Foxtrot (Filmszene)
©NFP marketing & distribution / Foto: Giora Bejach
Titel: Foxtrot
Originaltitel: Foxtrot
Land: Israel, Deutschland, Frankreich, Schweiz
Genre: Drama (Antikriegsfilm)
Deutschlandstart: 12.07.2018
Regie: Samuel Maoz
Farbe: Farbe
Format: 1:2.39, DCP
Ton: 5.1
Laufzeit: 113 Minuten
Budget:
Mit: Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonatan Shiray, Gefen Barkai
FSK: ab 12 Jahren
sonstiges:
Cast
Darsteller/in Rolle
Lior Ashkenazi Michael
Sarah Adler Dafna
Yonatan Shiray Jonathan
Gefen Barkai Kader Kommandant
Dekel Adin Dosen rollender Soldat
Shaul Amir Soldat mit Kopfhörern
Itay Exlroad Tanzender Soldat
Danny Isserles Offizieller Militäroffizier
Itamar Rotschild Religionsbeauftragter
Roi Miller Militär m.d.
Arie Tcherner Hochrangiger Offizier
Yehuda Almagor Avigdor (Michaels Bruder)
Shira Haas Alma
Karin Ugowski Michaels Mutter
Inhalt
Foxtrot (Filmplakat)Akt 1 beginnt in Tel Aviv. Auf der Klingel ein Finger in Großaufnahme. Dafna Feldman (Sarah Adler) öffnet die Tür des ultramodernen Hauses. Zwei Soldaten stehen vor ihr. Sie weiß, was das bedeutet, fällt in Ohnmacht, erhält beruhigende Medikamente. Ihr Mann Michael (Lior Ashkenazi) zerbricht innerlich, steht wie erstarrt, als man ihm mitteilt: „Herr Feldman, es tut uns sehr leid, Jonathan Feldman ist heute Nacht im Einsatz gefallen“. Jonathan ist der einzige Sohn des Paares. Die Ratschläge sind lapidar. Tief atmen und viel trinken, ein Handy-Piepsen soll ihn stündlich an ein Glas Wasser erinnern. Für die psychologische Betreuung gibt es eine Telefonnummer, zum Abschied den aufgesagten Satz „Unser herzliches Beileid, Herr Feldman“.Der arrivierte Architekt steht unter Schock. Statt zu weinen, lässt er seine hilflose Wut am Hund aus, er muss raus aus dem Haus, kriegt keine Luft mehr, ein Besuch bei der Mutter im Heim, einer Holocaust-Überlebenden, frustriert ihn noch mehr. Während sein Bruder einen Text für die Todesanzeige aufsetzt, verliert der souveräne Mann erstmals die Fassung, lässt köchend heißes Wasser über seine Hand laufen. Ein körperlicher Schmerz, der den seelischen ausschalten soll. Die Ankunft eines Bestattungsoffiziers verschlimmert die Situation mit seinen bürokratischen Details für die Beerdigung, keine Empathie, nur Rituale und sinnlose Hinweise. Fünf Stunden währt der Alptraum. Dann die neue Nachricht, dass es sich um eine Verwechslung handelt und Jonathan lebt und mit seiner Einheit eine Versorgungsstraße überwacht. Ein Fehler im System sorgte für die Falschmeldung. Michael rastet aus, er fordert die sofortige Rückkehr seines Sohnes nach Hause. Die emotionale Anspannung lässt ihn eine Panikattacke erleiden.

