Gipsy Queen (Filmszene)
©Dor Film, Gordon Timpen
Titel: Gipsy Queen
Originaltitel:
Land: Österreich, Deutschland
Genre: Drama, Sport
Kinostart Deutschland:
Regie: Hüseyin Tabak
Farbe: Farbe
Format: 1:1.85, DCP
Ton:
Laufzeit: 113 Minuten
Budget:
Mit: Alina Șerban, Tobias Moretti, Irina Kurbanova, Catrin Striebeck
FSK:
sonstiges:
Cast
Darsteller/in Rolle
Alina Șerban Ali
Tobias Moretti Tanne
Irina Kurbanova Mary
Catrin Striebeck Gloria
Sarah Carcamo Vallejos Esmeralda, Alis Tochter
Aslan Yilmaz Tabak Mateo, Alis Sohn
Aleksandar Jovanovic Udo
Katharina Behrens Linda
Maureen Havlena Frau Müller
Andreas Anke Kaufhausdetektiv
Melanie Struve Lehrerin
Laura Uhlig Polizistin
Margret Völker Richterin
Inhalt
Gipsy Queen (Filmplakat)Als Frau, Romni und alleinerziehende Mutter hat die Rumänin Ali vom Leben gleich einen dreifachen Haken verpasst bekommen. Ihr Vater lehrt sie Boxen – damit sie einmal Geld für die Familie erkämpfen kann. Und Ali ist gut, sehr gut sogar. Doch nach der unehelichen Geburt ihres zweiten Kindes verstößt er sie, und Ali zieht aus Rumänien nach Hamburg. Deutschland wird ihr und ihren Kindern Esmeralda und Mateo eine Chance geben, davon ist sie überzeugt.

In der erfolglosen Schauspielerin Mary (Irina Kurbanova) findet sie nicht nur eine Mitbewohnerin für eine heruntergekommene Behausung, sondern auch eine Freundin und Bezugsperson für ihre Kinder. Ali sucht sich Arbeit als Putzkraft, über eine dubiose Firma, die vor allem Ausländerinnen anstellt, die sich nicht gegen die ausbeuterischen Bedingungen auflehnen können. Es ist hart, der Lohn viel zu wenig. Als Ali gegen ihre betrügerische Chefin aufbegehrt, fliegt sie raus.

Es folgt ein Gelegenheitsjob nach dem anderen, Ali steht am Tagelöhner-Strich, arbeitet gemeinsam mit muskulösen Kerlen schwarz auf Baustellen, flüchtet vor der Polizei.

Schließlich verschlägt es sie in die grindige Kiez-Kneipe Ritze, wo der abgehalfterte Ex-Boxer Tanne (Tobias Moretti) Schaukämpfe veranstaltet. Als Ali eines Abends dort am Boxsack ihren Frust abreagiert, erkennt Tanne ihr Talent – und hat die Glanzidee: Die boxende Romni, die „Gipsy Queen“, wird sein neuer Star im Ring.

Zwischen Ali und Tanne entwickelt sich aus der Notgemeinschaft zweier Outcasts langsam eine echte Freundschaft – und sie erregt als Boxerin Aufsehen. Immer stärker werden ihre Gegnerinnen, immer mehr glaubt sie an den alten Traum ihres Vaters: Dass das Boxen ihr und ihren Kindern eine sichere Zukunft ermöglichen kann.

Gipsy Queen (Filmszene)
©Dor Film, Lukas Gnaiger

Dann folgt der nächste Schlag in die Magengrube: Das Jugendamt nimmt ihr die Kinder ab, wegen Verletzung der Aufsichtspflicht. Noch schlimmer: Esmeralda, die Ältere, will gar nicht mehr zur Mama zurück, ihr ist der ständige „Lern was, damit du was wirst!“ Leistungsdruck zu viel geworden.

Doch Ali gibt nicht auf, das hat sie noch nie gekonnt. Sie kämpft weiter. Und erhält ein spektakuläres Angebot: Ein Match mit der amtierenden Weltmeisterin ihrer Gewichtsklasse. Wenn Ali es schafft, zehn Runden ohne K.O. durchzuhalten, dann bekommt sie einen fixen Vertrag und 20.000 Euro. Der Traum, endlich in Würde leben zu können, treibt sie an, alles zu geben – sie will aufrecht stehen bleiben, um jeden Preis.

Kommentar von Hüseyin Tabak
Rückblickend enthält GIPSY QUEEN zwei persönliche Faktoren, die mich antrieben diese Geschichte zu erzählen.

