May, die dritte Frau (Filmszene)
©Mayfair Pictures
Titel: May, die dritte Frau
Originaltitel: Nguoi Vo Ba
Internationaler Titel: The third wife
Land: Vietnam
Genre: Drama
Kinostart Deutschland:
Regie: Ash Mayfair
Farbe: Farbe
Format: 1:1.66, DCP
Ton: Dolby Digital 5.1
Laufzeit: 94 Minuten
Budget:
Mit: Trần Nữ Yên Khê, Mai Thu Hường (Maya), Nguyễn Phương Trà My, Nguyễn Như Quỳnh
FSK:
sonstiges:
Cast
Darsteller/in Rolle
Trần Nữ Yên Khê
Mai Thu Hường (Maya) Xuân
Nguyễn Phương Trà My Mây
Nguyễn Như Quỳnh Lao
Lê Vũ Long Hùng
Nguyễn Thành Tâm Son
Lâm Thanh Mỹ Liên
Mai Cát Vi Nhàn
Nguyễn Hồng Chương Cụ Bá
Bùi Trung Anh Vater von Tuyết
Inhalt
May, die dritte Frau (Filmplakat)Vietnam im 19. Jahrhundert. Als Bezahlung für die Schulden ihres Vaters reist die 14-jährige May in einem Boot den Fluss hinauf, um einen Mann zu heiraten, den sie noch nie getroffen hat.

Auf der Seidenplantage ihres weitaus älteren Ehemanns Hung soll May ein neues Leben in dessen Familie beginnen. Sie trifft dort auf seine beiden anderen Ehefrauen, Lao und Xuan, die May umsichtig in die täglichen Rituale und die Familienregeln einführen und ihr mit schwesterlichem, fast zärtlichem Rat zur Seite stehen. May lernt ihre Position zwischen den beiden anderen Frauen zu finden und mit den Erwartungen umzugehen, die die Familie an sie stellt. Schon bald wird ihr bewusst, dass sie nur Status erlangen kann, indem sie sich nicht nur durch ihre Sexualität, sondern auch als Frau behauptet, die einen Sohn zur Welt bringen kann und wird. Dabei stellt sie für die älteste Ehefrau, die zum wiederholten Mal schwanger wird und ihr Kind verliert, eine Konkurrenz und Bedrohung dar.

Mays Hoffnung, ihre Stellung zu verbessern, wird durch ihre Schwangerschaft zu einer echten und verheißungsvollen Chance. Sie begibt sich jedoch auf einen gefährlichen Weg, denn sie verliebt sich in Xuan, die zweite Frau. Als sie Xuan ihre Gefühle gesteht, lehnt diese Mays Annäherungen ab.

May entdeckt zudem, dass Xuan eine Liebesaffäre mit dem erstgeborenen Sohn ihres Mannes hat. Das erregt und erschreckt sie gleichermaßen. Als der Grundbesitzer eine Ehe für seinen Sohn arrangiert, ist dieser verzweifelt über die Zwangsheirat. Am Tag der Hochzeit erkennt May, dass die neue Braut noch jünger und angsterfüllter ist, als sie es bei ihrer Verheiratung war. Da der Sohn seine Ehefrau kategorisch ablehnt, bittet diese darum, wieder nach Hause zurückkehren zu dürfen. Als sich ihr Vater jedoch weigert, sie zurückzunehmen, nimmt sie sich das Leben.

May sieht endlich die brutale Wahrheit: Ihr stehen nur sehr wenige Möglichkeiten offen. Als sie ein Mädchen zur Welt bringt, steht ihr ein Kampf bevor. Unter dem Eindruck der Tragödie und der verheerenden Konsequenzen einer verbotenen Liebe muss sie entscheiden, ob sie entweder still duldend und geborgen weiterleben will oder versucht, sich ihre persönliche Freiheit zu erkämpfen.

Kommentar von Ash Mayfair
Regisseurin Ash Mayfair am Set.
Regisseurin Ash Mayfair am Set. – ©Dinh Duy

„MAY, DIE DRITTE FRAU“ ist inspiriert von der Geschichte meiner Familie. Es ist eine Coming-of-Age-Erzählung, eine Geschichte über Liebe und Selbstfindung in einer Zeit, in der Frauen kaum ein Mitspracherecht besaßen. Die weibliche Sexualität, der Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter und der Kampf des einzelnen Menschen in einer konservativen patriarchalischen Gesellschaft sind Themen, die mich immer fasziniert haben.

Ich bin in Vietnam aufgewachsen, in einer Gesellschaft, in der Traditionen, Geschichte und Gemeinschaft höher wertgeschätzt wurden als persönliche Unabhängigkeit. Die Heldin dieser Geschichte begibt sich auf eine Reise, auf der ihre Identität viele verschiedene Rollen annehmen muss: die eines Kindes, einer Frau, einer Ehefrau, einer Geliebten und schließlich einer Mutter.

