Genesis 2.0 (Filmszene)
©Rise And Shine Cinema
Titel: Genesis 2.0
Originaltitel:
Land: Schweiz, China, Russland, USA, Südkorea
Genre: Dokumentarfilm
Deutschlandstart: 17.01.2019
Regie: Christian Frei
Co-Regie: Maxim Arbugaev
Farbe: Farbe
Format: DCP
Ton:
Laufzeit: 114 Minuten
Budget:
Mit:
FSK: ohne Altersbeschränkung
sonstiges:
Cast
Protagonisten Rolle
Peter Grigoriev
Semyon Grigoriev
George Church
Spira Sleptsov
Woo Suk Hwang
Inhalt
Genesis 2.0 (Filmplakat)Der Film beobachtet den harschen und gefährlichen Alltag von sogenannten Mammutjägern auf einer extrem abgelegenen Inselgruppe im hohen Norden Sibiriens. Die archaische Landschaft, in der diese Menschen nach Stosszähnen längst ausgestorbener Mammuts suchen, erinnert an die Urzeit der Erde. Es herrscht eine Art Goldrauschstimmung, denn die Preise für das weisse Gold sind so hoch wie noch nie. Doch der auftauende Permafrost gibt nicht nur wertvolles Elfenbein frei. Manchmal finden die Jäger auch ein fast vollständig erhaltenes Mammutkadaver mit Fell und Muskelgewebe.

Solche Funde rufen hochtechnisierte amerikanische und südkoreanische Klonforscher auf den Plan auf der Suche nach Mammutzellen mit möglichst intakter DNA. Ihre Mission könnte Teil eines Science-Fiction Plots sein. Sie wollen das ausgestorbene Wollhaarmammut nach Jurassic-Park-Manier wieder zum Leben erwecken und auferstehen lassen. Und das ist nur der Anfang. Weltweit sind Biologen daran, das Leben neu zu erfinden. Sie wollen die Sprache der Natur lernen und Leben erschaffen nach dem Lego-Prinzip. Das Ziel der synthetischen Biologie ist es, komplette künstliche biologische Systeme zu erzeugen. Der Mensch wird zum Schöpfer.

Die Auferstehung des Mammuts ist eine erste Manifestation dieser nächsten großen technologischen Revolution. Eine Übung. Ein millionenschweres Spiel. Die neue Technologie könnte die Welt, wie wir sie kennen, komplett auf den Kopf stellen… und all dies nimmt seinen Anfang im unaufhaltsam auftauenden Permafrost am äussersten Rand von Sibirien.

Kommentar von Christian Frei
Genesis 2.0 (Filmszene)
©Rise And Shine Cinema

Wir Menschen schwanken seit Urzeiten zwischen zwei grundverschiedenen Strategien der Welterklärung und Weltbewältigung. Wir schwanken zwischen Vernunft und Legende, Erkenntnis und Verteufelung, Logos und Mythos. Sobald etwas Neues auf uns zukommt, sobald Neues nicht mehr mit den Erfahrungsregeln des Alltags erklärt werden kann, sobald wir nicht mehr verstehen, wird es spannend. Dann folgen entweder Neugier oder Abwehr. Verstehen wollen oder Angst.

GENESIS 2.0 führt die Zuschauer in eine unbekannte, exotische Welt, die mit unserer alltäglichen Erfahrung nur sehr wenig zu tun hat und deshalb als filmisches Erlebnis sehr attraktiv ist. Wir verstehen lange nicht, was die Männer eigentlich suchen. Was sie antreibt. Wer sie sind. Langsam realisieren wir, dass da eine Art Goldrausch stattfindet. Wir erfahren von Träumen, Hoffnungen und Ängsten. Und erleben die nüchterne Realität und den Überlebenskampf.

Doch sobald wir uns ein wenig orientieren können und sicherer fühlen, werden wir mit einer noch unbekannteren, noch exotischeren Welt konfrontiert. Plötzlich tauchen diese Klonmenschen im Film auf. Und langsam realisieren wir, was sie mit dem Mammut vorhaben. Und wieder schwanken wir zwischen Neugier und Abwehr. Zwischen verstehen wollen und Verteufelung.

Das ist die Grundidee dieses Films.

Er verführt die Zuschauer in eine archaische Welt und überrascht sie mit einem Zukunftsthema. Er erzählt von alten Legenden, Mythen und Tabus – und konfrontiert uns mit der eigenen Angst vor der unbekannten Zukunft. Er lädt auf attraktive Weise ein, eigentlich unvereinbare Welten des Denkens, Handelns und Bewertens kennen und verstehen zu lernen.

