Girl (Filmszene)
©Universum Film, Kris Dewitte
Titel: Girl
Originaltitel: Girl
Land: Belgien
Genre: Drama
Deutschlandstart: 18.10.2018
Regie: Lukas Dhont
Farbe: Farbe
Format: 1:1.66, DCP
Ton: Dolby Digital SRD, 5.1
Laufzeit: 105 Minuten
Budget:
Mit: Victor Polster, Arieh Worthalter, Oliver Bodart, Tijmen Govaerts
FSK:
sonstiges:
Cast
Darsteller/in Rolle
Victor Polster Lara
Arieh Worthalter Mathias
Oliver Bodart Milo
Tijmen Govaerts Lewis
Katelijne Damen Dr. Naert
Valentijn Dhaenens Dr. Pascal, Psychologe
Magali Elali Christine
Alice de Broqueville Lois
Alain Honorez Alain
Chris Thys Hannah
Angelo Tijssens Hendricks
Marie-Louise Wilderijckx Marie-Louise
Virginia Hendricksen Alains Assistentin
Daniel Nicodème Opa
Els Olaerts Oma
Hélène Theunissen Meme
Alexia Depicker Anne
Steve Driesen Tom
Ingrid Heiderscheidt Dorien
Inhalt
Girl (Filmplakat)„Girl“ beginnt mit lichtdurchfluteten Szenen familiärer Intimität: Lara (Victor Polster) und Milo sind Geschwister, sie tollen herum, kuscheln und sind füreinander da. Sie leben zusammen mit ihrem Vater Mathias (Arieh Worthalter), der sich voller Inbrunst um die beiden kümmert, nebenbei Taxi fährt und eine so hippe wie liebevolle Aura ausstrahlt.

Heute ist der Tag von Laras Aufnahmeprüfung an der staatlichen Ballettschule. Sie tanzt für ihr Leben gern und träumt davon, eine Ballerina zu werden. Der Unterricht an der renommierten Akademie würde sie diesem Ziel ein großes Stück näherbringen. Und tatsächlich: die Auswahlkommission gewährt Lara eine achtwöchige Probezeit, warnt sie jedoch vor möglichen Schäden, da ihre Füße „anders trainiert wurden“.

Dieser erste Hinweis auf Laras Geschichte wird durch Szenen bei einer Ärztin und einem Psychologen weiter aufgeklärt. Lara ist rein äußerlich eine junge Frau, hat allerdings noch den Körper eines Jungen. Eine Hormontherapie hat sie bereits angefangen, nur die operative Geschlechtsumwandlung fehlt Lara noch, um sich endlich voll und ganz als Frau fühlen zu können.

Mathias ist dabei mehr als wohlwollend, er unterstützt seine Tochter, wo er nur kann und ist bei jedem Arzttermin an ihrer Seite. Auch Laras kleiner Bruder, der 6-jährige Milo, findet es ziemlich cool, dass er nun eine große Schwester hat, die ihn zur Schule bringt und mit ihm kuschelt. Nur wenn er Lara reizen will, nennt er sie bei ihrem früheren Namen: Victor.

Girl (Filmszene)
©Universum Film, Menuet

Als der Unterricht an der Akademie beginnt, zieht die kleine Familie kurzerhand nach Brüssel. Ihre Mitschülerinnen und Mitschüler wissen, dass Lara bis vor kurzem noch ein Junge war. Auch sie sind zunächst fair und behandeln Lara wie eine unter Vielen. Trotzdem fällt es Lara schwer, Anschluss zu finden. Sich wie ein pubertierendes Mädchen zu verhalten, ist noch neu für sie. Jegliche Aufmerksamkeit lenkt sie am liebsten von sich und wird zur Außenseiterin, denn sie hat Angst, als Hochstaplerin entlarvt zu werden. Vor allem mit rigider Selbstkontrolle versucht Lara, einen makellosen Eindruck zu hinterlassen: Sie fixiert ihren Penis mit Tape, damit ihr Körper möglichst weiblich wirkt und bringt ihre Füße zum Bluten, damit diese langsam ihre Form verändern.

Bei einem Wochenendausflug kommt es dann zum Eklat. Dass Lara inzwischen ziemlich gut tanzt, ist einigen Mitschülerinnen ein Dorn im Auge. Unter dem Vorwand, dass sie ja nicht mit ihnen gemeinsam dusche, fordert ein Mädchen Lara auf, sich vor der gesamten Klasse zu entblößen, um wirklich dazuzugehören. Lara versinkt vor Scham im Boden, doch fügt sich schließlich dem Gruppenzwang. Diese Grausamkeit führt allerdings mit dazu, dass Lara sich zunehmend in sich selbst verschließt. Ihre Identitätskrise
wird offensichtlich.

Zudem signalisieren Laras Ärzte, dass ihr Körper durch das erbarmungslose Training geschwächt ist. Die geplante Operation steht dadurch zunehmend in Frage. Und auch Laras Vater findet die Disziplin seiner Tochter immer fragwürdiger, da sie fast nichts mehr isst und kaum noch schläft. Die innige Beziehung der beiden bekommt langsam Risse – Lara nabelt sich ab, spricht nicht mehr mit Mathias, was diesen sehr verletzt.

Girl (Filmszene)
©Universum Film, Menuet

Mit der Zeit wird immer klarer, dass sich Laras große Träume gegenseitig im Weg stehen. Das Training beansprucht ihren Körper so sehr, dass sie die Geschlechtsumwandlung nicht vollziehen kann. Sie fühlt sich gefangen, ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrer lang ersehnten Weiblichkeit und dem Ballett. Zudem fühlt sie sich schuldig, da die gesamte Familie wegen ihr umgezogen ist. Als die Ärzte Lara schließlich das Tanzen verbieten, muss sie die große Aufführung ihres Jahrgangs als Zuschauerin verfolgen.