Die Männer und Frauen in meinem Drehbuch haben alle Vorbilder in realen, eng mit der bäuerlichen Landschaft Vietnams verbunden Personen. Die Geschichte im Film ist zwar fiktiv, doch ihr Stoff ist aus vielen echten Begebenheiten gewoben. Sowohl meine Urgroßmutter als auch meine Großmutter wurden als junge Mädchen verheiratet und lebten in arrangierten Ehen. Meine Urgroßmutter lebte vom Teenageralter an bis zu ihrem Tod in einer polygamen Ehe. Die arrangierte Ehe ist eine tief verwurzelte Tradition, und sie interessiert mich nicht nur wegen meiner eigenen Familiengeschichte, sondern auch, weil sie in vielen Ländern leider noch immer gängige Praxis ist.

Die Themen Sexualität und Sinnlichkeit mussten deshalb im Film behutsam behandelt werden. Dennoch wollte ich mich nicht davon abhalten lassen, Emotionen ehrlich darzustellen. Mays Sehnsucht nach Xuan, ihre Schwangerschaft und der Schock, schon sehr jung in einer solchen Situation zu leben, zwingen sie, weit über ihre altersgemäße Entwicklung hinauszuwachsen.

Die Rituale in Mays Hochzeitsnacht entsprechen alten vietnamesischen Traditionen, von denen mir die Schauspieler während der Probenzeit erzählten. Ich hatte das Glück, dass die Hauptrolle der May von einer sehr sensiblen und für ihr Alter reifen Schauspielerin übernommen worden war, die die Komplexität ihrer Rolle genau verstand und von ihrer Familie im höchsten Maß unterstützt wurde. Mays Reise im Film wurde durch diese Schauspielerin wesentlich tiefer und reicher, da sie sich emotional auf die Figur einstimmte und der Geschichte ihr persönliches Verständnis und Mitgefühl entgegenbrachte.

May, die dritte Frau (Filmszene)
©Mayfair Pictures

Vor dem soziopolitischen Hintergrund der damaligen Zeit war es für mich wichtig, das Thema Liebe und Begehren so offen wie möglich anzusprechen. Es ist nicht meine Absicht, diese Frauen als Opfer darzustellen. May ist zu viel mehr befähigt als zu den Rollen, die ihr von der Gesellschaft zugeteilt werden, ähnlich wie es auch heute noch viele Frauen als ihr Schicksal erleben.

In meiner Kindheit waren Geschichten über herausfordernde Lebenssituationen, zu denen Geburt und Tod, Kindererziehung, das Leben als Nebenfrau in seiner ganzen Tragweite, verlorene Liebe und neu gefundene Geborgenheit gehörten, sprudelnde Quellen für meine Fantasie.

Als wir uns auf den Weg machten, diesen Film zu drehen, stellte ich fest, dass viele Menschen, mit denen ich während meiner Recherchen und Vorbereitung gesprochen habe, ähnliche Erfahrungen gemacht oder Familienmitglieder mit nahezu identischen Schicksalen wie meine Charaktere hatten.

Während der Dreharbeiten war es wichtig, dass Cast und Crew mit dem damaligen Leben eng vertraut wurden. Ich hielt lange Improvisationsproben ab, in denen der Cast in Kostümen und Charakteren lebte und interagierte. Das Set war exakt nach historischen Vorgaben gebaut und die SchauspielerInnen konnten in jedem Raum des Herrenhauses tief in ihre Rolle eintauchen.

Als ich das Drehbuch umschrieb, lebte ich mehrere Wochen am Set, um die Atmosphäre der Landschaft richtig aufzunehmen. Während der Proben arbeitete ich sehr eng mit den DarstellerInnen an allen Aspekten ihrer Charaktere zusammen, dabei näherten wir uns mithilfe der Geschichtsforschung, Literatur, Malerei und Musik dem Denken der Menschen in jener Zeit an. Ich hatte das Glück, in einem Land aufgewachsen zu sein, zu dessen Reichtum eine bedeutende überlieferte Folklore beiträgt. Durch die orale Tradition der vietnamesischen Kunst und Literatur habe ich ein tiefes Bewusstsein für die Musikalität der Sprache entwickelt, und ich hoffe, dass ich deren poetische Sensibilität im Film offenbaren kann.

May, die dritte Frau (Filmszene)
©Mayfair Pictures

In Bezug auf die Ästhetik sind die visuellen Entscheidungen von „MAY, DIE DRITTE FRAU“ weitgehend von der Landschaft und den kulturellen Traditionen Nordvietnams inspiriert, der Heimat meiner Urgroßeltern. Die Natur ist eine dominante symbolische Kraft, die eng mit Spiritualität und Religion verbunden ist. Der Lauf der Sonne und der Jahreszeiten prägte das Leben und die Gewohnheiten der Menschen. Um dies darzustellen, war es deshalb wichtig, so viel natürliches Licht wie möglich zu verwenden. Für die Beleuchtung in den Nachtszenen experimentierte unsere Kamerafrau viel mit Feuer, weil ich auf keinen Fall wollte, dass die Bilder irgendwie künstlich wirkten.