Dabei bleibt der Film konsequent beim Mammut und bei den Menschen, die mit ihm zu tun haben. Die Begegnung mit ihren Hoffnungen, Konflikten und Nöten treibt ihn voran. Sein Anspruch ist es nicht, die Zukunftstechnologie ‚Synthetische Biologie‘ umfassend zu diskutieren und in ihrer ganzen Komplexität vorzustellen. Sein Anspruch ist es, filmisch höchst attraktive Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen zu schaffen, die irgendwie und irgendwas mit dem Mammut zu tun haben. Und damit will er von unserer Vergangenheit, der Gegenwart und unserer Zukunft erzählen. Und so unterhalten, überraschen und anregen, das Neue und Unbekannte etwas besser verstehen zu wollen.

Jeder Protagonist, der im Film auftaucht, wird mit seinen Visionen und Zielen ernst genommen. Auch wenn seine Pläne und Absichten absurd und unheimlich scheinen und an Science Fiction erinnern. Die Haltung des Films ist eine Haltung der neugierigen Skepsis. Er stellt Fragen und prangert nicht einfach an. Er versucht, das Neue und Fremde zu verstehen. Aber er bejubelt es auch nicht naiv. Utopie und Dystopie. Neugier und Skepsis.

Text via Rise And Shine Cinema

Kommentar von Maxim Arbugaev
Genesis 2.0 (Filmszene)
©Christian Frei Filmproduktion

Das erste Mal besuchte ich die Inseln mit meiner Schwester Evgenia. Ich war 21 Jahre alt und hatte zuvor 15 Jahre meines Lebens intensiv dem professionellen Eishockeysport gewidmet. Mein Besuch auf den Inseln beendete meine Sportkarriere. Innerlich hatte sich etwas in mir verändert, und als wir die Inseln wieder verliessen, war ich ein anderer Mensch. Die Energie der Arktis hat etwas Kathartisches.

Während ich auf den Inseln filmte, wurde ich zu einem Mitglied der Mammutjäger-Familie. Zusammen reisten wir auf unserer Schatzsuche von Norden nach Süden, hunderte Kilometer in der endlosen Weite der Tundra. Von den Jägern wurde ich als einer von ihnen angesehen. Ich bin sehr glücklich darüber, den Respekt dieser Männer zu spüren. Sie haben mich in ihrer eingeschworenen Gruppe willkommen geheissen. Und ich hoffe, man sieht in meinen Aufnahmen, wie sehr ich von ihnen akzeptiert wurde.

Die Inseln sind ein dermassen einsamer Ort! Mir gefällt dieses Abgeschnittensein von der Zivilisation. Ich fühle mich wie in den Büchern, die ich über die ersten Entdeckungsreisen am Neusibirischen Archipel gelesen habe. Damals konnte man keinerlei Kommunikation mit dem Rest der Welt aufbauen… für Monate, manchmal für Jahre. Und so anders ist es auch heute nicht. Kesha, der Kopf der Jägertruppe, benutzt ein Satellitentelefon. Auch ich habe eines für Notfälle. Die Jäger dürfen ihre Familien nur zu wichtigen Anlässen anrufen. Die kostbaren Minuten werden aufgespart für Geburtstage oder andere wichtige Familienereignisse. Die Gespräche dürfen nur 4 bis 5 Minuten dauern, gerade genug um zu berichten, dass alle am Leben sind und es allen gut geht. Diese Minuten sind so wertvoll! Eigentlich sind die Inseln nach wie vor vom Rest der Welt abgeschnitten.

Die Abgeschiedenheit der Inseln drückt sich auch in den Schwierigkeiten aus, mich mit Christian in Verbindung zu setzen. Der Link zwischen meinem alten Iridium-Satellitentelefon und dem Internet funktioniert nur dürftig. Christian und ich teilen unsere Gedanken und Gefühle. Ich erzähle Christian, was mit mir und auf den Inseln geschieht. Christian erzählt, was ihm seine Besuche in den Laboratorien offenbaren.

Genesis 2.0 (Filmszene)
©Rise And Shine Cinema

Die Jäger sind Ureinwohner des Nordens. Sie praktizieren Schamanismus und glauben an die Geister der Natur. Sie sind sehr vorsichtig und abergläubisch. Sie erachten sich selbst nur als Gäste und meinen, unter ständiger Beobachtung der Geister zu stehen. Einmal zeigt sich die Arktis ihnen gegenüber grosszügig und lässt sie Stosszähne finden, ein anderes Mal ist sie brutal und zerstörerisch. Die Jäger sind sich ihrer eigenen Verletzlichkeit bewusst und haben Angst, einen falschen Schritt zu machen. Sie sehen die Natur als eine lebendige Kreatur mit gewaltigen und unbegreiflichen Kräften.

