Ryuichi Sakamoto: Coda (Filmszene)
©Salzgeber & Co. Medien
Titel: Ryuichi Sakamoto: Coda
Originaltitel:
Land: Japan, USA
Genre: Dokumentarfilm (Filmportrait)
Deutschlandstart: 12.07.2018
Regie: Stephen Nomura Schible
Farbe: Farbe
Format:
Ton:
Laufzeit: 102 Minuten
Budget:
Mit: Ryuichi Sakamoto
FSK: ab 6 Jahren
sonstiges: japanisch-englische Originalversion mit deutschen Untertiteln
Cast
Protagonist Rolle
Ryuichi Sakamoto selbst
Inhalt
Ryuichi Sakamoto: Coda (Filmplakat)Ryuichi Sakamoto ist einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit. Seine sagenhafte Karriere umspannt über vier Jahrzehnte. In den späten 70ern erfindet er mit seiner Band Yellow Magic Orchestra den japanischen Techno-Pop, veröffentlicht als Solo-Künstler erste Alben zwischen elektronischer, klassischer und Weltmusik und wird als Shooting Star gefeiert.

In den 80er und 90er Jahren komponiert er legendäre Soundtracks für „Merry Christmas, Mr. Lawrence“, „Der Himmel über der Wüste“ und „Little Buddha“. Für die Filmmusik zu „Der letzte Kaiser“ wird er 1987 mit dem Oscar ausgezeichnet. Bis heute gibt Sakamoto seiner Musik über Kollaborationen mit anderen wegweisenden Komponisten, Regisseuren und Konzeptkünstlern immer wieder neue Impulse.

Seit der Atomkatastrophe von Fukushima engagiert er sich zudem stark als Umweltaktivist und gilt als einer der Wortführer der Anti-Atomkraft-Bewegung in Japan.

Kommentar von Stephen Nomura Schible
Ryuichi Sakamoto: Coda (Filmszene)
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Ich will mit meinem Film zeigen, wie Ryuichi Sakamotos Bewusstsein für die ökologische und soziale Krise seines Heimatlandes sowie die ganz persönliche Lebenskrise seine musikalische Ausdrucksweise beeinflusst haben. Ich habe den Film CODA genannt, weil ich wollte, dass er musikalisch endet – mit der Geburt eines neuen Stücks. Ich hoffe dass die Zuschauer/innen den Film als Möglichkeit zur Öffnung der eigenen Wahrnehmung erleben – und sich vorstellen können, wie Ryuichi die Welt hört.Als ich 2012 begann, an dem Film zu arbeiten, waren die Wunden, die das Erdbeben, der Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima in Japan gerissen haben, noch relativ frisch. Kurz zuvor hatte ich erfahren, dass Sakamoto ein Wortführer der Anti-Atomkraft-Bewegung in Japan geworden ist. Irgendwie hatte ich gefühlt, dass es da eine Geschichte gibt, die man erzählen muss. Mit dem Dreh habe ich ziemlich spontan begonnen.In Japan mag man es nicht besonders, wenn populäre Künstler/innen sich politisch positionieren oder gar über Themen sprechen, die mit Tabus belegt sind, wie die nukleare Belastung der Umwelt. Ryuichis Engagement war also nicht ohne Risiko und Reibung. Die japanischen Mainstream-Medien, die seine Karriere bis zu diesem Zeitpunkt begeistert verfolgt hatten, reagierten sehr zurückhaltend und scheuten davor zurück, detailliert zu berichten. Ich wollte diese Leerstelle füllen.

Zu meiner Überraschung hat mir Ryuichi umfangreich Zugang gewährt – es war der Beginn eines fünfjährigen Arbeitsprozesses. Fukushima hat mir das Gefühl gegeben, dass sich meine Welt komplett verkehrt hat, dass nichts mehr jemals so sein wird wie zuvor. Ich habe gespürt, dass Ryuichi das ähnlich empfand. Ich wollte nie einen politischen Film machen. Mehr als alles andere interessierte es mich, wie diese Veränderung sich in seiner Kunst manifestieren würde.

Ich bin im Tokyo der 70er und 80er aufgewachsen. Ich wusste also, dass Ryuichi einst während des japanischen Wirtschaftsbooms mit seiner Techno-Pop-Band Yellow Magic Orchestra einen bestimmten, von technologischer Entwicklung angetriebenen Ethos verkörperte. Ich fand es spannend, wie er nun Haltung gegen das Establishment einnahm und angetrieben wurde von einer reuevollen Besorgtheit gegenüber Technologie, insbesondere in Zusammenhang mit der Zerstörung unserer Umwelt.

