Una und Ray (Filmszene)
©Weltkino Filmverleih
Titel: Una und Ray
Originaltitel: Una
Land: Kanada, Großbritannien, USA
Genre: Drama
Kinostart Deutschland: 30.03.2017
Regie: Benedict Andrews
Farbe: Farbe
Format:
Ton:
Laufzeit: 94 Minuten
Budget:
Mit: Rooney Mara, Ben Mendelsohn, Ruby Stokes, Riz Ahmed
FSK: ab 12 Jahren
sonstiges: Basierend auf dem preisgekrönten Broadway-Erfolg „Blackbird“ von David Harrower.
Cast
Darsteller/in Rolle
Rooney Mara Una
Ben Mendelsohn Ray
Ruby Stokes junge Una
Riz Ahmed Scott
Tara Fitzgerald Andrea
Natasha Little Yvonne
Poppy Corby-Tuech Poppy
Isobelle Molloy Holly
Ciarán McMenamin John
Sophie Stanton Carol
Sydney Wade Amy
David Shields Joe
Tony Paul West Freund von Ray
Barney White Polizist
Grainne Keenan Jenny
Emilee Roscamp Emma
Jessica Jean Harland Stubbs Jade
Dan Ball Nick
Brett Allen Polizist
Xanthe Gibson Leah
Inhalt
Una und Ray (Filmplakat)Als eines Tages plötzlich die schöne Una in seinem Büro auftaucht, wird Ray ungewollt mit seiner dunklen Vergangenheit konfrontiert. 15 Jahre zuvor verband ihn mit der damals noch minderjährigen Tochter seines Nachbarn eine verbotene Liebesaffäre, für die Ray schließlich verhaftet und verurteilt wurde.

Inzwischen hat sich Ray unter anderem Namen ein neues Leben aufgebaut – für Una hingegen scheint die Zeit stillgestanden zu haben. Es folgt eine erbarmungslose Aufarbeitung längst begrabener Erinnerungen mit fatalen Konsequenzen.

Kommentar von Regisseur Benedict Andrews
Una und Ray (Filmszene)
©Weltkino Filmverleih

In UNA UND RAY geht es um eine junge Frau auf der Suche nach ihrer Vergangenheit. Sie hat das Gefühl, ihr Leben vor fünfzehn Jahren verloren zu haben und seither wie ein Geist zu leben. Hinter ihrer Fassade der Normalität verbirgt sich eine gebrochene Kindfrau, für die die Zeit still steht. Sie will den Mann, der ihr wehgetan hat, zerstören, aber sie will auch, dass er sie wieder liebt. Sie will unbedingt beweisen, dass das, was sie fühlte, real war. Una bleibt so lange hilflos bis sie ihre Vergangenheit zurückerobert und herausfindet, wieso Ray sie verlassen hat. Es gibt so viele Fragen, auf die sie eine Antwort braucht: War sie die einzige? War sie eine Ausnahme – das einzige Mädchen, das er je geliebt hat? Oder war sie nur eine von vielen – nur ein weiteres Opfer? Der Film dreht den Lolita-Mythos um: Während LOLITA die Tabubeziehung nur aus der Perspektive des Mannes zeigt, erlebt man UNA UND RAY auch aus der Sichtweise eines Mädchens und der Frau, die sie wird. Die Ereignisse des Sommers, als Una dreizehn Jahre alt war, wirken immer noch wie ein Strudel auf sie. Mit der Begegnung der beiden setzt sich ein heftiges Drama aus Schmerz, Schuldzuweisungen und Verlust in Bewegung. Schichten aus Geheimnissen, Lügen und verbotener Liebe werden gelöst, bis Una und Ray emotional bloßgestellt sind und ihrer Vergangenheit ins Auge sehen müssen.

