent/in: Mehmet Aktaş
Koproduzent/in: Hüseyin Tabak
Koproduzent/in: Josef Aichholzer
Ausführende/r Produzent/in: Mehmet Aktaş
Ausführende/r Produzent/in: Olcay Goldie
Regie: Hüseyin Tabak
Regieassistent/in: Melis Kaya
Drehbuch: Hüseyin Tabak
Kamera/DoP: Lukas Gnaiger
Schnitt: Christoph Loidl
Schnitt: Andrew Bird
Musik: Judit Varga
Produktionsleitung: Janna Heine
Produktionsleitung: Jana Raschka
Produktionsleitung: Olcay Goldie
Postproduktion: Herbert Fischer (Supervisor)
Tondesign: Atanas Tcholakov
Ton: Tom Schön (Aufnahme)
Ton: Bernhard Maisch (Mischung)
Visuelle Effekte: Geoffrey Kleindorfer
beteiligte Firmen
Produktion: Mitosfilm
Koproduktion: Aichholzer Filmproduktion
Koproduktion: MarangozFilm
Postproduktion: LISTO Videofilm
Postproduktion: Tremens Tonstudio (Ton)
Verleih Deutschland: Mitosfilm
gefördert/unterstützt durch: Österreichisches Filminstitut
gefördert/unterstützt durch: Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein
gefördert/unterstützt durch: ORF Film / Fernsehabkommen