Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren gründen Initiative KONTRAKT ‘18

Kontrakt ‘18: Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner
1. Reihe vorne von links: Dorothee Schön, Clemens Murath, Thorsten Wettcke, Johannes Betz, Gerrit Hermans, Marc Terjung – 2. Reihe dahinter von links: Annette Hess, Sarah Schnier, Heide Schwochow, Kristin Derfler, Esther Bernstorff, Volker A. Zahn – 3. Reihe versetzt: Thomas Wendrich, Sebastian Orlac, Richard Kropf, Bob Konrad, Oliver Kienle, Hanno Hackforth, Rolf Basedow, Susanne Schneider, Britta Stöckle, Katrin Bühlig, Christian Jeltsch, Orkun Ertener, David Ungureit, Michael Comtesse, Kai Hafemeister, Eva Zahn, dahinter: Stefanie Veith – ©Laura Klein

Seit mehr als zwei Jahrzehnten hat das fiktionale Erzählen im Fernsehen nahezu weltweit eine beständige Qualitätssteigerung erlebt, die vor allem in den USA, Großbritannien, den skandinavischen Ländern und Frankreich zu beachtlichen Innovationen und großen künstlerischen Leistungen geführt hat.

Dies ist in diesen Ländern in erster Linie der herausragenden kreativen Rolle der Drehbuchautorinnen und -autoren zu verdanken, die nicht nur Buchvorlagen liefern, sondern den gesamten Prozess der Film- und Serienentstehung von der ersten Idee bis zur Endmontage begleiten, kontrollieren und mitverantworten.

Deutschland ist in dieser Hinsicht trotz ermutigender Beispiele aus jüngster Zeit immer noch ein Entwicklungsland. Nicht mehr zeitgemäße Traditionen und Strukturen führen hierzulande regelmäßig nicht nur dazu, dass den Schöpfern die kreative Kontrolle über ihre eigenen Werke entzogen wird, sondern verhindern leider auch, dass das Potential, das in der Arbeit der Autorinnen und Autoren liegt, zur Qualitätssteigerung der Programme genutzt wird. Dies geht einher mit einer mangelnden Anerkennung für die schöpferische Arbeit der Autorinnen und Autoren, wie zum Beispiel die Vorgänge um die Einladungspraxis des Deutschen Fernsehpreises Anfang des Jahres gezeigt haben.

Bei vielen Produzenten, Redakteuren und Regisseuren und hat jedoch seit einiger Zeit ein Umdenken stattgefunden. Der Fernsehpreis-Diskussion folgte eine große Solidaritätswelle für Autorinnen und Autoren, und in Interviews weisen Branchen-Vertreter immer wieder auf die herausragende Bedeutung der Drehbuchautoren im Prozess der Filmherstellung hin.

Damit es nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt und um eine für die Branche insgesamt unproduktive Situation zu verbessern, gründeten im Februar dieses Jahres Kristin Derfler, Annette Hess, Volker A. Zahn und Orkun Ertener die verbands- und organisationsunabhängige Initiative „Kontrakt ‘18“, die in Form einer Selbstverpflichtung zukünftige Vertrags- und Verhaltensstandards formuliert, die in anderen Ländern längst selbstverständlich sind und dort zur Qualität von Filmwerken nachhaltig beitragen.

Auf einer Konferenz im Berliner Savoy Hotel einigten sich Ende Mai dieses Jahres zahlreiche Autorinnen und Autoren auf einen 6-Punkte-Katalog, den mittlerweile 95 namhafte und preisgekrönte Drehbuchautorinnen und -autoren unterzeichnet haben. Ab dem 1. Juli 2018 werden sie nur noch dann in Vertragsverhandlungen für neue Filmoder Serien-Projekte eintreten, wenn ihnen mehr Kontroll- und Mitbestimmungsrechte eingeräumt werden, es geht dabei u. a. um die künstlerische Kontrolle über das Buch, eine einvernehmliche Einigung bei der Besetzung der Regie sowie um die Einbeziehung der Autoren bei Leseproben und Rohschnitt. Zudem verpflichten sich sämtliche Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dazu, Aufträge zu Buch-Überarbeitungen
(Rewrites, Polishing u. ä.) nur noch dann anzunehmen, wenn sie sich zuvor mit den aus dem Projekt ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen verständigt haben.

Die Initiatorinnen und Initiatoren des „Kontrakt ‘18“ freuen sich über die Vernetzung unter den Kolleginnen und Kollegen und betrachten die Initiative als Einladung an ihre kreativen Partner aus Produktion, Sendern und Regie, in einen produktiven Dialog zu treten, um die schöpferische Kraft der Autorinnen und Autoren für eine Qualitätssteigerung fiktionaler Filmwerke in Deutschland zu nutzen – gemeinsam und auf Augenhöhe!

Text via Kontrakt ‘18

Weitere Infos unter www.kontrakt18.de und www.kontrakt18.org