Wir wollten diesen Thrill, zwei Menschen eineinhalb Stunden dabei zuzuschauen, wie sie Stück für Stück ihr Innerstes offenbaren und sich gegenseitig bloßstellen, vom Theater auf den Film übertragen. Dorthin, wo es wirklich wehtut, in die offene Wunde der Beziehung von Ray und Una, gelangt man nicht nur durch Sprache und Körperlichkeit, sondern auch über das Vermögen des Kinos, Zeit und die persönliche, emotionale Erfahrung von Zeit zu untersuchen. Die Geschichte von UNA UND RAY basiert auf einem entscheidenden Ereignis, das in der Vergangenheit liegt, und es interessierte mich, wie innerhalb eines sehr kompakten, komprimierten Moments der Konfrontation in der Gegenwart, die Vergangenheit hervorbrechen und sich ausdehnen könnte – und zwar durch die Erinnerung, dem Thema, dem die Geschichte von „Blackbird” so stark verhaftet ist. Ich wollte herausfinden, wie ein Film diese dünne Linie zwischen Vergangenheit und Gegenwart beschreiben kann. In UNA UND RAY wird die angespannte, klaustrophobische Gegenwart unterbrochen von flüchtigen und bruchstückhaften Erinnerungen. Die Vergangenheit schlängelt sich durch die Gegenwart wie eine vergessene Melodie. Meine Inspiration kam aus Filmen wie HIROSHIMA MON AMOUR von Alain Resnais, die zeigen, wie Gegenwart und Vergangenheit koexistieren können.

Una und Ray (Filmszene)
©Weltkino Filmverleih

Das Kino zeigt Bilder, die man im Theater normalerweise im Kopf hat. Ich denke, für das Publikum ist es im Film noch unangenehmer und moralisch wie emotional komplizierter zu sehen, wie sich diese Beziehung entwickelt. Es ist herausfordernder und auf eine bestimmte Art und Weise auch berührender. Man ist viel stärker emotional eingebunden – was es meiner Meinung nach schmerzhafter macht. Der Film spielt ständig mit den Erwartungen des Publikums. Es muss entschlüsseln, was real ist, was wahr ist, wem es glauben soll. Der Film spielt mit den Sympathien des Zuschauers und seinem moralischen Verständnis von Täter und Opfer. Das Ganze bewegt sich auf Messers Schneide. Die komplizierten Schichten von Realität und Erinnerung und die Räume, in denen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander treffen, stellen auch die Frage nach der Zuverlässigkeit von Erinnerungen – gerade im Film. Wessen Erinnerung sehen wir? Welche Rolle spielt das emotionale Trauma für die Art und Weise, wie die Erinnerungen dargestellt werden?

Es gibt keine Entschuldigung für das, was zwischen Ray und Una geschah, als Una dreizehn Jahre alt war. Es war eine absolut inakzeptable Beziehung. Der Film aber verurteilt in keiner Weise die Handlungen von Ray. Aber er erinnert uns an die bleibenden Schäden seiner Handlungen. Ich möchte, dass der Film nach dem Verlassen des Kinos in den Gedanken und Gesprächen des Publikums fortlebt. Ich möchte, dass das Publikum die wichtigen Fragen des Films über Verantwortung und Missbrauch, über die Grenze zwischen Liebe und Missbrauch diskutiert. Der Missbrauch von Kindern ist ein beißendes Problem in unserer Gesellschaft. Das Thema wurde zu lange tabuisiert. UNA UND RAY soll helfen, diese wichtige Konversation zu aktivieren und auszuweiten.

VOM THEATERSTÜCK ZUM FILM

David Harrowers Einakter „Blackbird“ wurde in Großbritannien erstmals während des Edinburgh International Festivals im Jahr 2005 aufgeführt. Benedict Andrews inszenierte nur drei Monate nach seiner Premiere in Edinburgh die erste deutschsprachige Produktion von Harrowers „Blackbird“ an der Berliner Schaubühne im November 2005. Darin übernahm Jule Böwe die Rolle der Una und Thomas Bading spielte Ray. 2008 inszenierte Cate Blanchett das Stück für die Ruhrfestspiele Recklinghausen. In den zehn Jahren nach dem fantastischen Debüt wurde „Blackbird“ in zahlreiche Sprachen übersetzt und in der ganzen Welt aufgeführt. Von Kapstadt bis Stockholm, von Mumbai bis Tokio reichen die über vierzig Produktionen, die bisher auf die Bühne gebracht wurden. Auch eine Wiederaufführung am Broadway mit Jeff Daniels und Michelle Williams im Jahr 2016 gehört dazu.

Una und Ray (Filmszene)
©Weltkino Filmverleih

Um die Erinnerung als eine Art Paralleluniversum in Form von Flashbacks darzustellen, fügte David Harrower für den Film die Szenen der Vergangenheit hinzu. Denn Benedict Andreas wollte zeigen, wie die verbotene Beziehung von Una und Ray ihren Anfang nahm – das Wann, das Wie und das Warum – um den Zuschauer direkt ins Herz der besonderen Verbindung der beiden zu führen.

