Studie der Universität Rostock untersucht Geschlechterdarstellungen in Fernsehen und Film

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Im Herbst 2016 startet die bislang umfassendste Studie zur Ermittlung von Geschlechterdarstellungen in deutschen TV- und Kinoproduktionen.

Sie wurde beauftragt von den vier großen TV-Senderverbünden ARD, ZDF, Pro7Sat1 und RTL gemeinsam mit den Filmförderern NRW Filmstiftung, FFF Bayern, FFA sowie der MaLisa Stiftung und wird durchgeführt vom Institut für Medienforschung der Universität Rostock unter Leitung von Prof. Dr. Elizabeth Prommer.

Konkret untersucht werden die Fragen: Welche unterschiedlichen Bilder von Frauen und Mädchen bzw. Männern und Jungen werden in den deutschen audiovisuellen Medien vermittelt? Wie werden Frauen und Männer im Fernsehen und Kino dargestellt? In welchen gesellschaftlichen Rollen und Kontexten werden sie gezeigt? Wie sieht es aus mit der quantitativen Präsenz von Frauen und Männern auf dem Bildschirm und auf der Leinwand? Gibt es statistisch erfassbare Unterschiede?

Die Fragen sind von großer gesellschaftlicher Relevanz, da die unterschiedliche Darstellung von Frauen und Männern in den Medien ein wichtiger Bestandteil der Sozialisation und Identitätsbildung junger Menschen ist. Die Bilder, die transportiert werden, beeinflussen, was von ihnen als möglich und als erstrebenswert angesehen wird.

Als Grundlage für die Studie dient eine detaillierte Analyse von 3.000 Stunden TV-Programm aus dem Jahr 2016 und 600 deutschsprachigen Kinofilmen aus den letzten fünf Jahren. Dabei wird die Rolle von Frauen und Männern sowohl in fiktionalen Produktionen und Unterhaltungsformaten als auch deren Platzierung und Darstellung als Experten bzw. Expertinnen bei journalistischen und dokumentarischen Beiträgen untersucht. Ziel ist es, die charakteristische Darstellung weiblicher und männlicher Rollen in audiovisuellen Medien zu ermitteln. Die letzte repräsentative Untersuchung in Deutschland liegt über 20 Jahre, in Bezug auf Kinderfernsehen über zehn Jahre zurück.

Initiiert hat die Untersuchung Dr. Maria Furtwängler:

„Es ist wichtig zu verstehen, welches Geschlechterbild mit der enormen Wirkungsmacht des Fernsehens und Kinos transportiert wird. In anderen Ländern wird schon viel getan, um die Darstellung von Frauen und Männern auf Bildschirm und Leinwand wissenschaftlich aufzuarbeiten. Hierzulande liegen uns kaum valide Zahlen vor“, begründet Maria Furtwängler den Ausgangspunkt für die Untersuchung. „Ich freue mich sehr, dass Elizabeth Prommer mit ihrem Team der Universität Rostock hier wichtige Grundlagenforschung betreibt und bedanke mich darüber hinaus herzlich bei allen Partnern und Förderern, die diese Studie ermöglicht haben.“

Die Studie „Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland“ der Universität Rostock wird getragen durch die ARD Degeto für die ARD, die Film und Medien Stiftung NRW, das ZDF, ProSiebenSat.1, den FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern), die Filmförderungsanstalt (FFA), die Mediengruppe RTL Deutschland und die MaLisa Stiftung. Die Ergebnisse werden im September 2017 präsentiert.

Ziel der Initiative ist es, die Erkenntnisse, die aus den Forschungsergebnissen hervorgehen, in die Praxis einzubringen. So ist beispielsweise eine Partnerschaft mit der UFA, der Filmakademie Baden-Württemberg und der Hochschule für Fernsehen und Film München geplant, um eine Auseinandersetzung mit den Inhalten beim Film-/TV-Nachwuchs anzuregen.