Ryuichi Sakamoto: Coda (Filmszene)
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Während des Drehprozesses gab es einige unerwartete Wendungen der Ereignisse; manchmal schien es fast so, als müssten wir die Dreharbeiten komplett abbrechen. Die größte Herausforderung war natürlich Ryuichis Erkrankung. Als wir erfuhren, dass er an Krebs erkrankt ist, wurde unser Arbeitsprozess zu seiner Reise ohne Karte und Kompass. Alle, die an dem Film beteiligt waren, mussten sich durch den Film hindurchtasten, wir konnten uns nur behutsam nach vorne improvisieren. Letztlich hat uns Ryuichis Kompositionsprozess geführt, er brachte organisch die Form unseres Films hervor.

Ich wollte im Film zeigen, wie sich Ryuichis Bewusstsein für Krisen entwickelt und wie dieses Bewusstsein seinen musikalischen Ausdruck verändert hat. Ich wollte dazu eine musikalische Filmsprache aufbauen – mit Klängen als Strukturelementen, bis zu jenem Punkt, an dem die Zuschauer/innen die Geschichte nicht nur mit ihren Augen sehen, sondern auch durch ihre Ohren fühlen können. Meine Hoffnung ist, dass alle, die sich auf die filmische Reise einlassen, den Film wie die Öffnung der Wahrnehmung erleben und die Chance bekommen, die Welt wie Ryuichi zu hören und mitzuerleben, wie er letztlich einen neuen musikalischen Ausdruck findet.

Ryuichi ist davon überzeugt, dass alle Klänge Musik sind – auch Umweltklänge, die gewöhnlicherweise nicht als Musik betrachtet werden. Diese Philosophie hat seine jüngsten Kompositionen ebenso inspiriert wie unseren filmischen Montageprozess. Der Klang eines zerbrochenen Klaviers, das Heulen eines Geiger-Zählers, die Geräusche vom brechendem Eis der Arktis, Ryuichis wunderschöne melodische Skizzen – alles wurde als musikalischer Ausdruck verstanden und zusammengelegt. Die Klänge wurden als Artefakte unserer Zeit behandelt, aus denen wir behutsam unseren Film modellierten.

Text via Salzgeber & Co. Medien

Stab/Crew
Produzent/in: Yoshiko Hashimoto
Produzent/in: Stephen Nomura Schible
Produzent/in: Eric Nyari
Koproduzent/in: Hajime Yoda
Koproduzent/in: Takeo Kodera
Koproduzent/in: Yoshiko Hashimoto
Ausführende/r Produzent/in: Tsuguhiko Kadokawa
Ausführende/r Produzent/in: Hisaou Wakaizumi
Ausführende/r Produzent/in: Shuichi Machida
Ausführende/r Produzent/in: Norika Sora
Associate Producer: Jinn Nishimura
Regie: Stephen Nomura Schible
Regieassistent/in: Motomu Ishigaki
Kamera/DoP: Tom Richmond
Kamera/DoP: Neo S. Sora
Schnitt: Hisayo Kushida
Schnitt: Yuji Oshige
Produktionsmanagement: Kazuko Shingyoku
Postproduktion: Fumiro Sato (Koordination)
Tondesign: Tom Paul (Mischung)
Ton: Ryotaro Harada (Aufnahme)
Ton: David Forshee (Schnitt Effekte)
Ton: Kevin Peters (Dialogschnitt)
Musikabteilung: John McCullough (Supervisor)
Visuelle Effekte: Fumiro Sato
Kameraoperator: Ito Hiroshi
Kameraoperator: Taiki Douglas Ideguchi
Kameraoperator: Kensaku Kakimoto
Kameraoperator: Mami Morisaki
Kameraoperator: Stephen Nomura Schible
Kameraoperator: Yoshihisa Toda
Kameraoperator: Yutaka Yamazaki
Kameraoperator: Yusuke Arimoto (Konzerte)
Kameraoperator: Krittin Patkuldilok (Konzerte)
Kameraoperator: Albert Tholen (Konzerte)
Kameraoperator: Felipe Vara De Rey (Konzerte)
beteiligte Firmen
Produktion: Borderland Media
Produktion: Cineric Creative
Koproduktion: Avrotos
Präsentiert von: Kadokawa
Präsentiert von: Avex Digital
Präsentiert von: DENTSU Music And Entertainment
Postproduktion: Cineric
Postproduktion: Gigantic Studios (Ton)
In Kooperation mit: NHK
Verleih Deutschland: Edition Salzgeber
gefördert/unterstützt durch: Documentary Japan