Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien (Filmszene)
©Filmgalerie 451
Titel: Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien
Originaltitel: Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien
Land: Deutschland
Genre: Dokumentarfilm
Kinostart Deutschland:
Regie: Bettina Böhler
Farbe: Farbe, Schwarz-Weiß
Format: 1:1.78, DCP
Ton:
Laufzeit: 124 Minuten
Budget:
Mit: Christoph Schlingensief, Udo Kier, Sophie Rois, Martin Wuttke, Tilda Swinton
FSK: ab 12 Jahren
sonstiges:
Cast
Protagonisten
Christoph Schlingensief
Margit Carstensen
Irm Hermann
Alfred Edel
Udo Kier
Sophie Rois
Bernhard Schütz
Helge Schneider
Dietrich Kuhlbrodt
Susanne Bredehöft
Martin Wuttke
Tilda Swinton
Artur Albrecht
Achim von Paczenzky
Helga Stöwhase
Sebastian Rudolph
Inhalt
Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien (Filmplakat)Mit seinen „Heimatfilmen“, seinen Aktionen und Interventionen in Theater, Fernsehen, Oper und Kunst hat der Regisseur Christoph Schlingensief, über zwei Jahrzehnte den kulturellen und politischen Diskurs in Deutschland mitgeprägt.

SCHLINGENSIEF – IN DAS SCHWEIGEN HINEINSCHREIEN von Bettina Böhler unternimmt als erster Film den Versuch, den Ausnahmekünstler Schlingensief, der 2010 im Alter von nur 49 Jahren verstarb, in seiner ganzen Bandbreite zu dokumentieren.

Der Fokus des Films liegt in Schlingensiefs Auseinandersetzung mit Deutschland. Sein Verhältnis zu diesem Land war sehr widersprüchlich: einerseits verspürte er eine Verbundenheit mit den Menschen und Orten seiner Herkunft, seiner Kernfamilie und so etwas wie „Heimat“, andererseits rebellierte er gegen sie – auch gegen den Kleinbürger in sich selbst – und provozierte bis hin zur Forderung „Tötet Helmut Kohl“ auf der documenta X 1997. Dass er 2004, am deutschesten Ort der Hochkultur, in Bayreuth Wagners Erlöser-Oper „Parsifal“ inszenieren durfte, und später die Einladung erhielt, den Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig zu gestalten, erfüllte ihn auch mit Stolz, weil er erkannte, dass die Hassliebe zu seinem Land doch noch mit Anerkennung erwidert wurde.

Es ist ein Montage-Film der Editorin Bettina Böhler, die zwei der wichtigsten Filme von Christoph Schlingensief, TERROR 2000 und DIE 120 TAGE VON BOTTROP geschnitten hat. Ihr Film besteht aus sehr umfänglichem Archivmaterial aus vier Jahrzehnten: Ausschnitte aus seinen Spielfilmen, Theateraufzeichnungen, Aktionen, Fernsehproduktionen, Privataufnahmen und Auftritte in Talkshows. Der Erzähler des Films ist Schlingensief selbst.

Das Mittel der Montage, Überlagerung von Bildern, Texten und Inhalten, war ein Kernelement seines gesamten Werkes.

Kommentar von Bettina Böhler
Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien (Filmszene)
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Einen Film über Christoph Schlingensief zu machen, ist für mich zugleich Wagnis und Herzensangelegenheit. Ich selbst habe als Filmeditorin mit Christoph in den neunziger Jahren zweimal zusammengearbeitet, bei TERROR 2000 – INTENSIVSTATION DEUTSCHLAND (1992) und DIE 120 TAGE VON BOTTROP (1997). Die Arbeit an diesen Filmen und die Zeit mit ihm habe ich als sehr intensiv in Erinnerung. Ich habe Christoph als klugen, empathischen und auch verletzlichen Menschen erlebt, mit einem untrüglichen Gefühl dafür, den Finger in die Wunde zu legen.

Es geht darum, Christoph Schlingensief als Freund und Künstler in öffentlicher Erinnerung zu behalten. Eine Auseinandersetzung mit dem Werk dieses außergewöhnlichen und umstrittenen Regisseurs, der es über Jahrzehnte geschafft hat, auf provokative und emotionale Weise Deutschland den Spiegel vorzuhalten, verspricht eine aufrüttelnde politische Wirkung. Ich denke er fehlt, gerade in der heutigen Zeit.

Schlingensief war einer der politischsten Künstler des Landes. Er hat, mit seinen Mitteln, nicht nur die Bilder, Emotionen und Zustände der Kultur zerstückelt – bis hin zum Tempel der deutschesten aller Hochkulturen: dem Festspielhaus in Bayreuth -, sondern sich immer wieder in die Politik eingemischt.