Die Geschichte einer Mutter

Gipsy Queen (Filmszene)
©Dor Film, Lukas Gnaiger

Meine Mutter hat durch die Migration als 9-Jährige aus der Türkei nach Deutschland ihre Freunde, Schule, ihr Leben aufgeben müssen. Angekommen in Deutschland haben meine Großeltern sie nicht in eine Schule eingeschrieben, sie musste stattdessen auf die jüngeren Geschwister aufpassen. Doch meine Mutter ist eine starke, selbstbewusste Frau. Sie hat sich selbst Lesen und Schreiben auf Deutsch beigebracht, arbeitete ununterbrochen seit ihrem 17. Lebensjahr und besitzt eine kleine Firma mit über zehn Angestellten. Doch um diese Firma aufbauen zu können, habe ich selber erlebt, wie sie drei Jobs auf einmal gemacht hat, ohne Schlaf und Erholung! Sie hat für meine Ausbildung und die meiner Geschwister wie eine Löwin gekämpft.

Aber tun das nicht fast alle Mütter? Von der Sekunde an, wo wir geboren werden und in ihren Armen liegen, wissen wir, dass wir uns bei dieser Frau immer aufgehoben fühlen können, diese Wärme einer Mutter soll sich im Gesicht meiner Figur Ali widerspiegeln.

Europa – Eine neue Zeitrechnung

Europa macht seine größte demographische Veränderung seit dem 2. Weltkrieg durch. Der Globalismus verbindet nicht nur die Freuden und die neuesten Technologien mit Menschen aus verschiedenen Ländern, sondern auch das Unheil, Katastrophen, Kriege…

Durch die Massenzuwanderung aus Syrien und Nordafrika hat sich das politische Bild der westeuropäischen Staaten verändert. Rechtspopulistische Parteien bekommen immer mehr Anhänger, Rassismus gehört zum Alltag und sogar Linke und Parteien der Mitte wählen rechte Töne. Und irgendwo dazwischen sind die Roma. “Sind wir Europäer? Flüchtling?“

Gipsy Queen (Filmszene)
©Dor Film, Lukas Gnaiger

Sie wissen es selber nicht und diese Frage wird sich wahrscheinlich nie beantworten lassen, solange sie keine politische Identität haben. Die Roma sind der einzige Kulturkreis in Europa, die über die politischen Grenzen hinweg immer wieder ihr Leben als Roma weitergeführt haben. In jedem europäischem Land gibt es Roma. Obwohl Irische Roma viel von der irischen Kultur übernommen haben, haben sie trotzdem mehr mit Roma aus Polen oder Frankreich gemein. Wenn sie zusammenkommen, verstehen Sie sich blind. Und dieser Blick auf die Welt hat mich fasziniert. Frei leben! Da, wo man glücklich ist! Keine Grenzen, keine Barrieren! Das war auch der Traum von Alis Vater. Seine Tochter sollte im Ring frei sein. Frei von nationaler Identität, frei von Vorurteilen, frei von Diskriminierung. Man sollte sie respektieren. Als eine Königin!

Gleichzeitig erzählen wir mit der Figur Ali eine Frau, die sich krampfhaft versucht dem europäischem „Way of Life“ anzupassen. Sie arbeitet hart, geht zu Behörden, macht dort noch einen Sprachkurs. Doch je mehr sie versucht sich diesem aufgezwungenem Lebensstil anzupassen, umso mehr verliert sie ihr eigenes Wesen. Als Boxerin fühlt sich sicher wieder frei sein darf, die GIPSY QUEEN, fühlt sie sich wieder frei und erweckt erwacht im Ring zum neuen Leben.

Ali

Gipsy Queen (Filmszene)
©Dor Film, Lukas Gnaiger

Sie ist der Herzschlag des Films. Sie ist der zentrale Punkt der Geschichte und gibt jeder Szene die Energie.

Ich bin mehr als glücklich, dass wir Alina gefunden habe. Für mich war es sehr wichtig, dass diese Rolle von einer wirklichen Roma besetzt wird. Und mit Alina Serban haben wir gleich eine Roma Aktivistin, die sich für die Rechte der Roma und vor allem für die Emanzipation der Roma Frauen einsetzt, aber auch gleichzeitig die Klassenbeste der weltberühmten Londoner Royal Academy for Dramatic Art war. Sie trainierte schon zwei Jahre vor dem Dreh zwei bis dreimal in der Woche Boxen.

Da Alina auch mit einer allleinerziehenden Mutter aufgewachsen ist, und sie durch Hotel und Reinigungsjobs ihr Studium finanzierte hat, fühlt sie sich unserer Geschichte persönlich sehr verbunden. Eine Gipsy Queen, in die sich jeder im Publikum wiederfindet!