Akt 2 spielt in einem surrealen und kafkaesken Ambiente auf einer Straße im Nirgendwo – ein Kamel, eine Schranke, die sich hebt und senkt, ein Wellblechcontainer, vier junge Soldaten, an deren Nerven das quälende Nichtstun zerrt. Einer von ihnen ist Jonathan Feldman (Yonatan Shiray). Bei einer Schicht tanzt einer seiner Kameraden einen Foxtrot zur Musik aus dem Megaphon, als imaginäre Partnerin dient das Gewehr. Die Ankündigung einer Katastrophe. Der Foxtrot, bei dem der Tänzer trotz aller Schrittvariationen auf der Stelle tritt – ein Symbol für den Nahost-Konflikt – in dem sich nicht viel bewegt. Shooter-Games, fade Witze, Erzählungen von daheim können die Langeweile nicht bannen. Ansonsten Sprachlosigkeit, Schweigen. Das Essen wird lustlos aus Konserven gelöffelt und eine leere Dose durch den Container gerollt, um zu prüfen, wie die Bodenneigung sich täglich ändert, wie lange es wohl dauert, bis alle im Schlamm versinken. Fragen tauchen auf nach Sinn und Ziel des Kampfes gegen das Unbekannte. Die Zeit kriecht im Schneckentempo dahin. Nur wenn sich ein palästinensisches Auto nähert, herrschen Hektik und Betriebsamkeit. Die Insassen werden genau kontrolliert und auch schon mal aus Schikane draußen im strömenden Regen stehen gelassen. Business as usual. Bis eines Abends zwei junge Paare in ausgelassener Stimmung den Checkpoint erreichen. Die Überprüfung bringt keine Verdachtsmomente, doch bevor der Fahrer Gas gibt, rollt ein Gegenstand aus dem Wagen. Eine Granate? Oder doch nur eine harmlose Bierdose? Die Soldaten schießen los. Der aufgestaute Stress entlädt sich in einem Ausbruch von Gewalt. Vier Menschen sind tot. Ein Bagger sorgt dafür, dass es bald so aussieht, als sei nichts geschehen. Ein Oberst schließt den Fall: „Was geschehen ist, ist geschehen“. Am nächsten Tag steigt Jonathan Feldman aufgrund der Forderung seines Vaters in ein Versorgungsfahrzeug Richtung Tel Aviv.

Akt 3 konzentriert sich auf die Eltern und die Tochter Alma (Shira Haas). Michael und Dafna zerbrechen sich den Kopf, was aus ihrer Liebe und ihren einstigen Träumen geworden ist in einem Land der permanenten Unsicherheit und Bedrohung von außen. Obgleich vom Krieg traumatisiert, funktioniert Michael vordergründig. Er gehört zur zweiten Generation der Holocaust-Überlebenden, der eingetrichtert wurde, sich nie zu beklagen, da nichts so furchtbar sein kann wie die Erfahrung der Eltern. Dafna bricht seine harte Schale auf, konfrontiert ihn mit seiner Schwäche und Scham, bittet ihn eindringlich, sich und sein Geheimnis zu offenbaren. Michael zeigt seine inneren vom Krieg geschlagenen Wunden, die nie heilen und weiter bluten werden, sein Schuldgefühl und seine Verzweiflung, seine tiefe Trauer. Und wie Jonathan tanzt er den Foxtrot: zwei Schritte vorwärts, einen seitwärts und Schluss, dann das Ganze rückwärts. Michaels bitteres Résumé: „Egal, wo du hingehst, du landest immer am selben Ausgangspunkt“. So gibt es kein Glück und keine Erlösung, keine Befreiung von der Vergangenheit. Nur ein bisschen Hoffnung. Und die aber auch nur vielleicht.

Kommentar von Samuel Moaz
Foxtrot (Filmszene)
©NFP marketing & distribution / Foto: Giora Bejach

Einstein sagte einmal, Zufall sei Gottes Weg anonym zu bleiben. FOXTROT ist der Tanz eines Mannes mit seinem Schicksal. Es ist ein philosophisches Gleichnis, dieses vage Konzept, das wir als „Schicksal“ bezeichnen, durch eine Geschichte über Vater und Sohn zu dekonstruieren. Sie sind weit entfernt voneinander, aber trotz dieser Distanz und der totalen Trennung zwischen ihnen, können sie das Schicksal des jeweils anderen beeinflussen – und natürlich auch ihre eigene Bestimmung. Die Herausforderung, die ich mir selbst stellte, war es, mich mit dieser Kluft zwischen den Dingen, die wir kontrollieren können, und jenen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, zu beschäftigen.