Mathias versucht, Lara aufzubauen und lädt alle Freunde und Bekannte zu einer großen Silvesterparty ein. Lara fühlt sich sichtlich wohl im Kreise ihr vertrauter Menschen, doch das jähe Ende an der Akademie demütigt sie. Am Neujahrsmorgen trifft Lara dann eine radikale, unwiderrufliche Entscheidung, um endlich einen Ausweg aus ihrer Identitätskrise zu finden: Sie schneidet sich ihre verbliebene Männlichkeit mit einer Schere ab. Ein Schritt, der Laras tiefe Zerrissenheit spiegelt und sie gleichzeitig auf brutale Art und Weise befreit.

Ob die Geschlechtsumwandlung schließlich erfolgreich war, lässt „Girl“ am Ende offen, doch allein an Laras selbstbewusstem Gang und ihrem Blick ist zu erkennen, dass sie ihre Unsicherheit abgeschüttelt hat und endlich in der Lage ist, sich voll und ganz als Frau zu fühlen.

Kommentar von Lukas Dhont (Regie, Drehbuch)
„Als Kind wollte mein Vater, dass ich Pfadfinder werde. Alle zwei Wochen setzte er meinen Bruder und mich dort ab, und wir spielten mit den anderen Kindern im Matsch oder gingen zelten. Wir haben es beide gehasst. Wir wollten lieber schauspielern, singen, und tanzen, weil wir uns dabei besser ausdrücken konnten. Sie können sich denken, wie verwirrend es für uns war, als wir kurz darauf erfuhren, dass dies als feminin galt, als etwas „für Mädchen“. Ich war ein Junge, wie also konnte mir so etwas Spaß machen?

Irgendwann ließ ich es sein, weil ich nicht deswegen ausgelacht werden wollte.

Viele Jahre später, als ich gerade mein Filmstudium begonnen hatte, las ich in einer Zeitung einen Artikel über ein junges Mädchen. Es war im Körper eines Jungen geboren, jedoch davon überzeugt, ein Mädchen zu sein. Auch wenn es aus biologischer Sicht nicht der Fall zu sein schien. Meine Bewunderung für sie war enorm. Ich wollte unbedingt solch eine Figur porträtieren, einen mutigen jungen Menschen, der eine Gesellschaft herausfordert, in der die biologische sowie gesellschaftliche und kulturelle Definition des Begriffs „Geschlecht“ unweigerlich miteinander verknüpft sind.

Das war der Startpunkt für GIRL. Das Bedürfnis, etwas darüber zu sagen, wie wir Geschlecht, Weiblichkeit und Männlichkeit wahrnehmen. In erster Linie geht es jedoch um den inneren Kampf der jungen Protagonistin, die ihren eigenen Körper aufs Spiel setzt, um die Person zu werden, die sie sein möchte. Sie beschließt im Alter von 15 Jahren, sie selbst zu sein. Eine Entscheidung, für die manche andere ein ganzes Leben benötigen.“

Text via Universum Film

Stab/Crew
Produzent/in: Dirk Impens
Koproduzent/in: Jean-Yves Roubin
Koproduzent/in: Cassandre Warnauts
Koproduzent/in: Arnold Heslenfeld
Koproduzent/in: Laurette Schillings
Koproduzent/in: Frans Van Gestel
Regie: Lukas Dhont
1. Regieassistent/in: Siel van Daele
2. Regieassistent/in: Fien Carlier
Drehbuch: Lukas Dhont
Drehbuch: Angelo Tijssens
Kamera/DoP: Frank van den Eeden
Schnitt: Alain Dessauvage
Musik: Valentin Hadjadj
Casting: Sebastian Moradiellos
künstlerische Leitung: Philippe Bertin
Choreographie: Sidi Larbi Cherkaoui
Aufnahmeleitung: Hans Everaert
Aufnahmeleitung: Alberte Gautot
Postproduktion: Griet Meukens (Supervisor)
Locationmanagement: Sanne Schockaert
Locationmanscout: Wim Verstraete
Ton: Yanna Soentjens
Ton: Erik Griekspoor (Mischung, Dialogschnitt)
Ton: Maria Kramer (Schnitt Effekte)
Musikabteilung: Emmanuel Deletang (Producer Musik)
Musikabteilung: Jean-Pierre Arquié (Producer Score)
Musikabteilung: Alexandre Tanguy (Mischung Musik, Aufnahme Score)
Kostümdesign: Cathérine Van Bree
Maskenbild: Michelle Beeckman
Requisite: Jens Coulier
Spezialeffekte: Toon Sintobin
Visuelle Effekte (Supervisor): Stefan Beekhuijzen (Filmmore)
Visuelle Effekte: René Berendsen (Filmmore)
Visuelle Effekte: Matthijs Slijkhuis (Filmmore)
Visuelle Effekte: Ruud Vreman (Filmmore)
Visuelle Effekte 3D: Danny Torrelli (Filmmore)
Setfotos: Kris Dewitte
Setfotos: Jo Voets
Stuntkoordination: Rick Wiessenhaan
beteiligte Firmen
Produktion: Menuet Producties
Koproduktion: Frakas Productions
Koproduktion: Topkapi Films
Postproduktion: Filmmore
Postproduktion: Warnier Studio Amsterdam (Ton)
Spezialeffekte: Sparks fx (Schnee)
Visuelle Effekte: Filmmore
Verleih Deutschland: Universum Film
Weltvertrieb: The Match Factory