Tanne

Gipsy Queen (Filmszene)
©Dor Film, Lukas Gnaiger

Ich wollte nicht die klassische Trainerfigur mit Tanne in einem Boxfilm zeichnen. Er wird auch nicht als Trainer eingeführt, sondern als Geschäftsmann auf der roten Meile, der aber die Leidenschaft fürs Boxen verloren hat. Und durch Ali spürt er wieder ein Kribbeln. Er ist auch der Einzige, der an Ali glaubt und sie fördert, obwohl beide verschiedene Lebenshistorien und Umfelder haben. Das Boxen verbindet beide und macht sie gleichwertig.

Ehrlich gesagt habe ich selber nicht an Tobias Moretti als Tanne gedacht. Doch nachdem er mein Buch gelesen hat und mir mein eigenes Buch gepitcht und mich zum Weinen brachte, wollte ich ihn bei einer Probeaufnahme mit Alina sehen. Und dort hat es zwischen den beiden Schauspielern sofort gefunkt.Tobias strahlt nicht nur den alten Kieztyp aus, sondern spricht auch eine verletzte Seite an, eine Einsamkeit, eine Hilflosigkeit – all dies schafft er ohne ein Wort.

Der Ort

Die Ritze ist der Ort, an der alle verschiedenen Figuren dieser Geschichte verbunden werden. Es ist das lokalisierte Zentrum von Gipsy Queen. Ein Ort, der auch wirklich einen heiligen Status in Hamburg genießt. Auf der einen Seite ihr verruchtes Ambiente, gespickt mit Pornofilmen an den Wänden, den Zuhältern und Prostituierten und dem Partyvolk, aber gleichzeitig unserer hart arbeitenden Ali, die genau an diesem, ihr fremden Ort, das erste Mal Respekt erlebt.

Text via Majestic Filmverleih

Stab/Crew
Produzent/in: Danny Krausz
Produzent/in: Kurt Stocker
Line Producer: Philip Evenkamp
Redaktion: Daniela Mussgiller (NDR)
Regie: Hüseyin Tabak
1. Regieassistent/in: Annette Gosewinkel
Drehbuch: Hüseyin Tabak
Kamera/DoP: Lukas Gnaiger
Schnitt: Christoph Loidl
Musik: Judit Varga
Produktionsleitung: Peter Hermann
Produktionskoordination: Marie-Christine Ernst
Casting: Deborah Congia
Casting: Vedran Kos
Locationmanagement: Michael Bruns (Deutschland)
Locationmanagement: Andreas Kispert (Österreich)
Locationscout: Jan Zigulla (Deutschland)
Kostümdesign: Katrin Aschendorf
Maske: Kathi Kullack
Maske: Nicola Faas
Tondesign: Dominik Schleier
Ton: Maj-Linn Preiß (Aufnahme)
Ton: Martin Steyer (Mischung)
Ton: Tobias Bilz (Dialogschnitt)
Ton: Sabrina Naumann (Dialogschnitt)
Ton: Gaston Ibarroule (Schnitt Effekte)
Musikabteilung: Judit Varga (Supervisor)
Requisite: Robert Kratz (Outdoor)
Requisite: Michael Steinbacher (Indoor)
Licht: Benjamin Klein
Spezialeffekte: Tissi Brandhofer (Österreich)
Spezialeffekte: Norbert Skodock (Deutschland)
Visuelle Effekte (Producer): Alice Rathert
Visuelle Effekte (Supervisor): Florian Obrecht
Kameraoperator: Felix Striegel (B-Kamera, Steadicam)
Kameraoperator: Robert Stopfer (Steadicam)
Setfotos: Gordon A. Timpen
Stuntkoordination: Alister Mazzotti
beteiligte Firmen
Produktion: DOR Film-West Produktionsgesellschaft (München)
Koproduktion: Norddeutscher Rundfunk (NDR)
Koproduktion: DOR Film Produktionsgesellschaft (Wien)
Koproduktion: Arte Deutschland
Koproduktion: Österreichischer Rundfunk (ORF)
Postproduktion: The Post Republic Hamburg
Visuelle Effekte: Automatik VFX
Sound/Ton: Studio Hamburg Atelier
Verleih Deutschland: Majestic Filmverleih
Vertrieb: ARRI Media
gefördert/unterstützt durch: Filmförderungsanstalt (FFA)
gefördert/unterstützt durch: Deutscher Filmförderfonds (DFFF)
gefördert/unterstützt durch: Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH)
gefördert/unterstützt durch: Österreichisches Filminstitut (ÖFI)
gefördert/unterstützt durch: Filmfonds Wien
gefördert/unterstützt durch: Eurimages
gefördert/unterstützt durch: Filmstandort Austria (FISA)
gefördert/unterstützt durch: Creative Europe Desk

Quelle: Majestic Filmverleih, FilmBizNews