Vor der Zeit des „Stosszahn-Rausches“ waren diese Menschen Jäger und Fischer. Sie wuchsen in einer Kultur auf, in der man Tiere nur dann und in der Menge töten darf, um die eigene Familie ernähren zu können; andernfalls werden sich die Geister für ihre Gier rächen.

Diese Philosophie begleitet Jäger noch heute. Spira, einer der Protagonisten, hat seinen Freund auf den Inseln verloren. Spira sagt im Interview: „Wenn ich das Gefühl habe, dass ich genug Stosszähne beisammen habe, höre ich auf. Ich weiss, dass ich für jeden Stosszahn einen Preis zahlen muss, vielleicht nicht jetzt, aber vielleicht wenn ich nach Hause zurückkehre. Du weisst nie, wann es dich trifft. Manchmal ist der Preis ein Menschenleben. Manchmal bezahlst zu mit deinem Blut“.

Text via Rise And Shine Cinema

Über die Protagonisten
Peter Grigoriev

Peter Grigoriev wächst in Kazachye auf, einem kleinen Dorf in Jakutien, das hauptsächlich von Stosszahnsuchern bewohnt wird. Nachdem er für einige Zeit die Geschichts- und Jurafakultät besucht, wird er hauptberuflicher Mammutjäger. Seit vielen Jahren ist er nun schon auf der Suche nach dem Weissen Gold – auf allen vier Inseln des Neusibirischen Archipels.

Semyon Grigoriev

Peters Bruder Semyon ist Paläontologe und umtriebiger Direktor des Mammutmuseums in Jakutsk. Der sibirische Permafrost ist ein gewaltiger paläontologischer Gefrierschrank und in den Kühlräumen des Museums finden sich viele Proben urzeitlicher Kreaturen. Gemeinsam mit seiner Frau, der Forscherin Lena Grigorieva, möchte Semyon das Wollhaarmammut wiederauferstehen lassen.

George Church

George Church besucht mit zehn Jahren die Weltausstellung. Dieser Besuch wird eine Offenbarung für ihn. Fasziniert von Wissenschaft und Technik, will er die Zukunft mitgestalten. Church wird zu einem der renommiertesten Molekularbiologen weltweit. Er will die Sprache der Gene und die Mechanik der Evolution so perfekt beherrschen lernen, dass er in die Schöpfung eingreifen kann.

Spira Sleptsov

Geboren im sibirischen Dorf Tumat weit nördlich des Polarkreises, muss Spira Sleptsov die Gegend wegen Arbeitslosigkeit verlassen. Der Vater von zwei Kindern findet einen Job in einem Blockheizkraftwerk. Dann folgt er dem Ruf seines Klassenkameraden Vlad und schliesst sich den Stosszahnjägern an. Und stellt sich damit – zum ersten Mal in seinem Leben – den harschen Verhältnissen der abgelegenen Neusibirischen Inseln.

Woo Suk Hwang

Der Koreaner Woo Suk Hwang wird 2005 ein Nationalheld und muss kurze Zeit später den unbarmherzigen Niedergang seiner Karriere erfahren, als er des Betruges bei seiner Stammzellenforschung beschuldigt wird. Unerschütterlich kämpft er weiter und baut in Seoul die Firma Sooam Biotech auf. Bis heute hat Sooam über 900 Hunde geklont und gilt als die einzige Klonfabrik dieser Art weltweit.

Text via Rise And Shine Cinema

Stab/Crew
Produzent/in: Christian Frei
Koproduzent/in: Martin Pieper
Koproduzent/in: Urs Augstburger
Koproduzent/in: Silvana Bezzola
Line Producer: Thomas Schmidt (Russland)
Regie: Christian Frei
Co-Regie: Maxim Arbugaev
Regieassistent/in: Vladimir Egorov (Neusibirische Inseln)
Kamera/DoP: Maxim Arbugaev (Neusibirische Inseln)
Kamera/DoP: Peter Indergand (Boston, Yakutsk, Seoul, Shenzhen)
Schnitt: Christian Frei
Schnitt: Thomas Bachmann
Schnitt: Maria Ulmann (Assistenz)
Musik: Max Richter
Musik: Edward Artemyev
Tondesign: Florian Eidenbenz (Mischung)
Ton: Dieter Meyer (Aufnahme)
Color Grading: Patrick Lindenmaier
beteiligte Firmen
Produktion: Christian Frei Filmproduktion
Produktion: Schweizer Radio und Fernsehen
Produktion: ZDF/ARTE
Verleih Deutschland: Rise And Shine Cinema
Weltvertrieb: Rise And Shine World Sales