Außerdem wurden dem ursprünglichen Zwei-Personen-Stück neue Figuren hinzugefügt, die Una und Ray umkreisen – wie z.B. Unas Mutter, Rays Ehefrau, seine Arbeitskollegen und Unas anonyme Sexualpartner – um zu zeigen, wie die Ereignisse der Vergangenheit Unas und Rays Beziehungen zu anderen Menschen in der Gegenwart geprägt haben.

Während das Originalstück nur in einem einzigen Raum – einem klaustrophobischen Lageraufenthaltsraum – spielt, war es Andrews wichtig, im Film auch die Lebensräume der Figuren zu zeigen. Una lebt am Ende einer Straße, in einer sprichwörtlichen Sackgasse. Man ahnt, wie nah sie dort damals Ray war. Aber nach fünfzehn Jahren lebt sie immer noch dort. Ihr ganzes Leben ist eine Art Sackgasse, denn sie steckt in der Vergangenheit fest. Währenddessen lebt Ray in einem neuen, modern eingerichteten Einfamilienhaus. Er hat sich ein neues, erstrebenswertes Leben aufgebaut. Ein wichtiger Schauplatz war auch die windgepeitschte Küste von Kent als sprichwörtliches Ende der Straße der Beziehung von Una und Ray und als der Ort, der diejenigen vergangenen Ereignisse in sich trägt, die auch heute noch in Unas Gedanken die größten Wellen schlagen. Auch das Lagerhaus, in dem Ray arbeitet, verfügt über einen metaphorischen Aspekt: Es ist ein Labyrinth mit Räumen so groß wie Schuhkartons und hoch aufgetürmten Lagerregalen. Ray versteckt sich dort (unter dem Namen Peter) und Una kommt, um den Minotaurus ihrer Vergangenheit zu konfrontieren.

Text via Weltkino Filmverleih

Stab/Crew
Produzent/in: Jean Doumanian
Produzent/in: Maya Amsellem
Produzent/in: Patrick Daly
Koproduzent/in: Célia Duval
Ausführende/r Produzent/in: Ron Burkle
Ausführende/r Produzent/in: Jason Cloth
Ausführende/r Produzent/in: Aaron L. Gilbert
Ausführende/r Produzent/in: Sharon Harel
Ausführende/r Produzent/in: George S. Kaufman
Ausführende/r Produzent/in: David Kosse
Ausführende/r Produzent/in: Terry Allen Kramer
Ausführende/r Produzent/in: Kevin Loader
Ausführende/r Produzent/in: Andrew Pollack
Ausführende/r Produzent/in: Eve Schoukroun
Associate Producer: Kathryn Willingham
Associate Producer: Saul Nathan-Kazis
Regie: Benedict Andrews
Drehbuch: David Harrower
Kamera/DoP: Thimios Bakatakis
Schnitt: Nick Fenton
Musik: Jed Kurzel
Produktionsdesign: Fiona Crombie
künstlerische Leitung: Tim Blake (Supervisor)
künstlerische Leitung: Katie Money
künstlerische Leitung: Emily Norris
Setdekoration: Alice Felton
Locationmanagement: Henry Woolley
Casting: Kahleen Crawford
Tondesign: Alex Joseph
Ton: Stephen Griffiths (Supervisor Schnitt)
Ton: Danny Hambrook (Mischung)
Ton: Matis Rei (Schnitt Effekte)
Ton: Steve Single (Dialogschnitt)
Musikabteilung: Ian Neil (Supervisor)
Kostümdesign: Steven Noble
Maske: Nicole Stafford (Ben Mendelsohn)
Maske: Jan Sewell
Maske: Lizzie Davies
Maske: Agnes Hayward-Legere
Requisite: Chris Cull
Requisite: Mathew Hilton
Visuelle Effekte: Valentina Bartiromo
Visuelle Effekte: Sarah Juniper
Visuelle Effekte: Enrico Lambiase
Kameraoperator: Alf Tramontin (Steadicam)
Setfotos: Nicola Dove
Stuntkoordination: Andreas Petrides
beteiligte Firmen
Produktion: Bron Studios
Produktion: Film4
Produktion: Jean Doumanian Productions
Produktion: WestEnd Films
Postproduktion: Creativity Media
In Zusammenarbeit mit: Creative Wealth Media Finance
Verleih Deutschland: Weltkino Filmverleih
Vertrieb: Weltkino Filmverleih