Es ist ein Montage-Film: Ausschnitte aus seinen Filmen, Theateraufzeichnungen, Aktionen, Fernsehproduktionen und Auftritte in Talkshows, durchwoben mit Super 8 Filmen aus seiner Kindheit. Der Erzähler ist Christoph selbst. Seine Stimme ist der energetische Faden des Films. Interviews von Alexander Kluge, Frieder Schlaich und Gregor Gysi, kombiniert mit privaten Selbstbefragungen ermöglichen eine Innenansicht, intensiviert durch Musiken von Helge Schneider und Richard Wagner.

Ein Schlingensief-Film mit Schlingensief-Mitteln.

Mein Fokus liegt auf der Beschäftigung Schlingensiefs mit diesem Land und seiner Vergangenheit, die bis in die Gegenwart hineinreicht.

Schreien ist besser als schweigen. Eine wilde Jagd durch die Seelen der Nachgeborenen.

Text via Weltkino Filmverleih

Kommentar von Frieder Schlaich (Produktion)
Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien (Filmszene)
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Christoph Schlingensief und ich haben uns 1990 bei der Kinopremiere von DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER (1990) im Berliner Xenon-Kino kennengelernt und angefreundet. Christoph wohnte zu der Zeit in Mühlheim, ich in Stuttgart. Kurz darauf war DAS KETTENSÄGENMASSAKER eine der ersten Veröffentlichungen der Filmgalerie 451 auf VHS-Video, für uns eine Weichenstellung! Von da an haben wir alle Filme von Christoph veröffentlicht und ab 2002 auch mehrere seiner Filme produziert. 2007 starteten wir noch mit Christoph die Materialsicherung seiner Arbeiten in unserem Filmarchiv, was ich bis heute fortsetze. Seit seinem Tod veröffentlichen wir einmal im Jahr restaurierte Filme und unveröffentlichte Arbeiten im Kino, auf DVD oder VoD.

Dass jemand wie Christoph Schlingensief fehlt, hören wir täglich, und zum Glück sind seine Filme und Videos weiterhin gefragt und immer irgendwo auf der Welt zu sehen. Aber selbst unter seinen Freunden und Insidern kennt kaum jemand auch nur ansatzweise sein gesamtes Werk, seine Entwicklung und die Zusammenhänge. Christoph war einfach zu schnell und zu produktiv, um ihm folgen zu können. Deshalb, und weil wir die einmalige Möglichkeit durch unser großes Archiv haben, geisterte schon seit Jahren die Idee in meinem Kopf herum, einen Film über Christoph zu machen, der mehr zeigt, als seine bekannten Filme und Aktionen, einen Film, so wie ihn Bettina Böhler jetzt gemacht hat!

Es ging darum, einen lebendigen Film über einen politischen Künstler zu machen, der gerade jetzt sein Publikum anstiften und inspirieren soll. Niemand in Deutschland hat das Recht auf „Freiheit der Kunst“ so intensiv genutzt wie Christoph Schlingensief, das ist mehr als wertvoll und gilt es zu zeigen.

Das 10. Todesjahr ist der traurige Anlass für den Film.

Dass ein Film über Christoph trotzdem Spaß macht, ist auch klar!

Text via Weltkino Filmverleih

Stab/Crew
Produzent/in: Frieder Schlaich
Produzent/in: Irene von Alberti
Redaktion: Rolf Bergmann (rbb)
Redaktion: Jutta Krug (WDR)
Archivrecherche und Assistenz: Lydia Anemüller
Regie: Bettina Böhler
Drehbuch: Bettina Böhler
Schnitt: Bettina Böhler
Musik: Helge Schneider
Dramaturgische Beratung: Angelina Maccarone
Tondesign: Daniel Iribarren
Ton: Adrian Baumeister (Mischung)
beteiligte Firmen
Produktion: Filmgalerie 451
Koproduktion: Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb, Berlin)
Koproduktion: Westdeutscher Rundfunk (WDR, Köln)
Verleih Deutschland: Weltkino Filmverleih
Weltvertrieb: Filmgalerie 451
gefördert/unterstützt durch: Beauftragte/r der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)
gefördert/unterstützt durch: Medienboard Berlin-Brandenburg
gefördert/unterstützt durch: Film- und Medienstiftung NRW
gefördert/unterstützt durch: Deutscher Filmförderfonds

Quelle: Weltkino Filmverleih, FilmBizNews