Mithin bedient sich die Kinematographie in „MAY, DIE DRITTE FRAU“ der Methoden der Malerei. Die Ruhe in den meisten Bildkompositionen beruht auf dem Wunsch, dass jeder Frame einem Aquarell so nahe wie möglich kommt.

Als Künstlerin glaube ich, dass „MAY, DIE DRITTE FRAU“ eine Geschichte ist, die ich nicht nur erzählen muss, weil sie für mich zutiefst persönlich ist, sondern auch, weil die darin behandelten Themen und sich auffaltenden Leben universelle Bedeutung haben. Von einem geliebten Menschen getrennt zu sein, ist für Männer und Frauen jeden Alters verheerend. Der Konflikt zwischen den Wünschen des Einzelnen und der Pflicht gegenüber seiner Familie betrifft Menschen jeder Klasse, Rasse und jeden Geschlechts. Überall leiden Mädchen und Frauen noch immer unter mangelnder Bildung und fehlenden beruflichen Möglichkeiten, selbst in modernen, entwickelten Gesellschaften. Ich wurde Filmemacherin, weil ich mit keinem anderen Medium so wirkungsvoll andere Menschen erreichen und mich mit ihnen verbinden kann. Die Schönheit des Kinos ist für mich nicht nur eskapistisch, sondern auch transformativ. In diesem Film wird es schonungslose, unangenehme, erschütternde und schmerzhafte Momente geben. Ich hoffe aber, dass er auch verzeihend, großzügig, humorvoll, liebevoll und sinnlich sein wird, ganz so wie die vielen Leben, an denen ich teilhaben durfte.

Drehen in Vietnam

May, die dritte Frau (Filmszene)
©Mayfair Pictures

In Hinblick auf das Thema der Geschichte beschlossen wir eine Crew zusammenzustellen, in der hauptsächlich Frauen die kreativen Filmdepartments leiteten. In Vietnam war es absolut ungewöhnlich, dass wir eine Kamerafrau hatten. Die Crew vor Ort war begeistert von dem hohen künstlerischen Niveau unserer DOP, die sich übrigens während der anstrengenden Dreharbeiten im Frühstadium ihrer Schwangerschaft befand und dennoch das ganze Team mit ihrem hohem Maß an Professionalität und Engagement zutiefst beeindruckte.

Frauengeschichten sind höchst erzählenswert und Künstlerinnen haben die große Fähigkeit, Potenziale zu realisieren, die weit über die Grenzen hinausgehen, die früher für ihr Geschlecht definiert waren. Ich glaube, dass wir dies mit der Produktion des Films erfolgreich zeigen konnten.

„MAY, DIE DRITTE FRAU“ war eine extrem anspruchsvolle Produktion, weil wir bis ins letzte historische Detail so authentisch wie möglich sein wollten. Es war wichtig, an echten, aber von modernen Entwicklungen unberührten Locations zu filmen. Das bedeutete, dass wir für jede Außenszene oft in abgeschiedene Bergregionen wandern mussten. Vieles, was wir dort draußen in der Natur entdeckten, wie das Wachsen und die Ernte der Seidenraupen, die unterschiedlichen Vogelgesänge, der durch Wetterwechsel verursachte Dunst und Nebel, wurden wichtige visuelle Themen im Film. Zudem dauerte auch die Suche nach der Hauptdarstellerin fast acht Monate, in denen wir durch das ganze Land reisten und mehr als 900 Mädchen in Mittel- und Oberschulen für die Rolle vorsprachen.

Ich wünsche mir, dass „MAY, DIE DRITTE FRAU“ die erste von vielen Geschichten über die Menschheit und ihre komplexe Schönheit sein wird, die ich erzählen werde, und dass der Film ein Eigenleben entfalten und andere Künstler ebenfalls dazu inspirieren wird, darunter auch junge Mädchen, die irgendwann in der Zukunft Lust haben werden, ihre eigenen Geschichten beizutragen.

Text via jip film & verleih

Stab/Crew
Produzent/in: Trần Thị Bích Ngọc
Produzent/in: Ash Mayfair
Ausführende/r Produzent/in: Dang Thanh Tam
Ausführende/r Produzent/in: Dang Thi Hoang Yen
Regie: Ash Mayfair
Drehbuch: Ash Mayfair
Kamera/DoP: Chananun Chotrungroj
Schnitt: Julie Béziau
Musik: Tôn Thất An
Produktionsdesign: Đỗ Trọng An
Kostümdesign: Trần Phương Thảo
Maske: Nguyễn Kiều Thu
Tondesign: Edouard Morin
Ton: Roman Dymny (Mischung)
beteiligte Firmen
Produktion: Mayfair Pictures
Produktion: An Nam Productions
Produktion: Three Colors Productions
Verleih Deutschland: jip film & verleih
Weltvertrieb: m-appeal, Berlin

Quelle: jip film & verleih, FilmBizNews