Ich habe mich dazu entschieden, meine Geschichte als klassische griechische Tragödie aufzubauen, in der der Held sich seine eigene Strafe auferlegt und sich allen widersetzt, die ihm helfen wollen. Offensichtlich ist er sich nicht im Klaren, welche Folgen seine Taten haben werden. Andererseits tut er etwas, das richtig und logisch erscheint. Und dies ist der Unterschied zwischen einem beliebigen Zufall und einem Zufall, der wie ein Plan des Schicksals erscheint. Chaos ist unvermeidlich. Die Strafe entspricht der Sünde in exakter Form. In diesem Prozess steckt etwas Klassisches und Zirkuläres. Und außerdem eine Ironie, die schon immer mit dem Schicksal assoziiert wurde. Für mich schien die Struktur einer griechischen Tragödie in drei Sequenzen als ideale Plattform, um meine Idee zu verwirklichen.

Ich wollte eine Geschichte erzählen, die relevant für diese verdrehte Realität sein würde, in der ich – und wir – leben. Eine Geschichte mit einem wichtigen Statement – lokal und universal. Eine Geschichte über zwei Generationen – die zweite Generation von Holocaust-Überlebenden und die dritte Generation – und beide erlebten Traumata während ihres Armeediensts. Teile dieser endlos traumatischen Situation wurden uns aufgezwungen und teils hätte dies vermieden werden können. Ein Drama über eine Familie, die auseinanderbricht und sich wiedervereint. Ein Konflikt zwischen Liebe und Schuld; Liebe, die extremen emotionalen Schmerz bewältigen muss.
Und wie auch schon in meinem vorherigen Film, LEBANON, wollte ich weiter nachforschen, in einer intensiven Weise, die Kritik und Mitgefühl vereint.

Der Film hat eine Einstellung, in der man auf dem Bildschirm eines Laptops eine Traueranzeige erkennt und gleich daneben steht eine Schale mit Orangen. Diese Aufnahme ist die Geschichte meines Landes in vier Worten – Orangen und tote Soldaten.

Stab/Crew
Produzent/in: Michael Weber
Produzent/in: Viola Fügen
Produzent/in: Eitan Mansuri
Produzent/in: Cedomir Kolar
Produzent/in: Marc Baschet
Produzent/in: Michel Merkt
Koproduzent/in: Jonathan Doweck
Koproduzent/in: Jamal Zeinal Zade
Koproduzent/in: Meinolf Zurhorst
Koproduzent/in: Olivier Père
Koproduzent/in: Rémi Burah
Koproduzent/in: Dan Wechsler
Koproduzent/in: Jim Stark
Produktionsleitung/Line Producer: Dorissa Berninger
Regie: Samuel Maoz
Regieassistent/in: Adin Wiener
Drehbuch: Samuel Maoz
Kamera/DoP: Giora Bejach
Schnitt: Arik Lahav Leibovich
Schnitt: Guy Nemesh
Musik: Ophir Leibovitch
Musik: Amit Poznanky
Produktionsdesign: Arad Sawat
künstlerische Leitung: Eyal Elhadad
künstlerische Leitung: Francis Kiko Soeder (als Frances Soeder)
Setdekoration: Felicity Good
Locationmanagement: Kobu Azran
Casting: Chamutal Zerem
Casting: Tanja Schuh
Tondesign: Alex Claude
Ton: Jürgen Göpfert (Aufnahme)
Ton: Sam Cohen (Mischung)
Ton: Ansgar Frerich (Mischung)
Ton: Daniel Iribarren (Dialogschnitt)
Musikabteilung: Alex Claude (Leitung)
Kostüme: Hila Bargiel
Maske: Barbara Kreuzer (Make-up)
Requisite: Friederike Berthold
Requisite: Doro Polstorff
Visuelle Effekte (Supervisor): Jean-Michel Boublil
Visuelle Effekte: Dan Avram (Schnitt)
Setfotos: Frédéric Batier
Setfotos: Julia von Vietinghoff
beteiligte Firmen
Produktion: Spiro Films
Produktion: Pola Pandora Filmproduktions
Produktion: A.S.A.P Films
Produktion: KNM
Koproduktion: Bord Cadre Films
Koproduktion: Arte France Cinema
Postproduktion: BASIS BERLIN Postproduktion (Sound)
In Zusammenarbeit mit: Arte France
In Zusammenarbeit mit: ZDF/Arte
Verleih Deutschland: NFP marketing & distribution
Vertrieb: Filmwelt Verleihagentur